FM4: Was ich noch sagen wollte …

Eine Radiosendung auf FM4 – live aus unserer Schule! So geschehen am Dienstag dieser Woche. Die Sendung „Auf Laut“ wurde in unserem Beisein aus dem „Zentralbuffet“ (was für ein Wort!) des WRGs gesendet. Grund dafür war, dass der Moderator Ali Cem Deniz vor einigen Jahren bei uns maturiert hatte. Eine schöne Geste, finde ich, dass er auf die Idee kam, für die Sendung an seine ehemalige Schule zurückzukehren.

„Was bringt die Zentralmatura?“, lautete die inhaltliche Ausrichtung der Sendung. Eine Maturantin und ein Maturant aus dem WRG und ich als Vertreterin der Lehrerschaft waren auf dem Podium. Im Publikum saßen SchülerInnen von uns – mehr als die Hälfte aus meiner Klasse! 🙂 – Kolleginnen und unser Direktor. Ein bissl aufregend war’s zuerst schon, dann aber ging’s eigentlich ganz gut. Wobei: Viel Zeit bleibt einem nicht zur Verfertigung der Gedanken beim Reden in ein Mikro. Vor allem aber störte (mich) die Musik. Kaum hatte man ein Thema angerissen, wurde schon wieder das nächste Musikstück angekündigt. Und danach gab’s wieder eine neue Frage. Eine richtige Diskussion kann so natürlich nicht zustande kommen. Dafür ist so eine Sendung aber wahrscheinlich einfach auch nicht das richtige Format. Immerhin haben wir – hoffe ich – ein bisschen etwas davon vermitteln können, worum es, Zentralmatura hin, Zentralmatura her, in der Schule eigentlich geht: nämlich um ein gemeinsames Arbeiten und Lernen von SchülerInnen und LehrerInnen.

Ah ja, was ich noch sagen wollte: Insofern wird auch die Zentralmatura funktionieren. Nicht, weil das Modell der Neuen Reifeprüfung so grandios ist, nicht, weil die Aufgabenformate so ausgeklügelt und vergleichbar sind, nicht, weil die BildungsexpertInnen so versiert sind, nein, weil wir LehrerInnen es gemeinsam mit unseren SchülerInnen schaffen werden, die Herausforderungen zu meistern, weil wir uns (bis zur Selbstausbeutung) ins Zeug legen, weil wir LehrerInnen uns selbst von un- und blödsinnigen Vorgaben, Formaten und Inhalten nicht drausbringen lassen und stattdessen im Sinne unserer SchülerInnen handeln und dies weiterhin tun werden. Deshalb wird auch die Neue Reifeprüfung funktionieren. Wollt‘ ich noch gesagt haben. (nemo)

PS: Wer Lust hat, bis nächsten Dienstag kann man die Sendung nachhören. Einfach auf den Link klicken (Auf Laut, 21.4.2015).

3 Gedanken zu “FM4: Was ich noch sagen wollte …

  1. Samra Ha schreibt:

    Was ich noch sagen wollte…

    Neben dem Gesichtspunkt, dass ein verzerrtes Bild der Zentralmatura à la „alles locker und easy“ vonseiten unserer Schülervertretung vermittelt wurde, hat mich die zu Beginn angesprochene Ökonomisierung unserer Gesellschaft wirklich stark betroffen – aber dazu später mehr.

    Es mag schon sein, dass sich eine Handvoll SchülerInnen bei der Verfassung ihrer VWAs leichtgetan hat, dass sie der bevorstehenden Reifeprüfung eine souveräne Haltung entgegensetzt hat und im Allgemeinen eher gelassen an das Thema „Zentralmatura“ herangeht. Hört man als außenstehende Person Meldungen, die große Zuversicht ausdrücken, könnte man meinen, man würde sich in einem schlechten Film befinden – Drama, Drama, Drama! Alles umsonst. Das ganze Land mobilisierte sich, um schärfste Missbilligung den neuen Regelungen gegenüber zu artikulieren. Und jetzt? Jetzt sagen uns die Betroffenen selbst, dass alles halb so schlimm ist. Ob man damit nicht den Fehler begangen hat, der Öffentlichkeit das Stück Fleisch hinzuhalten, worauf sie nun so lange gewartet hat, sei dahingestellt.

