Lehrer sein ist wie… Von schönen und weniger schönen Metaphern

Vor langer, langer Zeit absolvierte ich mein erstes Praktikum in der Schule. Ich hatte das Glück, gleich auf ein richtiges Vorbild von Lehrer zu treffen. Wie dieser Mensch die Schüler mit seinen Geschichten fesseln konnte, wie er ihnen komplizierte Sachverhalte gleichermaßen interessant und nachvollziehbar erklären konnte, wie er sie forderte, ohne dass sie es richtig merkten, das war bewundernswert. Er verglich die Schüler gerne mit Salathäupln und sich selbst mit einem Gärtner. Wie ein solcher würde er seine Pflänzchen hegen und pflegen, sie regelmäßig begießen und düngen, sich daran erfreuen, wie sie wachsen und zu schönen Salatköpfen heranreifen. Nicht immer würden alle gut gedeihen, aber wenn es Zeit für die Ernte sei, dann könne man die prächtigen Exemplare voll Stolz betrachten, die weniger gelungenen trotzdem schätzen, sich insgesamt an der meist reichen Ernte erfreuen und zufrieden sein – wissend, dass bald wieder neue Pflänzchen zu setzen sein würden.

Mir gefällt die Gartenmetaphorik. Ich komme mir selbst oft wie eine Gärtnerin vor. Wie eine solche muss ich mich allerdings zunehmend um das Erdreich kümmern, bevor ich überhaupt etwas pflanzen kann. Mir kommen die Schüler heute, aufgrund des Überangebots und des Feuerwerks an Eindrücken, das ständig auf sie einprasselt, wie ein etwas lehmiger Boden vor, auf dem vieles, was zu schnell und zu üppig daherkommt, einfach abfließt, ohne einzusickern. Insofern muss ein Teil meiner Tätigkeit als Lehrerin im Aufbereiten des Bodens bestehen. Ich muss die Erde auflockern, sie aufnahmebereit für Wasser und Nahrung machen. Einfaches Gießen, zu schnell, zu viel, hat wenig Effekt, langsames, behutsames Vorgehen hingegen lässt in weiterer Folge mitunter prächtiges Wachstum zu.

Mögen solche Metaphern und Vergleiche immer auch ein wenig hinken, helfen sie doch, die eigene Tätigkeit besser zu verstehen und das eigene Tun zu reflektieren. Garteln und unterrichten. Mir gefallen auch die Konnotationen, die ich mit dem Begriff ‚Garten‘ verbinde: bunte Farben, Geduld und Ausdauer, Nachhaltigkeit, Pflege, (altes) Wissen um die sinnvolle Bepflanzung, alles hat seine Zeit, man braucht ein bisschen Talent und man muss es gern tun, aber man ist auch von äußeren, nicht beeinflussbaren Faktoren abhängig. In diesem Sinne erscheint mir eine Schulklasse wie ein wundervoller – sagen wir – Bauerngarten.

Weniger schön ist vielleicht die Metapher des Waschgangs, die sich mir auch immer wieder einmal aufdrängt, wenn ich an ein Schuljahr denke. Da klappt plötzlich die Tür zu, das Programm wird eingestellt und sodann läuft es ab. Die Wäsche wird durcheinandergewirbelt und herumgedreht, manchmal gibt es ein paar Sekunden Stillstand, bevor es von Neuem losgeht. Und kurz vor dem Ende beginnt der Schleudergang. Da werden die Socken und Leiberln noch einmal kräftig herumgewirbelt, die letzten Tropfen werden aus dem Gewebe herausgepresst, bevor die Trommel zum Stillstand kommt. Die Tür öffnet sich, die zerdrückte Wäsche wird herausgenommen und zum Trocknen in die Sonne gehängt.

Erst im September beginnt ein neuer Waschgang. Fürs Erste aber fühlt es sich großartig an, so sauber, frisch und duftig herumzuflattern. Neulich habe ich allerdings schon wieder einen ersten kleinen Fleck an mir entdeckt… (nemo)

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