„Zwei Stunden mehr“…

sind wieder einmal ein Thema. Und dieses Mal regt es mich gar nicht mehr sooo auf, wie im Februar 2009, als ich mein ganz persönliches Wissensmanagementblog mit dem Beitrag Lehrerin sein … startete. Damals war ich wirklich gekränkt, wie menschenverachtend mit uns umgegangen wurde. „Arbeitet halt ein paar Stunden mehr, bei eurer vielen Freizeit kann es ja wohl nicht DARAUF ankommen“ war die Botschaft, die bei mir angekommen ist.

Damals hatte ich eine volle Lehrverpflichtung, zwei schulpflichtige Kinder und das Masterstudium eEducation, das berufsbegleitend (zum großen Teil als Online-Veranstaltung) über Lehren mit digitalen Medien stattfand. Da war schon die eine oder andere Woche mit mehr als 80 Arbeitsstunden dabei. Und ich war ja nicht alleine! Allein in meiner Gruppe fanden es 25 weitere KollegInnen ebenfalls nötig, sich in diese Richtung fortzubilden und viel Zeit und Leidenschaft zu investieren.

Dieses Mal läuft wieder einmal alles über die Medien ab, aber die PolitikerInnen machen es „gescheiter“. „Reden kann man über alles“, meint unsere Unterrichtsministerin und nimmt Luft aus der Diskussion, die sicher nicht beendet ist. Aber wir sollen erst einmal ruhig sein und die teilzentrale Matura hinter uns bringen, die für uns durchaus Ablenkungspotential hat. Unsere SchülerInnen können ja nichts dafür. Der Staat muss sparen und wir LehrerInnen sind viele. 340 Millionen Euro fehlen. Perfekt geht sich das aus, wenn jede/r von uns zwei Stunden mehr unterrichtet. Wie praktisch! Meistens bedeutet das eine Klasse mehr, manchmal zwei, durchschnittlich 25 Kinder und Jugendliche mehr, die gut betreut werden sollen.

Und wieder einmal ist meine Zeit nichts wert, die Recherchen, die Vorbereitung, die Beratungen, die vielen Gespräche mit SchülerInnen und Eltern, die Besprechungen untereinander, wenn wir überlegen, wie wir was am besten machen, die Konferenzen, die Fortbildungen an unterrichtsfreien Nachmittagen und Samstagen, die Korrekturen von Hausübungen, Schularbeiten und Tests, die Vorbereitung und Abhaltung unserer VWA-Workshops, die Konferenzen, die Wandertage, die Sprach-, Sport- und Kreativwochen, der Jahresbericht, …

Messen lässt sich das freilich nicht. Messen lässt sich die Unterrichtszeit in den Klassen. Aber das ist halt nur ein Teil meiner Arbeit. Der, der weniger Zeit in Anspruch nimmt. (juhudo)

Weitere Meinungen zu diesem Thema (wird bei Fund fortgesetzt):
David Schwarzbauer: Warum ich nicht zwei Stunden länger in der Klasse stehen will

Ein Gedanke zu “„Zwei Stunden mehr“…

  1. schmiedbauerf schreibt:

    Ich bin Deutsch-Lehrer an einer BHS, das ist noch einmal eine Steigerung! Zwei Wochenstunden und bis zu 36 SchülerInnen in den Klassen der HBLA Ursprung, ungeteilt bitte sehr! Meine Maturaklassen haben 34 bzw. 33 Schülerinnen, nächstes Jahr, wenn wir an der BHS die Zentralmatura dann auch haben, wird es nicht besser. Meine Motivation zum Hakerlsetzen nach dem neuen Korrekturschema ist gleich null, es ist komplett daneben und ich habe ca 95 Arbeiten nach diesem Schema zu korrigieren, für 6.80 pro Arbeit (das wurde einmal besser bezahlt), also, wer motiviert mich für die kompetenzoriertierte neue standardisierte neue Reife-und Diplomprüfung, ich selber bin frustriert. mfg. Mag. Franz Schmiedbauer, HBLA Ursprung, Elixhausen

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