Orthographie und Interpunktion (Fortbildung)

Über eine Veranstaltung im November möchte ich gerne noch berichten: Es ist ja vielleicht ein bisschen komisch, dass ich noch für Fortbildungen zu den obigen Themen interessiere, aber wenn Wolfgang Schörkhuber, der Fachdidaktik im Fach Deutsch an der Uni unterrichtet, Fortbildungen für die PH Salzburg organisiert und an der HAK Neumarkt unterrichtet, ein Schulbuch verfasst hat (das ist das, was ich von ihm weiß ;-), aber es gibt sicher noch viel mehr…) eine Fortbildung empfiehlt, weiß ich, dass mich dafür interessieren sollte. Es hatte bisher aber auch immer, wenn ich dabei war, hervorragende Vortragende verpflichtet, die in intessanten Bereichen forschen. Bei Rechtschreibung und Grammatik denk ich mir ja immer, dass da noch was gehen muss.

Dieses Mal war Astrid Müller, Professorin für Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Uni Hamburg für eine Vorlesung und einen Workshop-Tag eingeladen.1 Ich war beide Male anwesend, einmal sogar mit Hund.

Am Abend des 15. November hielt Prof. Müller eine Vorlesung im Unipark. Die ZUsammenarbeit zwischen Universität und PH ermöglicht solche Veranstaltungen überhaupt erst, da die Kosten getreilt werden können. Astrid Müller berichtete über aktuelle Entwicklungen in der Orthographie- und Interpunktionsdidaktik. Ein beträchtlicher Anteil (so zwischen 14% und 22%) der SchülerInnen in Deutschland erreichen die Mindesstandards in den Tests nicht. Für Österreich gibt es keine Werte, da „bei der Standardüberprüfung für die 8. Schulstufe 2016 eine Neuskalierung erfolgte“. (Da hab ich wieder einmal nix davon mitbekommen…).

Besonders häufig sind jedenfalls Fehler bei

  • der satzinternen Großschreibung
  • der Getrennt- und Zusammenschreibung (die auch mit der letzten Rechtschreibreform zusammenhängen)
  • und der Interpunktion – oder eigentlich nur der Beistrichsetzung. Sie ist auch noch die Hauptfehlerquelle von Studierenden.

Aus diesen Analysen enstanden die Forschungsfrage „Unterstützt ein an der Struktur orientierter Rechtschreibunterricht die Leistungen im Bereich Wortschreibung besser als ein phänomen- und regelorientierter Unterricht?“ und entsprechende Versuche in 15 Hamburger Schul- und zehn Vergleichsklassen über den Zeitraum eines Semesters hinweg. In der Arbeit mit dem Silbenhaus zum Beispiel werden zweisilbige Wörter eingesetzt und die Verdopplung von Konsonanten (oder eben nicht) gemeinsam mit den Kinder untersucht. Zweisilbige Wörter deswegen, weil die meisten von ihnen zum nativen Wortschatz gehören. (Die meisten Mehrsilber dagegen nicht, sie sind Fremdwörter und funktionieren anders.)

Also:

  • Die meisten deutschen Wörter sind zweisilbig (außer „Ebene“).
  • Fast alle haben ein „e“ in der Reduktionssilbe.
  • Der Anfangsrand der zweiten Silbe beginnt immer mit einem Diphthong.Silbenhaus

Der Vorteil der Methode mit dem Silbenhaus liegt darin, dass die SchülerInnen die Struktur eines Wortes sehen und sich damit selbst erarbeiten können. Ähnliche Erkenntnisse gibt es auch zur satzinternen Großschreibung und zur Beistrichsetzung..

