FerienFortbildungsFrust

Tag 1

Lieber Blog!

Heute missbrauche ich dich zum Abreagieren. Denn an einem so schönen Tag eine so schlechte Fortbildungsveranstaltung zu erleben, das muss ich mir von der Seele schreiben!

Schulbibliothek Quo Vadis?

Das neue Schuljahr nähert sich ja schon wieder mit Riesenschritten und es bietet sich an, auch ein bisschen gesteuerte Fortbildung zu betreiben. Heute hat eine dreitägige Veranstaltung für SchulbibliothekarInnen in Salzburg begonnen. Deshalb auch kein Mikroartikel – es geht sich nicht aus. Ja, das Seminar läuft unter dem Titel Schulbibliothek Quo vadis? und er hätte mich schon misstrauisch werden lassen können. Aber ich hab nicht aufgepasst und humanistisches Bildungsbürgertum in Zusammenhang mit der Schulbibliotheks-ARGE ist anscheinend einfach too much.

Also, heute Nachmittag 14:00, ich denke an nichts Gutes und nichts Böses, finden sich, naja so 25  Lehrerinnen und Lehrer (die auch SchulbibliothekarInnen sind) im Bildungshaus St. Virgil in Salzburg ein. Ein bundesländerübergreifendes Seminar. Wir begrüßen uns, setzen uns und bekommen einen Vortragenden aus Deutschland, Potsdam, vorgestellt, der uns seine Schulbibliotheksvisionen näher bringen möchte. Auf der ersten Folie seiner Präsentation steht (im Comic Sans MS, aber man soll ja keine Vorurteile haben):

schlampEr beginnt damit, dass  Deutschland ein schulbibliothekarisches Entwicklungsland sei und dass er über die österreichische Schulbibliotheken nichts wisse. Ein netter älterer pensionierter Schuldirektor. Und er hat wirklich wenig Ahnung. Das was er sagt, ist mittlerweile schon gar sehr antiquiert. Alles habe ich wesentlich besser und zielführender bei meiner über zehn Jahre zurückliegenden SchulbibliothekarInnenausbildung  gehört oder gelesen und da war die Idee der Schulbibliothek als Lernort, den man mit geschickten didaktischen Ideen ausfüllen kann, nicht mehr neu und muss  nicht mehr hinterfragt werden…(Uh,  der Vortrag lässt sich seeehr langsam an! Der Referent redet auch sehr langsam…)

Was lerne ich:

  • Die SB soll offener, nicht unbedingt ruhiger Raum sein, denn die Kids möchten miteinander kommunizieren und gemeinsam Themen erarbeiten. Er wünscht sich neben allen anderen Funktionen auch Möglichkeiten zum eigenen kreativen Arbeiten: Podcasts, Videoclips…
  • In Deutschland haben sie offensichtlich richtige BibliothekarInnen, Beamte/Beamtinnen, die andere Arbeitszeiten als SchülerInnen/LehrerInnen haben, auf Urlaub gehen, wenn sie wollen und es gar nicht gerne haben, wenn ihnen die LehrerInnen dreinpfuschen.
  • Man kann jahrzehntalte Fotos als neu herzeigen. Die Beispiele. Die er bringt, Ssind auch nicht gerade mehr ne, die Südtiroler Fotos kenn ich schon seit meiner eigenen SB-Ausbildung. Die Mediothek Brunecks ist sicher immer noch ein Vorzeigeprojekt, aber die Gegebenheiten in Südtirol kann man nicht mit unseren vergleichen.

Was der Referent sich da so überlegt und vorstellt, ist wieder einmal gar nicht neu und am liebsten möchte ich wieder einmal sofort gehen, aber ich bin halt zu höflich. Immerhin kann ich mich mit Bloggen unterhalten und meine Kompetenzen am iPadMini ausbauen. Auch ganz nett und damit nicht ausschließlich Zeitverschwendung. Aber mit der Zeit werde ich richtig wütend,  wenn meine Zeit dermaßen verschwendet wird, halte ich das kaum aus. Den anderen TeilnehmerInnenn müsste es eigentlich ähnlich gehen, wir sollten ähnliche Ausbildungen (modularisiert!) durchlaufen haben und auf einem ähnlichen Wissenstand sein.

Aber bei wem soll ich mich beschweren? Beim netten, verbindlichen Referenten, der halt seine Präsentation vorgetragen hat? Bei den ARGE-LeiterInnen, die wahrscheinlich länger organisiert haben, aber verabsäumten, ein paar Basics zu klären? Aber nach eineinhalb Stunden ist Pause und geh dann halt einfach doch. Weitere Probleme (Zusammenarbeit!) in zwischen den LehrerInnen und den BibliothekarInnen in Deutschland ( = nächstes Thema) und Webquests vorgestellt bekommen, halte ich nicht mehr aus. Morgen gibts Führungen in der Stadtbibliothek Salzburg (Die ist toll, aber ich kenn sie halt schon) und andere Vortragende. Vielleicht sind die ein bisschen näher am  Puls der Zeit. Und bis dahin lass ich meine Gedanken an unserem Blog aus.