    Nun aber zu einem anderen Punkt: Wozu eigentlich das Ganze? Ich erinnere mich noch an mein erstes Schuljahr am WRG Salzburg – alles aufregend. Was mich aber von Jahr zu Jahr besonders faszinierte, war die Stille, die das sonst so lebendige Schulhaus durchwanderte, wenn es hieß „Matura! Bitte Ruhe!“. Diese Matura musste schon etwas ganz Besonderes sein, wenn jeder darauf Rücksicht nahm. Je älter ich wurde, desto mehr freute ich mich auf den Moment, in dem mir mein Maturazeugnis vom Herrn Direktor überreicht werden würde. Aber warum eigentlich? Es ging mir weniger darum, das Ende meiner Zeit als Schülerin offiziell bestätigt zu bekommen, als zu wissen, dass ich als mündiger, kritischer junger Mensch in die Weiten dieser Welt hinausgeschickt werden würde – und ich würde es meistern. Ach ja…die Matura. Ein Symbol der Reife. Der Idealwert einer aufklärerischen Philosophie. Das war sie damals, als sie noch fern war. Und wie sieht’s heute aus? Wenn ich jetzt an den Moment der zeremoniellen Überreichung eines besonderen Stück Papiers denke, machen sich in mir unbehagliche Gefühle breit. Die Matura – das Zertifikat der „Entindividualisierung“, die Bestätigung dafür, dass die Ecken und Kanten, die mich ausmachten, abgetragen wurden. Die Matura – der Staatsbürgerschaftsnachweis des Landes „Einheitsbrei“. Während Schule einst ein Ort war, der vermittelte, wie schön Individualität und Kreativität ist, besuche ich in der Gegenwart eine Fabrik, die sich die Produktion einer „kompetenten“ und „vergleichbaren“ Jugend zum obersten Ziel gemacht hat – Antiindividuen. Die ein oder anderen werden so manche Anforderung „nicht erfüllen“, eine kleine Elite aber sogar „weit über das Maß hinaus“. Diese Realität nennt sich Selektion. Nur die Stärksten – in diesem Fall jene, die mit Druck umgehen können und Leistungen wie auf Knopfdruck abrufen können – überleben. Entwürdigend werden so SchülerInnen durch ihre Noten definiert. Reduziert. Was hier klingt wie ein dystopischer Roman, ist jener Tatbestand, vor dem die breite Masse und manchmal sogar die SchülerInnen selbst die Augen verschließen. Nach acht Jahren Fertigungszeit kann sich die Ökonomie die wertvollsten Produkte herauspicken. Eine Industrie des Verrats. Verrat an Bildung. Verrat an jungen Menschen.

    Es gäbe noch so unglaublich viel zu sagen, aber sich zwei Wochen vor der neuen Reifeprüfung derartig tiefgehend mit der traurigen Wahrheit zu beschäftigen, ist vermutlich nicht empfehlenswert. Wir haben uns alle damit abgefunden. Etwas anderes ist uns ja nicht übrig geblieben…

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  2. doris junghuber schreibt:

    Das hier habe ich gerade über Facebook gefunden und stammt aber von einem Kollegen aus Bregenz, der es auf der Homepage seiner Schule veröffentlicht hat. Der Text passt zu „Was ich noch sagen wollte“, ist von MMag. Beat Grabner geschrieben, der eine sehr negative Bilanz zieht. Wir können dem vielleicht nicht in allen Punkten für alle SchülerInnen und LehrerInnen zustimmen, aber Teile davon konnten wir auch bei uns erkennen.

    http://bgblumenstrasse.at/2015/04/zentralmatura-anmerkungen-vor-der-grosen-feier/

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  3. Monika Neuhofer schreibt:

    Hm, dieser Text stimmt mich wirklich nachdenklich. Auch wenn ich einiges weniger dramatisch sehe, hat der Kollege leider schon in vielem recht. Und vor allem: Er wirkt absolut glaubwürdig und aufrichtig. Wenn solche klugen und redlichen Lehrer der neuen Matura ein derart desaströses Zeugnis ausstellen, sollte allein das Grund genug sein, an deren Sinnhaftigkeit ernsthaft zu zweifeln.

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