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Besonders spannend bei den Lösungsansätzen von Prof. Müllers Forschungsgruppe ist, dass sie völlig pragmatisch sind. Sie orientieren sich an den Fehlerhäufigkeiten und daran, dass Rechtschreibkenntnisse im Berufsleben immer noch eine wichtige Rolle einnehmen. Die häufigsten Schwierigkeiten werden analysiert und trainiert. Was man umgehen kann – z.B. die Silbentrennung – wird umgangen. Ihre Hauptzielgruppe sind Kinder der Grundschule und der Sekundarstufe 1 und für diese hat sie gemeinsam mit Melanie Bangel „Wörtern und Sätzen auf der Spur. Mein Rechtschreibheft“2 herausgebracht. Ich werde es ausprobieren, ich glaube auch, dass Kinder diese Übungen sehr gerne machen werden und sie auch Erfolge sehen werden.

1 Sie ist auch eine der HarausgeberInnen von Praxis Deutsch. Zeitschrift für den Deutschunterricht.
2 Müller, Astrid und Bangel Melanie: Wörter und Sätzen auf der Spur. Mein Rechtschreibheft. 2. Aufl., Seelze 2018.

Hundestunde

Ich habe mich in den letzten Monaten unter anderem damit beschäftigt, mit meiner Hündin Caramba die Ausbildung zum Therapiehundeteam zu machen. Das hat von April bis Ende November gedauert und falls sich jemand für eine ausführliche Dokumentation interessiert, kann sie hier nachgelesen werden.

Heute war es für uns das erste Mal, dass wir „professionell“ in der Schule gearbeitet haben. In den ersten Klassen stehen Haustiere auf dem Lehrplan und Hunde gehören da natürlich dazu. So wurden wir in die 1D eingeladen, um über Hundesprache zu informieren. Das Thema scheint mir wichtig, da es zu dem einen oder anderen Unfall wohl nicht kommen würde, wenn sich sowohl HundehalterInnen als auch jene, die es nicht sind, besser bei dem Verhalten der Vierbeiner auskennen würden.

Der Freitag ist ein Tag, an dem ich nur zwei Stunden unterrichte, aber weitere zwei Stunden in der Schulbibliothek arbeite. Eine davon wurde zur Hundestunde umgewidmet, die davor verbrachten wir bei den Büchern. Meist ist während der Stunde nicht so viel los (außer, wenn Unterricht stattfindet), aber diesmal schickte eine Kollegin etwa zwölf Kinder während einer Supplierstunde herüber – und die entdeckten ganz schnell meine Hündin und waren in ihrer Freude nicht zu bremsen. Daher wurde spontan gefüttert, getrickst und gestreichelt – Caramba hatte ihren Spaß, aber eigentlich sollte ihr „Job“ ja erst beginnen.

Zu Beginn der nächsten Stunde ging es dann in die 1D. Die Kinder erwarteten uns mit einem weiten Sesselkreis und Caramba stellte sich damit vor, dass sie jede/r füttern (mit der Hand oder mit Hilfe eines Löffels) und streicheln durfte und wir vorzeigten, was wir so an Tricks draufhaben. Anschließend hatte sie Pause und ich zeigte die Fotos zur Hundesprache, zum Erkennen von Stress und Angst und zu den höflichen Beschwichtigungssignalen, die ich (in wirklich vielen Stunden) zusammengesucht und in eine Präsentation verpackt hatte. Die Kinder haben eine gute Beobachtungsgabe und verstanden und spürten ganz schnell, wie es um die Hunde auf den Bildern stand.

Abschließend lief Caramba brav durch zwanzig Kinderbeine durch und machte mit beinahe jedem Kind ihre Kunststücke wie Rolle, Pfote geben, High Five, Nasentouch oder Männchen, was – glaube ich – allen am besten gefiel. Mir hat diese Stunde sehr viel Spaß gemacht und meinem Hundemädel auch.

