VWA-Präsentationen oder Sternstunden eines KVs

Und da sind sie auch schon wieder vorbei, die VWA-Präsentationstage an unserer Schule. Als KV war ich bei allen Schülerinnen und Schülern meiner Klasse Teil der Prüfungskommission. Sieben Minuten Vortrag, sieben bis acht Minuten Diskussion. Danach eine kurze Beratung der Kommission, Mitteilung der Note an den Kandidaten – und weiter zur nächsten Präsentation. Natürlich habe ich mich darauf gefreut. Ich bin zu neugierig (sowohl auf die verschiedenen Arten der (Selbst-)Präsentation als auch auf die Arbeiten und deren Inhalte) und fühle mich meiner Klasse zu verbunden, als dass mich das alles kalt ließe. Ein wenig aber hatte ich schon auch die Befürchtung, dass die Präsentationen mühsam und – in Summe gesehen – ein bisschen langweilig werden würden.

Und dann das: 27 Präsentationen, von denen mich nicht eine – und schon gar nicht die Summe – langweilte. Ganz im Gegenteil. Ich war so stolz auf meine SchülerInnen und mit jeder Präsentation wurden die Freude und der Stolz größer. Jede und jeder Einzelne hat es geschafft, ihre bzw. seine VWA interessant vorzustellen und auf den Punkt zu bringen. Nicht eine Präsentation, wo man sich nicht ausgekannt hätte! Nicht ein Schüler, der die sieben Minuten nur mit heißer Luft gefüllt hätte, nicht eine Schülerin, die sich in den Details verzettelt hätte! Stattdessen Präsentationen, die so manchem Studenten zur Ehre gereicht hätten. Und nicht nur den Anfängern.

Das Allerschönste an den Präsentationen waren übrigens die Diskussionen. Nach den eigentlichen Präsentationen, bei denen die eine oder andere Stimme noch ein wenig zittrig war und sich ein paar der vorbereiteten Sätze doch als zu kompliziert für die aufregende Situation erwiesen, habe ich 27 junge Erwachsene erlebt, die über ihre Arbeit und über das von ihnen behandelte Thema diskutieren, die auf Fragen fachkundig Auskunft geben, ja, die einen kritischen Diskurs über ein Thema führen konnten. Das hatte nicht mehr viel mit einer üblichen Schulsituation zu tun, das war ein Initiationsritus für die Universität, da hatte der strapazierte Begriff „Reifeprüfung“ plötzlich einen wirklichen Inhalt.

Sicher, man könnte schon auch grundsätzlich Kritisches zur VWA an sich anmerken. Außerdem soll man bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben. Wir werden erst sehen, wie es nun mit der schriftlichen Matura weitergehen wird. Möglicherweise wird einigen die Übungs- und Lernzeit fehlen, die sie für die VWA und deren Präsentation aufgewendet haben. Dass es jedenfalls für viele eine wirkliche nervliche Zusatzbelastung war, steht außer Frage. Dennoch: Hier und heute will ich mich mit meinen SchülerInnen freuen dürfen und ihre beeindruckenden Leistungen erst einmal für sich stehen lassen.

Heute Vormittag im Unterricht musste ich das Ganze mit meiner Klasse natürlich schon noch ein wenig nachbesprechen. Und wie immer, wenn ich die Sichtweise und die Gedanken aller einholen will, habe ich sie um ein Freewriting gebeten. Zumindest ein paar dieser Gedanken möchte ich hier wiedergeben:

„Ich war so froh und erleichtert, die erste Hürde auf dem Weg zur Matura überwunden zu haben. Noch mehr habe ich mich allerdings gefreut, als ich gehört habe, wie gut die überdramatisierte VWA-Geschichte für alle anderen ausgegangen ist.“

„Das aufmunternde Lächeln der Prüfenden hilft einem die ganze Sache irgendwie durchzustehen.“

„Auch die Diskussion hat mir im Vorhinein zu viele Sorgen bereitet. Ich bin ungerne in einer unvorbereiteten Situation. Aber ehrlich gesagt, so unvorbereitet war ich gar nicht. Jeder, der seine VWA selbst verfasst hat, ist für die Diskussion vorbereitet.“

„In der Diskussion wurden durchwegs ernsthafte, auch herausfordernde Fragen gestellt, sodass einem das Gefühl gegeben wurde, eine ernstzunehmende Arbeit geschrieben zu haben.“

„Immer wieder habe ich meine Klassenvorständin angesehen, meinen ‚Fels in der Brandung‘ :), bis mir aufgefallen ist: ‚Hoppla, ich muss ja die anderen auch noch ansehen.'“

„Es war wirklich so, dass ich unbedingt alles erzählen wollte, was ich geschrieben habe, und auch bei der Diskussion hätte ich noch ewig weiterreden können. Ich habe mich so gefreut über die Fragen.“

„Besonders gefallen hat mir, dass ich während der Präsentation gemerkt habe, dass das Interesse auch auf die Kommission übergesprungen ist. (…) Als ich dann gemerkt habe, dass es bei den Fragen gar nicht um richtig oder falsch ging, schmolz das Eis und ich konnte voll in meinem Enthusiasmus aufblühen, über mein Thema zu reflektieren, neue Ansätze und Perspektiven zu betrachten und sich auf einer Ebene mit der Kommission zu unterhalten, die ich mir nie erträumen lassen hätte können.“

„Schade ist, dass manche Schüler mehr Unterstützung durch ihre Betreuungslehrer bekamen als andere. Aber ich bin froh und zufrieden damit, wie meine Präsentation geendet hat.“

„Ich bin stolz, dass ich das Ganze so gut gemeistert habe und mein Fleiß und Ehrgeiz haben sich voll und ganz ausgezahlt.“

„Die Präsentation, aber vor allem die Diskussion haben mich selbst noch einmal über mein Thema reflektieren lassen und auch andere Gesichtspunkte des Themas für mich sichtbar gemacht.“

„Während der Präsentation gefiel mir, dass von der Kommission positive Blicke kamen, was leicht auflockerte und sicherer machte. (…) Alles zusammen war es eine sehr interessante Erfahrung, welche aber auch mit viel Arbeit verbunden ist.“

„Ich empfand die Stimmung im Raum als sehr positiv, vor allem, weil mir die Anwesenden nett zugelächelt haben.“

„Mittwochabend – schnell noch die Präsentation vorbereiten. (…) Um ehrlich zu sein, muss ich zugeben, dass ich doch sechs Stunden an der Präsentation arbeitete.“

„Und das ist auch wichtig für die künftigen Maturanten. Die sollten wissen, dass sie das können.“

Ja, auch so kann Schule sein. (nemo)

Ein Gedanke zu “VWA-Präsentationen oder Sternstunden eines KVs

  1. doris junghuber schreibt:

    …jetzt ist mir doch gerade noch eingefallen, dass irgendwann im Zuge der unendlichen Diskussionen über die VWA einmal der Stand der Dinge war, dass gar keine Präsentation stattfinden soll, so vor zwei, drei Jahren…
    #Arbeiten fürs Schubladl

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