Wo anfangen? Und wie? Mit Freewriting zum Beispiel

Der erste Beitrag sollte gehaltvoll sein. Etwas Besonderes, nicht einfach das Naheliegende. Das Problem dabei ist, dass der Anspruch etwas Besonderes – quasi Programmatisches – zu schreiben, lähmt. Und das Ergebnis: Man schreibt gar nichts. Um ins Schreiben zu kommen, gibt es „geniale Schreibmethoden“. Judith Wolfsberger hat in ihrem Buch Frei geschrieben einige davon zusammengetragen. Letztes Jahr habe ich einen Lehrgang zum Thema Textkompetenz besucht. Das erste Modul dieses Lehrgangs hat Judith Wolfsberger bestritten. Die Frau (und ihr Buch) machen Lust auf Schreiben. Meine Lieblingsschreibmethode nennt sich „Freewriting“ – und sie hält, was sie verspricht: Man schreibt sich tatsächlich frei. Ich habe diese Methode auch schon vielfach mit SchülerInnen ausprobiert. Es ist jedes Mal eine Freude zu sehen, was für schöne, berührende, ehrliche und auch gute (!) Texte dabei herauskommen (können).

Wie funktioniert die Methode? Du wählst dir einen Begriff oder ein Thema als Ausgangspunkt und schreibst ca. 10 Minuten all das, was dir durch den Kopf geht. Die schreibende Hand bleibt immer in Bewegung, wenn dir nichts einfällt, schreibst du so lange „mir fällt nichts ein“, bis wieder ein neuer Gedanke kommt. Ziel ist es, ganz einfach zu schreiben, ohne nachzudenken, ohne auszubessern, ohne abzusetzen. Es ist nicht wichtig, was dabei herauskommt – aber das Schöne ist: Es kommt immer etwas heraus. Nämlich ein Text, ein persönlicher „Rohtext“, mit dem man – wenn man will – auch weiterarbeiten kann.

Rohtexte sind nicht dazu gedacht veröffentlicht zu werden. Aber es erzeugt in der Klasse eine wunderschöne Stimmung, wenn die Texte bzw. Teile daraus vorgelesen werden. Man teilt dann seine ganz persönlichen Gedanken mit den anderen. Und das ist eigentlich etwas Kostbares. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Texte freiwillig vorgelesen werden und dass sie nicht bewertet werden. Es braucht schon eine Atmosphäre des Vertrauens, um etwas von sich preiszugeben. Ganz besonders schön ist es, wenn ich als Lehrerin auch mitschreibe. Wenn wir also alle gleichzeitig schreiben und dabei ganz ruhig werden und wenn ich dann meinen Text auch vorlese. Mit meiner nunmehrigen 8. Klasse habe ich Freewriting in vielen Situationen und zu den verschiedensten Themen ausprobiert: Nach den Ferien und vor den Ferien, nach einer Schularbeit, wenn es Schwierigkeiten gab, wenn Unruhe spürbar war – aber genauso, um Themen im Deutschunterricht abzuschließen, um Meinungen einzuholen, um über ein Buch oder einen Film zu reflektieren.

Kurz: Freewriting ist ein Hit. Und außerdem habe ich auf diese Weise nun endlich einen ersten Beitrag verfasst … (nemo)

Judith Wolfsberger: Frei geschrieben. Mut, Freiheit und Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten, 3. Auflage, Wien/Köln/Weimar: Böhlau 2010

Siehe auch: http://www.freigeschrieben.at/

Ein Gedanke zu “Wo anfangen? Und wie? Mit Freewriting zum Beispiel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s