DaF/DaZ-Ausbildung: ein Rückblick

Vor zweieinhalb Jahren habe ich begonnen, mich für Deutsch als Fremdsprache bzw. Zweitsprache zu interessieren. Zwei meiner Schülerinnen wollten ein oder zwei Semester in Amerika verbringen und ich dachte mir, so ein Projekt könnte ich auch noch einmal angehen. Ich arbeite zwar schon viele Jahre mit vielen muttersprachlichen und sehr wenigen SchülerInnen, die Deutsch als Zweitsprache erlernt haben, aber über die didaktischen Unterschiede wollte ich gerne mehr wissen.

Nach einigem Recherchieren fand ich heraus, dass ich wieder ein Studium beginnen müsste, um in Salzburg in den Genuss einer solchen Ausbildung zu kommen. Die PH hat damals kein Angebot dafür gehabt, jetzt – 2014/15 – auch nicht, dazwischen habe ich nicht immer nachgesehen. Also inskribierte ich trotz Magisterstudiums auch noch das Bachelorstudium Germanistik. Die STEOP-Lehrveranstaltungen mussten mir erst angerechnet werden, dann konnte ich die 24 ECTS angehen, die aus

  • drei Pflichtlehrveranstaltungen: Methodik des DaF/DaZ-Unterrichts, einem Praktikum, Grammatikvermittlung des DaF/DaZ-Unterrichts und
  • drei Wahlpflichtveranstaltungen: Zweitspracherwerb in Theorie und Praxis und zwei Proseminaren zu Literatur und Kultur im Daf-Unterricht

bestanden. Ein bisschen unpassend kam ich mir schon vor zwischen den Mädchen und Burschen, die das Alter meiner eigenen Kinder hatten, aber nach erstem Fremdeln funktionierte die Kommunikation schon. Vor allem unser Arbeitsverhalten war nicht so unähnlich. Wenn Gruppenarbeit gefordert war, teilten wir uns den Stoff unseren Fähigkeiten gemäß auf, die Teams funktionierten über die Altersgrenze hinweg ziemlich gut.

Ich habe also dreißig Jahre nach meinem ersten Studium wieder einmal in Salzburg Uniluft geschnuppert (dazwischen auch noch vor fünf Jahren in Krems, aber dazu ein anderes Mal) und Neues gelernt: Ganz viel Neues im Proseminar über den Zweitspracherwerb, vor allem (für mich) neue Methoden der Beurteilung und damit auch der Wertschätzung der Leistung, die SchülerInnen erbringen, wenn sie das Gymnasium in der Zweitsprache absolvieren. Seitdem versuche ich sie zu ermutigen, uns über ihre Muttersprache zu berichten und manchmal Vergleiche zu ziehen. (Im Jänner haben übrigens zwei 13-jährige Mädchen eine tolle Unterrichtsstunde über Kroatisch in einer 4. Klasse gehalten!)

Ich habe viel über österreichische AutorInnen des 20. Jahrhunderts gelernt, vor allem auch über einige, um die ich mich gern herumdrücke und in die ich mich wieder oder erstmals hineingelesen habe. Ob man das jemals im Fremdsprachenunterricht anwenden kann sei dahingestellt, aber für meinen Deutschunterricht in der Oberstufe habe ich sehr profitiert.

Ich habe zwei Praktika anstatt einem absolviert, einfach deswegen, weil da Platz im Proseminar war, da lernt man immer was. Einmal bin ich mit einer zweiten Studentin vertretungshalber zwei Monate lang in einen Alphabetisierungskurs für Flüchtlinge eingestiegen, elf Syrer, AfghanInnen und Pakistani, mit denen wir unsere gemeinsame Sprache erst finden mussten, da sie kaum ein Wort Deutsch, Englisch oder Französisch sprachen – und wir kein Arabisch oder Kurdisch. Nichts in meinem Lehrerinnenleben hatte mich bisher darauf vorbereitet und wir hangelten uns mit Bildern, Gestik und Mimik und einem arabischen Wörterbuch langsam voran. Bei den jüngeren Männern und den Frauen konnten wir Fortschritte erkennen, bei den älteren Männern kaum. Sie waren aber alle sehr freundlich und beteiligten sich, soweit es ihnen möglich war. Zwei waren auch in ihrer Muttersprache nicht alphabetisiert und lernten erst hier Lesen und Schreiben. Es ist eine sehr große Herausforderung an Kreativität und Geduld, so einen Kurs abzuhalten und ich empfinde Hochachtung für jede Lehrerin und jeden Lehrer, die oder der so etwas macht.

Das zweite Praktikum brachte einen Kulturschock anderer Art mit sich: An der Uni sitzen in den Anfängerkursen bis zu 70 (!) Studierende in den Lehrveranstaltungen. In der Mittelstufe immer noch 40. In diesem Fall Hochachtung und Mitleid mit den Lehrenden, die sich trotzdem unheimlich bemüht haben und viele der Studierenden beim Namen kannten. Fremdsprachenunterricht als Frontalvorlesung in einem großen Hörsaal ist von jeder modernen Fremdsprachenmethodik Jahrzehnte entfernt und ich empfinde es als einen Skandal, dass es in Österreich nicht möglich ist, die Kurse zu teilen.

Im Proseminar zur Grammatikvermittlung erhielten und erstellten wir eine Menge Unterrichtsmaterial, also habe ich da auch viel mitgenommen. Richtig schlecht war (ha!) die Methodiklehrveranstaltung, deren Hauptinhalt darin bestand, Studierende Referate, zum Großteil aus einem Standardwerk, halten zu lassen. Aber naja, eines von sieben, da muss man schon zufrieden sein. Aber dass ausgerechnet immer die Methodik methodisch so gar nichts bietet – es wäre schon wesentlich ertragreicher gewesen, hätten wir das Buch daheim selber durchgearbeitet und in der Lehrveranstaltung darüber diskutiert.

Fazit:
Schon spannend, noch einmal zu studieren, ich habe es richtig genoDaf_Dazssen, vor allem in den beiden Semestern, in denen ich eigener Unterricht – Uni – eigener Unterricht praktiziert habe. Der Rollenwechsel hat Spaß gemacht und konnte nur funktionieren, weil die Stundenplaner unserer Schule mitgemacht haben (für die Wintersemester), sich der Unipark gleich auf der anderen Straßenseite befindet und vier der sieben Proseminare nach 17 Uhr stattgefunden haben. Ein bisschen gestrebert habe ich auch, einmal, weil mich die Themen sehr interessiert haben und auch weil es mir schon sehr peinlich gewesen wäre, als Wissensarbeiterin von Beruf nichts Gescheites zusammenzubringen. Und heute habe ich mein „Zeugnis“ bekommen. 🙂

(juhudo)

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