Danach musste sie noch zwei Stunden im Informatikraum durchhalten, ich hatte ja noch zu unterrichten. Die erste Stunde verschlief sie, aber auch mit den neuen Klassen musste wieder ein bisschen gestreichelt werden. Sie war wieder dabei. Am Nachmittag war dann außer einer Entspannungsrunde nichts mehr los. Die Arbeit eines Therapiehundes ist  so anstrengend, dass geschlafen werden musste. Und auch die nächsten Tage sollte nicht allzuviel passieren, damit Caramba sich richtig erholen und wieder einmal  eingesetzt werden kann.

Aber was mich besonders freut, ist – abgesehen davon, dass das Arbeiten mit meiner Hündin so gut klappt und dass sie ganz offensichtlich Freude an den Kindern hat und ziemlich stressresistent ist -, dass es so viel Lächeln in die Gesichter der SchülerInnen zaubert, wenn sie in der Schule einem Hund begegnen. Einige wenige fürchten sich aber auch und es wäre sehr schön, wenn wir da in Zukunft ein bisschen helfen könnten.

juhudo

 

 

 

 

Die Geringschätzung pädagogischen Handelns und Wirkens durch die empirische Bildungswissenschaft

Ein Grund dafür, warum ich die langen Ferien im Sommer brauche, ist der Umstand, dass ich während des Schuljahres – also von September bis Anfang Juli – fast dauernd mit meinen Schülern beschäftigt bin: in der Schule während des Unterrichts, am Schreibtisch zu Hause beim Korrigieren – aber bei weitem nicht nur dort. Meine Gedanken kreisen, wenn ich nicht ohnehin konkret am schulischen Planen, Organisieren oder Administrieren bin, oftmals von früh bis spät, wochentags wie wochenends, um mein Fach und meine Schülerinnen und Schüler. Ich überlege, wie ich es am besten anstellen könnte, dass sie das, was mir wichtig erscheint, verstehen, was ich unternehmen könnte, damit sie das, was sie wissen und können sollten, besser begreifen, ob es nicht einen Text, ein Lied, einen Film gäbe, der sie in dieser Hinsicht zum Denken anregen würde, wie ich sie dazu bringen könnte, sich mit jenem Thema kritisch zu befassen.

(Deutsch-)Lehrerin zu sein ist eine gleichermaßen schöne und lustvolle wie anstrengende und extrem arbeitsintensive Tätigkeit. Es ist eine Tätigkeit, die mitunter an die Substanz geht. Ohne Erholungspausen nach acht, neun Wochen – etwa in den Weihnachts- oder Semesterferien – wäre die Tätigkeit schlichtweg nicht auszuhalten. Denn sie beschränkt sich nicht auf festgelegte Arbeitszeiten, sie findet auch beim Frühstück, unter der Dusche oder beim Laufen statt (da habe ich oft die besten Ideen!). Zu den stundenlangen Korrekturen von Hausübungen und Schularbeiten kommt eben immer noch die Beschäftigung mit Themen, Inhalten und Texten und der Frage, wie bringe ich es an die Schüler. Einzig in den Sommerferien komme ich aus diesem Kreislauf heraus.

Der einzige Grund, warum ich die enorme Arbeitsbelastung auf mich nehme: Ich will etwas für meine Schüler. Sie sind mir nicht egal. Ich verstehe meine Arbeit als Kombination aus fachlicher und erzieherischer Tätigkeit, die in erster Linie auf die Persönlichkeitsbildung der jungen Menschen abzielt. Das Engagement trägt Früchte, bisweilen gar prächtige, es zeitigt Erfolge und klappt häufig gut. Manchmal allerdings gelingt mein Tun nicht so, wie ich es gerne hätte, das erzeugt mitunter Frustration. Insgesamt aber beschert mir meine Tätigkeit ein intensives Glücksgefühl aufgrund der Resonanz, die ich zu spüren bekomme. Als Lehrerin präge ich meine Schüler durch mein Tun und durch mein Sein. Dahinter aber steht der Einsatz meiner ganzen Person und in so manchen Wochen (fast) meiner ganzen Zeit.

