Lob der Vielfalt. Und des Bemühens

Ausflüge, Besichtigungen, Wanderungen. Sportliche Aktivitäten (von Fischen bis Squash), kreative und strategische Spiele, Flamenco und Zumba. Yoga und Meditation, Begegnung mit Flüchtlingen sowie ein Fahrrad-Reparatur-Workshop. Foto-Safari, Schatzsuche, Filmclubs und Theaterpicknick. Molekulare Küche, biologische Experimente, Typveränderung durch Schminke und Kleidung und noch vieles mehr. Aus insgesamt 83 Kursen können unsere SchülerInnen auswählen, was sie in der letzten Schulwoche bei den sogenannten „Happy Days“ machen wollen. Man würde sich am liebsten vierteilen und selbst Schülerin sein, so attraktiv erscheint das Angebot. Jeder Lehrer, jede Lehrerin bietet an, was er oder sie gut kann, was ihm oder ihr Spaß macht – und die Schüler lieben es.

Keep Calm #6Darüber hinaus gilt es in diesen Tagen und Wochen, das Schulfest vorzubereiten, denn bald ist es wieder so weit: Unter dem Motto „It’s Showtime“ wird am Dienstag der letzten Schulwoche ein Fest auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen kann. Auch hier gilt: Jeder bringt sich ein, jeder macht das, was er oder sie gerne macht, gut kann oder einfach nur das, was gebraucht wird. Und dann wird gemeinsam gefeiert: mit großer Bühne und Art Café, mit Disco und Chillout-Lounge, mit Crêperie und Tapas Bar, mit einer riesigen Tombola und mit der an unserer Schule ganz wichtigen LehrerInnen-Einlage …

Was in den letzten Schultagen besonders augenfällig wird, ist eigentlich auch während des Schuljahrs nicht viel anders (nur halt ein bisschen weniger spektakulär und lustig). Jede und jeder unterrichtet die Fächer, die sie oder er studiert hat und ergo gut kann, und jeder und jede macht darüber hinaus, was ihm oder ihr sonst noch liegt. Was da an einer Schule an unterschiedlichen Kompetenzen zusammenkommt, ist schon beeindruckend. Im Prinzip agieren wir als vielschichtiges System, das fast alles selbst erstellt und leistet: vom Programmieren verschiedener EDV-Tools über die Gestaltung des Schulhauses bis zur PR-Arbeit – ganz abgesehen von unserer nicht-fachlichen Hauptarbeit, nämlich der Erziehung, Begleitung, Beratung und Betreuung der Kinder und Jugendlichen durch den Tag, die Woche, das Jahr und den Großteil ihrer Schullaufbahn.

Damit das alles funktionieren kann (und es funktioniert trotz eklatanten Geldmangels und immer neuer zusätzlicher Vorschriften und Aufgaben gar nicht schlecht), bedarf es aber nicht nur unterschiedlicher Kompetenzen. Wir haben es an unserer Schule mit über 800 Kindern und Jugendlichen zu tun. Diese benötigen weder ferngesteuerte Marionetten noch emotionslose Roboter. Selbst gut ausgebildete einheitlich geformte Pädagogen sind für sie zu wenig. Die über 800 Individuen brauchen individuelle Lehrerinnen und Lehrer, Typen aller Art. Sie brauchen authentische Menschen mit Stärken und Schwächen, Vorbilder, Modelle. Lehrer, die sie nachahmen, aber auch Lehrer, an denen sie sich reiben können; Lehrer, die sie nett, aber auch solche, die sie streng finden; Lehrer, die ihnen cool, aber auch welche, die ihnen schrullig vorkommen. Kumpel-, Eltern-, Künstler-, Professoren-, Erzieher- und Großeltern-Typen, distanziertere und herzlichere, jüngere und ältere, lustigere und ernstere, lautere und leisere.

Es soll hier nicht der völligen Beliebigkeit des Lehrers das Wort geredet werden, der Individualität hingegen schon. Denn Schule sollte Vielfalt und Buntheit bedeuten, Schule sollte ein Ort sein, an dem unterschiedlichste Menschen zusammenkommen, alles Menschen freilich, denen es zuallererst um die Kinder geht.

Am Ende eines Schuljahres, wenn wir alle schon ziemlich k.o. sind und uns trotzdem aufschwingen, zu den Happy Days und zum Schulfest, wird es noch einmal so richtig sichtbar, was Schule ausmacht: ein bunter Haufen engagierter Menschen, die sich bemühen, im Sinne der Kinder zu handeln – jeder auf seine Art und jeder so gut er kann. (nemo)

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