Morgen gibts dann mehr.

Tag 2

Informationskompetenz und Bibliotheken (Helga Simmerl)

Neue Referentin, neues Glück: Heut hat bisher alles viel besser gepasst.
Helga Simmerl, eine Kollegin (Anglistik, Musik, Literacy….) war so nett, meine
Erwartungshaltung ganz zu erfüllen und hat didaktische Modelle für Arbeit und Recherche in der
Schulbibliothek vorgestellt. Sie arbeitet auch bei der VWA/Literacy – Seite mit und die Leute dort leisten wirklich gute Arbeit. Damit nicht jede/r das Rad neu erfinden muss, hat sich das Literacy-Team einige Module zum Recherchieren überlegt, die entweder so wie sie sind oder mit kleinen Überarbeitungen einfach benutzt werden können, für Schulbibliotheken oder LehrerInnen, die an der Medienkompetenz ihrer SchülerInnen arbeiten möchten. Meiner Meinung nach können diese für Fachunterricht, wissenschaftliches Arbeiten oder auch einfach Supplierstunden in der Bibliothek verwendet werden. Wirklich was zum Weitergeben!

Hier sind die Downloadlinks dafür: http://www.ahs-vwa.at/pluginfile.php/97/mod_data/content/1533/03-VWA-Modellrecherchen.docx

Am Nachmittag wird es schon wieder schwierig für mich:

Von der Schulbibliothek zur Medienlandschaft (Angelika Hollereder)
SB als Lernort: Tja, wieder einmal „tolle“ SB-Konzepte, darunter auch der Vorschlag die SB anders zu nennen („Medientanke“) und wieder der bundesdeutsche Hintergrund, dass die LeuteB die in der BIB arbeiten. Naja. die Frau kommt voö :ekz und will ihre Sachen verkaufen. Nur: unsere Bibliothek ist ust erst zehn Jahre alt und wir werden über viele Jahre kein Budget haben um etwas umzugestalten. Abgesehen davon, dass bei der Planung und Ausstattung damals eh keiner von uns einbezogen wurde. Ist ja schön, dass wir von :ekz eine Präsentation erhalten, für recht viel gut ist sie nicht. Vielleicht könnte man vor einem derartigen Vortrag erheben, wer das in nächster Zeit brauchen können wird. (Endlich hat sich auch einer der Kollegen gemeldet und ganz vorsichtig die Relevanz des Vortrags bezweifelt, aber die Referentin lässt sich nicht beirren und zeigt weiter eine Folie nach der anderen.)

Und damit wirds wieder uninteressant, da wir ihnehin nix davon umsetzen können. Also wieder Spaß mit Bloggen. („Lernen mit Sitzsäcken macht auch viel Spaß, sie brauchen aber viel Platz.“ „Und wieder eine fix eingeplante Lernlandschaft….“) Im Grunde wieder völlig am Zielpublikum vorbei. Den :ekz-Katalog kann ich mir auch selbst durchblättern.

Ich bin ja wirklich froh, dass es das Internet gibt, man kann sich doch immer beschäftigen 😉
Innovative Bibliothekslandschaften. Die Bibliothek als „Lese-, Lern- und Lebensraum. (Markus Fritz)

Dieser Referent kommt aus Südtirol, wo andere Bedingungen für die Leseförderung herrschen und schon viel Interessantes entwickelt wurde. Über Gudrun Sulzenbacher habe ich schon einmal geschrieben. Wir sehen wieder viele Beispiele von Bibliotheken, aber doch auch ein paar didaktische Ideen. Ich habe nichts wirklich Neues gelernt, aber es war der bessere Vortrag aus drei relativ vergleichbaren darüber, wie sich Schulbibliotheken entwickeln könnten, wenn, ….

Ein zentraler Satz, der mir gefällt: „Die Bibliothek bleibt der Ort der Konzentration, Kontemplation und Kommunikation.“

Fazit dieses Tags: Vormittag top, der Nachmittag eher unnötig.

Tag 3

Öffentlichkeitsarbeit und Werbung in der Schulbibliothek (Claudia Rittmann-Prechtl)

Die Frage, wie wir unsere Klientel in die SB bekommen, treibt uns natürlich alle um, aber sozusagen einen Schnellmarketingschnellkurs zu erhalten, hat mich heut wirklich überfordert. Die Referentin beginnt mit Fotos und fragt uns dann lehrer-schülergesprächsmäßig ab, was uns aufgefallen ist… Es folgen Tools und Analysen, die in der Wirtschaft gebraucht werden, hier eine kleine Auswahl:

  • Stärken-und Schwächenanalyse: „Was möchte ich verkaufen?“ („Verkaufen“ möchte ich gar nix.)
  • Farbkonzepte
  • Folder
  • Pressearbeit und wirklich vieles mehr
  • Netzwerken mit Eltern, Sponsoren, Direktor, Administrator…
  • Dauerpräsenz der SB im Schulhaus, Ausstellungen, Plakate
  • Nutzerumfragen