So wie mir geht es vielen KollegInnen, das glaube ich sagen zu können. Wir (Deutsch-)LehrerInnen arbeiten fast alle an der Belastungsgrenze. Dass bei unseren SchülerInnen trotzdem sprachliche und fachliche Defizite, mitunter auch gravierende, bestehen, ist uns bewusst. Der intensive Einsatz im Bemühen um sprachlich-fachliche Vermittlung muss ohne Erfolgsgarantie auskommen ebenso wie die Sorge um die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen naturgemäß kein Ergebnis proportional zum Einsatz hervorbringen kann.

Ein wenig stutzig kann man allerdings werden, wenn die neue Bildungswissenschaft auftritt und uns DeutschlehrerInnen – durch Studien und Statistiken immunisiert – erklärt, wo Defizite bestehen, welche Kompetenzen die Schüler nicht oder nicht ausreichend beherrschen und was wir dagegen unternehmen sollen. Anhand von so genannten Schülerperformanzen, die bei zentralen Testungen wie der Messung der Bildungsstandards oder der zentralen Reifeprüfung erhoben und anschließend „geratet“ werden, wird festgestellt, wie genau die vorab definierten Standards erreicht wurden – oder eben nicht. Objektiviert, anonymisiert und abstrahiert. Welche Persönlichkeiten, welche Menschen hinter den Zahlen stehen, spielt keine Rolle, ja es wird nicht einmal ausreichend reflektiert, wie die Daten zustandekommen. Übrig bleiben von Schülern mit ihrer individuellen Entwicklung, von spezifischen Schulklassen mit ihrer je eigenen Dynamik in Balkendiagramme gegossene Zahlen, die – und das ist das eigentliche Problem – mithin von der Öffentlichkeit oder auch von der Schulbehörde als relevanter erachtet werden als die Einschätzung von uns Lehrern.

Bei verpflichtenden Netzwerktreffen, wie wir kürzlich wieder einmal eines zu absolvieren hatten, werden wir LehrerInnen dann mit diesen Forschungsergebnissen konfrontiert und sozusagen „nachgeschult“. Gerüstet mit PowerPoint-Folien und Diagrammen erklärt man uns beispielsweise, dass es mit der Argumentationskompetenz der österreichischen Maturanten nicht zum Besten bestellt ist. Es wird uns angeraten, bereits in der Unterstufe anzufangen, Argumentationskompetenz aufzubauen, und es wird uns gezeigt, wie wir diese Kompetenz im Hinblick auf die bei der Matura gefragten Textsorten trainieren können.

Nicht, dass man sich nicht die eine oder andere Anregung von so einem verordneten „kollegialen Austausch“ mitnehmen kann (wiewohl sämtliche Ideen und Vorschläge in jedem x-beliebigen Lehrbuch zu finden sind und die Analyseergebnisse wahrlich keine neuen Erkenntnisse beinhalten). Die dahinter stehende Grundhaltung uns LehrerInnen, unserer fachlichen Qualifikation und unserem pädagogischen Wirken gegenüber empfinde ich jedoch als geringschätzig. Wenn ich in den Stunden des Netzwerktreffens alleine spazieren gegangen wäre oder mich informell mit einer Kollegin ausgetauscht, vielleicht deren Rat in Bezug auf diesen Schüler oder jene Klasse eingeholt hätte, hätte ich ein Vielfaches an guten Ideen und Anregungen erhalten. Ganz abgesehen davon, dass die meisten von uns an so einem Nachmittag im November ohnehin Schularbeiten zu korrigieren haben.

Für unsere SchülerInnen werden wir trotzdem auch weiterhin und ohne Unterlass weiterarbeiten. Ehrliche und ernst gemeinte Wertschätzung uns und unserem Tun gegenüber würde vielleicht aber auch nicht schaden – ob deren Auswirkung allerdings statistisch relevant im Hinblick auf unsere Performanz als LehrerInnen wäre, vermag ich natürlich nicht zu beurteilen.

