Wat mutt, dat mutt! Kompetenzkritik eisgekühlt

Richtiggehend absorbiert war ich in den letzten Tagen. Ja, auch von der Hitze und ihren Folgeerscheinungen wie dem dringenden Bedürfnis nach Abkühlung und Schwimmen, aber wahrlich nicht nur. Mindestens ebenso wie die Hitze hat mich das Verfassen eines wissenschaftlichen Artikels umgetrieben, und zwar viel intensiver als mir lieb war. („Hilfe, meine Ferien, wo gehen sie hin?“) Täglich habe ich mich selbst gefragt, ob das denn wirklich sein müsse, aber offenbar muss es. Wat mutt, dat mutt, wie der Norddeutsche sagen würde.

Was aber musste denn so unbedingt sein? Ja, also … Ich habe versucht, eine Kritik an dieser dümmlich-verdummenden Kompetenzorientierung, wie sie im Fremdsprachenunterricht betrieben wird, zu schreiben. Quasi das, was ich bei der diesjährigen Matura miterleben musste und worüber ich mein Befremden aus der unmittelbaren Betroffenheit heraus eh schon artikuliert habe (siehe: Das Ende schulischer Bildung) in gemäßigter, reflektierter und wissenschaftlich-argumentierender Form. „Sprache ohne Kultur“ habe ich den Artikel nun genannt. Ursprünglich wollte ich ein Fragezeichen danach setzen, aber das braucht’s eigentlich nicht.

Den Aufsatz habe ich nun bei den Romanischen Studien eingereicht. Sobald er publiziert ist, werde ich ihn auch hier im Blog zugänglich machen. Vorab schon meine zentralen Thesen:

Ausschließliche Kompetenzorientierung (und nur um diese Form der Ausschließlichkeit, wie ich sie bei der neuen Matura miterleben musste, geht es mir) bedeutet

  1. Verflachung der Inhalte
  2. Entkulturalisierung von Sprache
  3. Entpoetisierung und somit auch Entpolitisierung von Sprache.

Meine „Vision“ für die Fremdsprachen wäre, dass es gelingen würde, die Kompetenzorientierung zumindest so weit einzudämmen, dass auch bei der Matura wieder bildende Inhalte verlangt werden dürfen. Quasi ein im Sinne humanistisch orientierter Allgemeinbildung relevanter Inhalt, den man sich anzueignen hat, über den man dann spricht, und an dem man seine Kompetenzen unter Beweis stellen kann. – Dass so etwas überhaupt schon eine Vision sein muss, ist eigentlich traurig genug. Nota bene: Die Aufteilung des Prüfungsstoffes nach „Spezialgebiet“ und „Kernstoff“ bei der früheren mündlichen Matura ermöglichte genau diese Form der Integration bildender Inhalte…

Ah ja, und ausgegangen ist der Impuls für den Artikel von einer Debatte, die der Wiener Romanist Wolfram Aichinger mit seinem Beitrag „Zur Abschaffung der Literatur an Schule und Universität“ angestoßen hat. „Endlich!“, habe ich mir gedacht, als ich diesen Beitrag las. Und: „Da muss ich doch auch was dazu sagen.“ Wat mutt, dat mutt eben. (nemo)

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