Die erste Zentralmatura. Fast schon ein Rückblick

In diesem Schuljahr hatten wir sie nun erstmals in allen Fächern und im vollen Umfang: die neue Reifeprüfung, gemeinhin „Zentralmatura“ genannt.¹ Alle AchtklässlerInnen mussten eine vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) verfassen und präsentieren; die Prüfungsunterlagen für den schriftlichen Teil kamen zentral (per Sicherheitstransport) aus Wien, und die Aufgaben für die mündlichen Prüfungen (die derzeit noch ausstehen) werden per Ziehung ermittelt. Das sind in etwa die Eckpunkte der nunmehr dreiteiligen Matura.

Für die diesjährigen MaturantInnen war die neue Matura in erster Linie aufregend, weil weitgehend unbekannt – und mit echt viel Stress verbunden. Gerade die Zeit im Februar, als es galt, die letzten (und mitunter entscheidenden) mehrstündigen Schularbeiten zu absolvieren und gleichzeitig die VWA abzuschließen und einzureichen, war für viele eine veritable Herausforderung. Für ein paar wurde die Belastung sogar zu groß, sie waren dem Burn-out nahe. Schlussendlich haben es dennoch fast alle geschafft, viele sogar bravourös, und wie so oft erscheint im Nachhinein alles nur halb so schlimm. Aber die Erschöpfungszustände hat es gegeben, und auch sie gehören zu einem Resümee der ersten Zentralmatura.

Unmittelbar nach den Osterferien ging es so richtig los mit dem Maturafeeling. Es standen die Präsentationen der VWAs an. Erst im Anschluss daran wurde für diesen Teil der Matura, die sogenannte erste Säule, eine Note vergeben. Jeder Schüler, jede Schülerin musste seine bzw. ihre Arbeit vor der vierköpfigen Prüfungskommission – bestehend aus dem Maturavorsitzenden, dem Direktor, dem jeweiligen Klassenvorstand und dem/der BetreuerIn der Arbeit – vorstellen. In 7 Minuten sollte die Quintessenz der meist 25 – 30-seitigen Arbeit präsentiert werden, weitere 7-8 Minuten standen für die darauf folgende Diskussion mit der Kommission zur Verfügung. Das war schon eine anspruchsvolle Sache, die die meisten unserer SchülerInnen wirklich mit Bravour erledigten.

Auch bei den schriftlichen Klausuren Anfang Mai schnitten unsere WRG-MaturantInnen alles in allem hervorragend ab. Nur 4 von 69 angetretenen KandidatInnen hatten in jeweils einem Fach ein Nicht genügend (2 davon sind mittlerweile durch eine Kompensationsprüfung ausgebessert und also bereits Geschichte). Das war schon eine reife Leistung der MaturantInnen und verdient Anerkennung – und ein bisschen davon gebührt auch den LehrerInnen, denen die gesamte Vorbereitung oblag. Deutsch, Mathematik, Englisch, Latein und Französisch waren die Fächer, die bei dieser ersten Zentralmatura an unserer Schule auf dem Plan standen.

Und nun fehlen noch, als dritte Säule der neuen Reifeprüfung, die mündlichen Prüfungen. Dabei zieht der Schüler zwei Themenbereiche, entscheidet sich für einen der beiden und bekommt sodann vom Lehrer eine entsprechende Aufgabe vorgelegt. Für jedes Fach und von jedem Lehrer mussten dafür umfangreiche „Themenpools“ – sozusagen Fragensammelbecken – angelegt werden, die nun darauf warten, befischt zu werden.

Ebenso wie die VWA bedeutet auch die mündliche Matura für die gesamte Schule eine wirkliche administrative Herausforderung. Die schriftliche Matura war insofern für die Schule entspannter. Da die Klausuren ja angeliefert wurden, blieb lediglich die Frage zu lösen: Wohin mit all dem Papier? Für die mündliche Matura aber gilt es genaue und ausgetüftelte Pläne zu erstellen, die einen reibungslosen und zügigen Ablauf garantieren. Nicht alles, aber vieles wird anders vonstattengehen, als dies in früheren Jahren der Fall war, und nicht alles von dem vielen, das sich ändert, scheint von den Erfindern der Zentralmatura in seinen Auswirkungen ganz durchdacht worden zu sein. So ist allein bei der Ziehung Vorsicht geboten, gibt es doch je nach Fach Themenpools mit angeordneten 6, mit 12, mit 15, mit 18 und mit 24 Themenbereichen. Nicht auszudenken, was passierte, zöge ein Maturant die Katze aus dem falschen Sack und diese existierte dann gar nicht …

Einiges von dem, was uns in diesem Jahr kollektiv Kopfschmerzen verursacht hat, wird uns bereits im nächsten Jahr nicht mehr als ein routiniertes Lächeln kosten. Aber in diesem Jahr war die neue Matura für die gesamte Schule jedenfalls ein ordentlicher Kraftakt. Viele Informationen und Durchführungsbestimmungen wurden uns vom Ministerium sprichwörtlich in letzter Sekunde übermittelt. Einiges, worauf wir LehrerInnen jahrelang im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen vorbereitet wurden, kam schlussendlich doch anders als gedacht. An so mancher inhaltlichen Neuerung mussten wir lange kauen, bis sie hinuntergehen wollte. Und dass zweifellos das eine oder andere davon in den nächsten Jahren wieder angepasst, weiter reformiert, verändert oder gar abgeschafft wird, ist demzufolge auch kein Trost.

Aber wir werden, wie wir es gewöhnt sind und wie wir es immer wieder erfolgreich praktizieren, das Kind auch weiterhin schaukeln. Gemeinsam mit den FachkollegInnen, dem gesamten LehrerInnenteam, dem Sekretariat, der Direktion, der Administration – und nicht zuletzt gemeinsam mit unseren SchülerInnen kriegen wir schließlich so manches hin. Bei all dem in diesem Jahr so laut dröhnenden Maturageschrei darf nämlich auch nicht vergessen werden, dass daneben noch ein ganz normaler Schulbetrieb stattfindet, dessen Jahresabschluss auch – so wie jedes Jahr – einiges an geballter gemeinschaftlicher Kraft erfordert. Insgesamt 29 Klassen an unserer Schule maturieren schließlich nicht.

Mit den dreien aber, die in diesem Schuljahr ihre Reifeprüfung ableg(t)en, werden wir bei der Maturafeier Anfang Juli kräftig anstoßen: auf die erfolgreiche erste Zentralmatura, sicher. Aber auch darauf, dass sie vorbei ist. Und vor allem auf uns alle gemeinsam, die wir damit doch ziemlich zu tun hatten. Danach sind erst einmal Ferien. (nemo)

¹ Den Text habe ich für den in Kürze erscheinenden Jahresbericht unserer Schule verfasst. Über den Jahresbericht und seine Inhalte wird demnächst auch hier im Blog etwas zu lesen sein.

Ein Gedanke zu “Die erste Zentralmatura. Fast schon ein Rückblick

  1. doris junghuber schreibt:

    Vielen Dank für den zusammenfassenden Bericht – in der arbeitsreichen Zeit zwischen letzten Schularbeiten und mündlicher Matura ist das keine Selbstverständlichkeit! Und er passt auch perfekt in den Blog!

    Liken

Schreibe eine Antwort zu doris junghuber Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s