(nemo)

Studientag Neue Autorität und Achtsamkeit (Fortbildung)

Wie komme ich als Deutsch- und Informatiklehrerin zu diesem Thema? Noch dazu, wenn im Titel zwei Begriffe vorkommen, die sich für mich recht eigenartig anhören. „Neue Autorität“, wenn die alte schon damals noch als Schülerin für mich recht fragwürdig war? Gegen „Achtsamkeit“ ist ja an sich nichts einzuwenden, aber meine Vorgehensweise ist ja eher mit Schwung an eine Sache herangehen und damit andere mitzuziehen.

Da ist es gut, dass ich eine mittlerweile erwachsene Tochter habe, die mich auf die Bedeutung von Themen aufmerksam macht, die mich bisher noch nicht so interessiert haben. Diesmal also „Neue Autorität“. Und das Programm der Privaten PH der Diözese Linz sah recht vielversprechend aus. Wer nachschauen will, hier kann das Programm eingesehen werden. Und das Bildungshaus Schloss Puchberg in Wels ist ein schönes Ambiente für eine Veranstaltung mit 250 PädagogInnen.

Die Keynotes hielt die Familientherapeutin und Psychologin Helle Jensen, die ihren Vortrag sehr sympathisch damit begann, dass sie ihre frühe Bekanntheit in Dänemark einer Zusammenarbeit mit Jesper Juul zu verdanken hatte. Und sie kam schnell zu ihrem Thema:
Entwicklung und Lernen geht nur über Beziehung und diese kann man als Lehrperson nur durch Achtsamkeit, Empathie und persönliche Autorität herstellen. Aber sie hat sehr viel mehr Wichtiges gesagt und das Bildungs-TV war dabei und hat alles aufgezeichnet. Es ist gut investierte Zeit, sich das kurze Interview und die längeren Keynotes selber anzuschauen. Am besten hat mir gefallen, dass sie SchülerInnen und LehrerInnen im Blick hat und ihre Ideen für beide etwas tun können. Überhaupt hat mich schon immer gestört, dass man entweder zum Unterrichten begabt war oder eben nicht und dass in der LehrerInnenausbildung auf die Beziehungsarbeit in der Klasse überhaupt nicht eingegangen wurde. Jensen zeigt mit viel Erfahrung Möglichkeiten auf, wie man alle Kinder erreichen kann.
Absolute Empfehlung!

Ich bin mit einem kleinen Bücherstapel und Ideen für SchülerInnen, KollegInnen und Schule nach Salzburg zurückgefahren. Die Weiterbeschäftigung ist garantiert! Unter anderem auch über die Verbindung zur Resonanz nachzudenken.

juhudo

 

Fortbildungsmonat November

Ich weiß ja nicht, wieso, weshalb und warum, aber – zumindest für mich – scheint sich der November als DER Monat der Fortbildung zu etablieren. Das Programm ist ja immer schon ab Juli buchbar, da schaue ich immer gleich, was mich und meine SchülerInnen weiterbringen kann und melde mich einmal an. Man weiß ja nicht, welche Lehrveranstaltungen dann wirklich abgehalten werden, falls sich nicht genügend TeilnehmerInnen anmelden.

Das hat für heuer bedeutet:

Ich war also von 21 Schultagen fünf ganze Schultage plus einen Samstag und einen Abend mit Fortbildung beschäftigt (außerdem auch noch in den Herbstferien zwei Tage mit „Intuition in der Tiererziehung“). Damit ist aber fast alles für dieses Schuljahr abgehakt, mein Kopf ist voller neuer Inputs und ich habe kaum Zeit, alles zu verarbeiten und vielleicht das eine oder andere an meine KollegInnen zu bringen.

