Die Besonderheiten einer ganz normalen Schulwoche

Freitagabend, Beginn der Osterferien. Uff. Die Anstrengungen der Woche sitzen mir in den Knochen. Was war los in diesen Tagen? Nichts Besonderes, viel Besonderes, je nachdem, wie man’s betrachtet. Unterricht nach Plan, kein Schikurs, kein Stundenentfall, kein anderer schulischer „Event“. (In Zeiten wie diesen schon fast eine Ausnahme.) Die Zweitklässler hatten natürlich viel zu erzählen, die Fünftklässler nett, aber ein bisschen lahm (wie immer), die „Meinigen“ aus der Achten interessiert und wissbegierig. Es ist schön zu beobachten, wie sich die Achtzehnjährigen nunmehr für Literatur und Literaturgeschichte, für Lyrik und Sprache interessieren. Wie sie plötzlich aufmerksam und verständig reflektieren, was noch letztes Jahr viele von ihnen überfordert oder unberührt gelassen hätte. Ach, gäbe es bloß auch bei uns das neunjährige Gymnasium! Und: Ach, wie werd‘ ich sie vermissen, die Meinigen!

Am Dienstag galt es, einen verpflichtenden Workshop in Sachen Schulqualität zu absolvieren: Schöner, interessanter Austausch mit KollegInnen und DirektorInnen aus anderen Schulen. Viele gute Ideen, Themen und Projekte, anregende Diskussionen. Wenn gleichzeitig aber Geld für Werteinheiten, also für Unterricht, gestrichen wird – so wie es uns in diesen Tagen wieder einmal angekündigt wurde – erledigt sich manch qualitätsvolle Idee von selbst. Übrig bleibt ein fahler Geschmack und das Gefühl, dass die Kluft zwischen Sein und Schein, zwischen Wirklichkeit und Anspruch, zwischen schulischer Realität und ministerieller Planung immer größer wird. Alles, was wir tun können, ist, die Realität vor Ort – trotz all der Zumutungen – für uns und unsere SchülerInnen so sinn- und lustvoll zu gestalten, wie es uns (noch) möglich ist. „Von oben“ dabei unterstützt fühlt man sich nicht.

Am Mittwoch und am Donnerstag durfte ich die drei Schülerinnen, die bei mir ihre VWA geschrieben haben, auf ihre bevorstehenden Präsentationen vorbereiten. Gleich nach den Osterferien ist es ja soweit: Im Zwanzig-Minuten-Takt werden sie ihre Arbeiten der Prüfungskommission, bestehend aus Vorsitzendem, Direktor, Klassenvorstand und Betreuer, vorstellen. Zuerst eine sechs- bis siebenminütige Präsentation, anschließend eine ungefähr gleich lange Diskussion. Dies ist integraler Bestandteil der „ersten Säule“ der neuen Matura, also der VWA. Erst im Anschluss daran gibt es eine Note – eine Gesamtnote für die schriftliche Arbeit, für die Präsentation und die Diskussion. Spaß werden die Präsentationstage keiner, trotzdem freue ich mich irgendwie darauf. Als Klassenvorständin bin ich bei allen SchülerInnen aus meiner Klasse anwesend, d.h. am Donnerstag nach den Osterferien von 7.30 Uhr bis 17.50 Uhr. Am Freitag geht’s um 7.30 Uhr weiter. Ich bin gespannt auf die Arbeiten und die Präsentationen meiner SchülerInnen. Nur von einigen kenne ich schon die Arbeit, von den meisten weiß ich bisher nur ungefähr, was sie geschrieben haben. Und bei den dreien, deren Betreuerin ich bin, bin ich natürlich neugierig, wie sie ihre Arbeit, deren Entstehungsprozess ich über ein Jahr lang begleitet habe, nun darstellen werden.

Neben diesen Besonderheiten noch ein paar andere: Fachkonferenz aller DeutschlehrerInnen unserer Schule am Mittwochabend (wie schön, in einem solchen Team arbeiten zu können!): Auswahl der Schulbücher fürs nächste Jahr, Anschaffung von Klassenlektüren, Koordination der Prüfungsfragen für die mündliche Matura. Dazu  Elterngespräche, per Telefon, Mail und persönlich, Informationsaustausch und -weitergabe unter KollegInnen, Planungen und Absprachen für künftige Projekte. Alles irgendwie auch Routine, genauso wie das Korrigieren, Vorbereiten, Unterrichten, Erziehen, Besprechen, Rückmelden, Problemlösen und all das andere. Eine ganz normale Schulwoche, nichts Besonderes, viel Besonderes, je nachdem, wie man’s betrachtet. (nemo)

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