Zentral! Zentral? Naja, a bissl halt…

Ein niederösterreichischer Mathematiklehrer soll die schriftlichen zentralen Maturaaufgaben seiner SchülerInnen „zu milde“ beurteilt haben und ist deswegen suspendiert worden. Seinen Namen kennt man, weil seine SchülerInnen und deren Eltern öffentlich für ihn eintreten. Sein Kollege Rudolf Taschner erklärt dazu einiges in der „Presse“ in dem Artikel „Wenn zentral, dann wirklich zentral. Alles andere ist Augenauswischerei“.

Ich will davon nicht allzuviel wiederholen – Bewertungen sind immer problematisch und wenn ich als Lehrerin eine meiner Funktionen abgeben könnte, wäre es diese. Ein bisschen kenne ich alle meine SchülerInnen, manche auch etwas besser. Ich baue über mehrere Jahre eine Beziehung zu ihnen auf. Ich kenne ihre Stärken und Schwächen in meinem Fach und weiß auch, wie es allgemein mit ihrem Schulerfolg steht. Ich freue mich und leide auch gelegentlich mit ihnen. Ich versuche ihre Leistungen so gerecht wie möglich zu bewerten. Zurzeit sind ja auch wieder die Jahresnoten fällig. „Gerecht“ kann in der Schule aber keine absolute Kategorie sein. Die bereits vielfach verwendete Karikatur, in der Elefant, Fisch, Affe und Schildkröte dieselbe „gerechte“ Aufgabe bekommen, auf einen Baum zu klettern, muss manchmal mitgedacht werden, nicht immer funktioniert „gleich“ als „gerecht“. Manchmal braucht ein Schüler/eine Schülerin eine etwas bessere Note als Motivation – mittlerweile müssen wir einen lebenslangen Lernprozess mitdenken. Lernen darf nicht zu einem frustrierenden Prozess geraten. Schule und Prüfungen sind nicht nur zum Bewerten da, sondern vor allem um Kindern und Jugendlichen Erfolgserlebnisse zu ermöglichen, die ihnen ihren eigenen positiven Zugang zum „lifelong learning“ offen hält.

Diese Überlegungen dürfen allerdings für Abschlussprüfungen keine Rolle spielen. Das, was wir über unsere SchülerInnen wissen, allerdings schon. Es kommt immer wieder vor, dass die Leistungen, die über Jahre in der Schule erbracht wurden, zu dem einen punktuellen Maturatermin nicht erbracht werden können. Als beteiligte Lehrerin kann es sein, dass ich versuche, da etwas auszugleichen – bewusst oder unbewusst! Und es geht NICHT darum, dass man die SchülerInnen schlecht vorbereitet hat und eigene Unzulänglichkeiten vertuschen will! Aber das Rezept dagegen ist einfach: Auch die Bewertung muss zentral erfolgen, diese „österreichische“ Mischung kann so nicht ganz funktionieren! Aber es müssen halt alle „Reformen“ kostenneutral oder billiger sein.

By the way: In den letzten Jahren hat mir NIEMAND wirklich erklären können, warum wir eigentlich zentral maturieren sollen. Ja klar, mehr Individualisierung erfordert auch irgendwo mehr Kontrolle. Aber dafür gibt’s ja die Schulaufsicht und die DirektorInnen, die in mehreren Schulen die Reifeprüfung mit abhalten, kontrollieren und auch Vergleiche ziehen können. Nur weil es in den meisten anderen Staaten der EU stattfindet, reicht mir nicht als Argument. Und ich versteh auch nicht, warum alle dasselbe können sollen. Eine pluralistische Gesellschaft setzt sich aus einem bunten Teppich verschiedenster Fähigkeiten (Kompetenzen!?) zusammen. Wir müssen die Stärken unserer Kinder erkennen und fördern, sie dort unterstützen, wo – gerne – Mindeststandards – erreicht werden sollen.

Und ich finde es wirklich wichtig, dass sie nach zwölf oder dreizehn erfolgreichen Jahren die Schule noch mit dem großartigen Erlebnis einer bestandenen Matura verlassen und mit dem Gefühl, dass die Welt ihnen gehört und sie für die kommenden Jahre mit Neugier und Entdeckerlust ausgerüstet sind! (juhudo)

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