Zwischen den Prüfungen: Ein Blick zurück und eineinhalb nach vorn

Die schriftliche Matura ist Geschichte. Ok, passé ist nur der Haupttermin 2015, aber wir dürfen vermelden: Gut is’s gangen, nix is g’scheng. Bifie und Ministerin sind erleichtert, dass die Unterlagen pannenfrei in den Schulen und bei den MaturantInnen angekommen und keine peinlichen Schnitzer bei der Themenstellung passiert sind. Wir gratulieren.

Mittlerweile stehen die Noten der schriftlichen Klausuren fest. Zumindest an unserer Schule sind diese äußerst erfreulich. Nur ganz wenige SchülerInnen müssen aufgrund eines Nicht genügends nun eine „Kompensationsprüfung“ in einem Fach absolvieren. Die allermeisten sind glücklich, alles gut geschafft zu haben (als KV sage ich nur: ein Hoch auf die Mathematik-Lehrerin!), ein paar haben richtig brilliert. Wie schön!

Nun fehlt noch die so genannte dritte Säule der neuen Reifeprüfung: die mündliche Matura. Und hier haben wir schon die nächste Unsinnigkeit, mit der wir uns herumschlagen müssen: Gab es bisher Vorbereitungsstunden im Ausmaß von ca. zehn Stunden pro Klasse, müssen wir nun das Auslangen mit vier Stunden – pro Jahrgang – finden. Was heißt das konkret? Hätte meine Klasse letztes Jahr maturiert, hätten sie beispielsweise in Deutsch zwölf Vorbereitungsstunden gehabt. Da sie in diesem Jahr maturieren, haben sie drei Stunden mit mir und eine mit meiner Kollegin. Natürlich bedeutet das für uns LehrerInnen weniger (bezahlte) Arbeit, aber ist es auch sinnvoll, und zwar für die Maturanten? Ich finde nicht. Vorbereitungsstunden auf die mündliche Matura sind nämlich nichts anderes als eine Form höchst effektiver „individueller Lernbegleitung“. Man sitzt mit einer kleinen Gruppe motivierter junger Menschen zusammen und arbeitet gemeinsam an Themen. Als Lehrerin nimmt man dabei eher die Rolle eines Coaches, eben einer Lernbegleiterin ein. Es sind in dieser Situation die SchülerInnen (bzw. MaturantInnen), die Interesse daran haben, den gesamten Stoff durchzubesprechen, Antworten auf all ihre offenen Fragen zu erhalten – kurz: gut vorbereitet zu werden.

Gut vorbereitet zu werden, wäre nicht zuletzt deshalb wichtig, weil sich ja auch die Form der mündlichen Matura geändert hat. Bisher waren bei der mündlichen Matura zwei Fragen zu beantworten: Ein Frage zu einem selbst gewählten Spezialgebiet und eine Frage aus dem so genannten Kernstoff des Faches. Bei der neuen Matura muss nur mehr eine Frage beantwortet werden, aus welchem der 24 (!) Themenbereiche diese stammt, wird allerdings per Zufall (durch Ziehen) ermittelt. Bedarf es für diese neue Form im Vorfeld nun weniger Unterstützung durch einen Lehrer? Ich finde nicht. Die MaturantInnen finden auch nicht. Wahrscheinlich findet das überhaupt niemand. Aber Österreich erspart sich durch die Kürzung der Vorbereitungsstunden eine Menge Geld. Deswegen wurden die Vorbereitungsstunden reduziert. Ganz einfach.

Dafür aber weiß ich aus sicheren Quellen, dass „individuelle Lernbegleitung“ etwas ist, auf das künftig in der Schule ganz groß gesetzt werden soll, etwas, das gaaanz sinnvoll ist und das die Lernform der Zukunft sein soll. Ja, eh. Leisten müsste man sich’s halt können. (nemo)

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