Man muss mir aber schon die Frage gestatten, warum sich so viele Termine um den November gruppieren – es geht ja nicht nur mir so. Da ich auch Personalvertreterin bin und über die Entscheidungen unseres Direktors, wer zu welcher Fortbildung gehen darf, informiert werde, erfahre ich, dass so manche Kollegin verzichten muss, da sonst zu viele LehrerInnen gleichzeitig aus dem Schulbetrieb weg wären und der Unterricht nicht mehr vollständig gehalten werden könnte.

Es wäre schön, wenn da ein bisschen besser verteilt würde, aber für eine Analyse des PH-Programms habe ich keine Zeit. Da berichte ich lieber über zwei meiner Fortbildungen, aber jeweils in einem eigenen Beitrag.

juhudo

Tag der offenen Tür 2018

Seit Wochen will ich endlich wieder einmal kritisch hinschauen und nachdenken über wahnwitzige Zustände im Schulbetrieb – die Sache mit den nicht vorhandenen Stunden für die Klassenvorstandstätigkeit zum Beispiel – aber ich komm‘ einfach nicht dazu. Das Problem ist, dass kritisches Hinschauen und Nachdenken viel mehr Zeit erfordert, als mir derzeit für so Spielereien wie das Schreiben von Blogeinträgen zur Verfügung steht. Die Zeiten sind dicht, wirklich dicht, vielleicht zu dicht. LehrerInnen, Eltern, SchülerInnen, alle klagen darüber – ein Gegenmittel scheint uns indes nicht einzufallen. Vieles, echt vieles, zu vieles vielleicht muss offenbar sein.

Während ich also eigentlich über die nicht vorhandene Zeit im Allgemeinen und die fehlende Zeit für meine Klasse im Besonderen schreiben will, schreibe ich über den gestrigen Tag der offenen Tür bei uns am WRG. Ein riesiger Event, bei dem die ganze Schule auf den Beinen war, damit auch in Zukunft möglichst viele SchülerInnen zu uns kommen mögen. Das Werben um Schüler, die zunehmende Konkurrenz zwischen den Schulen und die damit zusammenhängenden gesamtgesellschaftlichen Probleme im Hintergrund könnte man natürlich ebenfalls einmal kritisch hinterfragen, aber … ich wiederhole mich.

Stattdessen beschränke ich mich auf die schöne Seite des gestrigen Tags der offenen Tür: Viel war los, gewuselt hat’s den ganzen Vormittag lang. Zum Auftakt um acht hat gleich der Schulchor die Gäste begrüßt. Ein wie immer wunderbarer Moment, wenn die Kinder aus Leibeskräften singen und der Musiklehrer sich voll ins Zeug legt. An normales Unterrichten war natürlich nicht zu denken, aber das ist ja auch nicht der Sinn an so einem Tag. Die Schule will sich bestmöglich präsentieren, und das Schönste daran, finde ich, ist, dass unsere SchülerInnen sich so mit ihrer Schule identifizieren und ganz offensichtlich mit Engagement, Spaß und Freude dabei sind. Eine fünfte Klasse hat ein wunderbares Büffet betrieben, viele Siebt- und AchtklässlerInnen führten die Besucher charmant und schon ziemlich professionell in Kleingruppen durchs Haus, andere betreuten die Stationen im Turnsaal. Von geschäftstüchtigen Viertklässlern, die alles Mögliche, was sie im Werkunterricht gefertigt hatten, feilboten, habe ich ein knallrotes, wasserundurchlässiges Wandersitzkissen (!) erworben, die Schülerinnen aus meinem Wahlpflichtfach Deutsch haben mich, als ich ihnen auf dem Gang begegnet bin, gefragt, ob wir nicht beim nächsten Tag der offenen Tür eine kleine Lesung mit selbst verfassten Texten machen könnten (können wir!), und vieles von dem, was sich sonst noch in der Schule abgespielt hat (im Chemie- und Biologiesaal oder in der Bibliothek etwa), habe ich gar nichts mitgekriegt. Die Stimmung insgesamt war jedenfalls grandios.