Aber wenn ich daran denke, wann ich das alles machen soll – ich meine, wenn das Produkt Schulbibliothek Geld (für mich) abwerfen würde, würd ich vielleicht darüber nachdenken, aber warum sollte ich „ein ganz ganz tolles Bild der SB vermitteln?“ Ich seh mich ja doch eher als Lehrerin und nicht als Managerin, kann ja sein, dass es manchen Spaß macht, sich damit zu beschäftigen, aber Aquirieren liegt mir einfach überhaupt nicht…

Mir fällt es langsam schwer richtig durchzuatmen, wenn ich das alles höre und ich fühle mich unglaublich fehl am Platz. Warum muss alles dauernd besser, höher, schneller werden? Warum sollte im Jahresbericht stehen, dass sich meine Ausleihfrequenz erhöht hat? Die Arbeit in der SB ist einfach ein Nebenprodukt meiner Arbeit (zwei Werteinheiten), mein Hauptjob ist unterrichten!

Ich möchte jetzt nicht falsch berstanden werden: Die Referentin in unglaublich motiviert und möchte uns ganz dringend von ihrem Anliegen überzeugen. Und viele Ideen sind prima, aber viele davon haben wir auch schon davon umgesetzt: Ich kenne fast alles schon seit Jahren und die anderen SeminarteilnehmerInnen sollten auf einem ähnlichen Wissensstand sein wie ich.
Digitale Internetauftritte der mmSB. Möglichkeiten und Chancen (Katrin Steinherr)
Ok, diesmal liegt es ausschließlich an mir, dass ich nicht ganz zufrieden bin, der Vortrag ist  für viele TeilnehmerInnen durchaus interessant. Aber ich bin Informatiklehrerin und spiele schon seit vielen Jahren mit den sozialen Medien. die Referentin stellt Facebook, Youtube, Blogger und Wikispaces vor. Sie macht es prima und ich wünsche mir nur, ich hätte das Seminarprogramm bei der Anmeldung gekannt und nicht erst eine Woche vor dem Seminar erhalten ;-).
Was bleibt von diesen drei Tagen?

Ich stelle mir ernsthaft die Frage, ob die Schulbibliothek noch Zukunft hat. Die „Visionen“, die vorgestellt wurden, sehen so aus, dass

  • die Bibliothek eigentlich eher in die einzelnen Klassen ausgelagert wird.
  • sie unbedingt Kommunikationsräume und Begegnungszonen zur Verfügung stellen sollte.
  • das oben Beschriebene mit modernen, flexiblem Mobilar erreicht werden kann.
  • Bücher zugunsten digitaler Medien eine immer unwichtigere Rolle spielen; WLAN spielt dabei eine wichtige Rolle
  • die SB sollte unter Marketinggesichtspunkten geführt werden.

Liebe zum Lesen, was Bücher für das eigene Lernen und die Entwicklung bieten können, die SB als Ort der Stille in einer hektischen und lauten Schule wird entweder als selbstverständlich vorausgesetzt oder spielt keine Rolle mehr, jedenfalls wurde es nicht thematisiert. „Modern“ scheint es nicht zu sein, trotzdem scheint es mir eine Antwort auf die Frage „quo vadis“ zu sein. Zumindest sehen wir, das Team der SB Nonntal das so.

Wir haben EINEN großen, sehr schönen Raum zur Verfügung, 13.500 Medien, ca. 350 Meter Regalböden, Tische und Stühle für eine Klasse, drei Schulen, 2000 potenzielle LeserInnen (ca. 1800 SchülerInne und ca. 200 LehrerInnen). In diesem kann man sehr gut

  • Lesen und Schmökern
  • Hausübung machen
  • In kleinen Gruppen arbeiten
  • EINE Klasse Arbeitsaufträge erledigen lassen
  • Eine Lesestunde mit EINER Klasse abhalten
  • Material zu vielen unterschiedlichen Themen finden. Analog und digital.

Allerdings gibt es jetzt schon viel mehr PCs in der Schule als vor zehn Jahren und die meisten SchülerInnen besitzen Smartphones, daher hat der Wert der Bibliotheks-PCs doch sehr abgenommen. Wo wir wirklich viel bieten können, ist im Bereich der Bücher und Zeitschriften, die allerdings müssen den Kids näher gebracht werden. Für alles andere muss man halt nicht mehr in die Bibliothek. Die Funktion des Bibliothekars/der Bibliothekarin als HüterIn des Wissens, die gibt es schon lange nicht mehr.

Daher glaube nicht, dass man durch diese Wieder-, Zurück-, Neuorientierung altmodisch, unmodern, rückständig ist, sondern vielen (nicht allen) Kindern und Jugendlichen einen Freiraum schaffen kann, in dem sie sich in ihrem Tempo und nach ihren Interessen in andere Welten eintauchen können.  (juhudo)

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