Um zwölf Uhr war der Tag der offenen Tür 2018 dann wieder Geschichte und um 14 Uhr, als ich noch einmal in die Schule zurückgekehrt bin, um für die Lehrereinlage beim nahenden Schulball zu proben (apropos dicht!), war fast das ganze Haus schon wieder aufgeräumt und blitzblank. Eine engagierte und extrem liebenswürdige Kollegin und ein ebensolcher Kollege organisieren das ganze Spektakel; im Vordergrund, im Hintergrund, davor, währenddessen und danach aber sind alle, von den SchülerInnen über die LehrerInnen, vom Direktor über den Elternverein bis zu den Hausmeistern und den Reinigungsdamen dabei und tragen zum Gelingen des Tages und zu dieser besonderen Stimmung bei. Ganz ehrlich, ich bin voll stolz auf unsere Schule.

Nächstes Mal schreibe ich wieder was Kritisches. Versprochen – und falls mir trotz oder vielmehr wegen der fehlenden Zeit nicht etwas anderes dazwischenkommt. 😉

(nemo)

 

Poetry Slam

Und hier noch zwei der großartigen Texte, die beim Poetry Slam der 3D vorgetragen und performt wurden:

Ein reicher Ritter namens Ralph reitet mit seinem Rappen
in der rabenschwarzen Nacht, neben ihm seine Knappen.
Er reitet rundherum im Robinien-Ritterwald herum.
Sein Ritterpferd rennt ruhig dahin, Raben krächzen vor sich hin.
Ralph raubt es den Atem, als er sieht, was hier geschieht:
Räuberrüpel rangeln um einen Riesen-Rosenkohl.
Daher ist es Ritter Ralph nicht besonders wohl.
In rasantem Galopp geht’s nach Haus zurück,
da hat er noch ein ganz schönes Stück.
Doch so leicht soll’s für ihn nicht werden
Ein dunkles Grollen schallt aus den Bergen.
Da sieht er schon in weiter Ferne
Einen Drachen, und die mag er gar nicht gerne.
„Hilfe!“, ruft eine holde Maid.
Der Ritter weiß, der Schrei ist nicht weit.
Doch der Drache macht ihm Angst und Bange,
er weiß, da lebt er nicht mehr lange.
„Steh nicht so blöd da, rette mich!“, schreit die Maid ganz fürchterlich.
„Der Drache hat mir den Nagel abgebrochen,
und Maniküre ist erst wieder in zwei Wochen.
Morgen habe ich eine Party im Schloss Hellbrunn
Und um eine Shoppingtour komme ich auch nicht herum.
Ich brauche dringend ein neues Kleid,
denn das alte ist mir viel zu weit.
Darum beeile dich! Rette mich!“
Doch mit so einer Tussi gibt sich Ritter Ralph nicht ab
Und reitet nach Hause, kurz und knapp.

(Leona und Selina)

Wenn die Motte miefende Mäuse mag
Wär‘ das ein Stabreim und der wär‘ arg
Und das wäre wirklich schlimm
Denn für Stabreime fehlt mir der Sinn

Ich finde ein Stabreim ist kein Gedicht
Ich hoffe das find nicht nur ich
Der einzig wahre Reim ist der Reim
Ich hoffe das geht nicht nur in meinen Kopf rein
Denn irgendwas fehlt dem Stabreim
Aber was soll es sein?

Vielleicht ist es ja so ganz gut
Denn bei Stabreimen bekomm ich die Wut
Der Stabreim gehört in Vulkanglut
Sicher findet das auch Groot

Oder soll ich mein Urteil überdenken
Und der Welt einen Stabreim schenken?
Aber nein, das wäre ein Graus
Deswegen ist das Gedicht jetzt aus

Aber zum Schluss noch
Ein Stabreim doch
Wenn die Motte miefende Mäuse mag müssen die Menschen miefende Klamotten mögen

(Gregor)