„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Gedanken zum Schulbeginn

Am Montag ist es wieder so weit: Schulbeginn bei uns in Westösterreich. Und wieder einmal hat mich die freudige Erwartung, die gespannte Vorfreude auf die Schule erfasst. Gut, vielleicht nicht mehr ganz so unbändig wie als Kind, aber doch deutlich spürbar.

Wesentlichen Anteil an dieser Vorfreude hat meine Tochter, die nunmehr bereits in die vierte Klasse Volksschule kommt und es selbst kaum erwarten kann, dass die Schule wieder anfängt. Gestern waren wir Schulsachen einkaufen – ein Highlight zu Ferienende. Der absolute Favorit in diesem Jahr ist der neue Zirkel. Ein Wunderwerk, ein wahrer Schatz, der gestern gleich kräftig ausprobiert werden musste. Wie großartig ist das denn: Zirkel und Geodreieck gleichsam als kleine Zauberstäbe, die einem die Schule wie ein verwunschenes Paradies erscheinen lassen. Ab Montag wird es wieder erforscht. Wir scharren schon in den Löchern.

Ebenfalls sehr motivierend und ansteckend, was die Vorfreude auf die Schule betrifft, war der Einführungsblock des Lehrgangs für die UnterrichtspraktikantInnen, der letzten Mittwoch und Donnerstag an der PH stattfand. Ich betreue dort jedes Jahr eine Gruppe und reflektiere mit den JunglehrerInnen über das, was auf sie zukommt: über ihr erstes Jahr an der Schule, die verschiedenen Akteure, die im schulischen Umfeld für sie von Bedeutung sein werden, sowie insbesondere über ihre neue Rolle als Lehrerin oder Lehrer. Für mich ist das eine wirklich lohnende Aufgabe: Einerseits kann ich versuchen, etwas von meinem Verständnis des Lehrerberufs weiterzugeben, Bewusstsein dafür zu schaffen, worauf es in der Schule wirklich ankommt, und andererseits wirkt dieses Überlegen, worauf es eigentlich wirklich ankommt in der Schule, massiv auf mich selbst zurück. Da stellt sich dann so etwas wie Begeisterung ein – und wenn sich diese dann auch noch ein bisschen auf die TeilnehmerInnen überträgt, so wie es diesmal wieder der Fall war, ist das Gesamtpaket geradezu beflügelnd. Am Ende der Veranstaltung war ich motiviert bis in die Haarspitzen und bin gleich hinübergeschwebt in meine Schule. (Wie schön, das sauber geputzte Schulgebäude zu betreten, im Sekretariat vorbeizuschauen, unseren Direktor zu treffen, Kolleginnen zu umarmen.)

Gerade war meine eigene Stimmung noch ganz auf den Sommer eingestellt gewesen. Wie jedes Jahr ist es ein Jammer, wenn dieser zu Ende geht. Das selbstbestimmte Leben, das gemächliche Tempo, die Zeit der Muße und des Nachdenkens. Ebenso wie die Wärme des Sommers, die Strahlen der Sonne, das Rauschen des Meeres möchte ich den Ferienrhythmus noch weiter auskosten, bewahren, nicht zu Ende gehen lassen. Und dann stehe ich plötzlich vor den JunglehrerInnen und frage mich, was ich hier überhaupt tue. Aber bereits nach wenigen Minuten packt es mich und ich spüre es wieder ganz deutlich, was für einen wunderbaren Beruf ich doch habe, was das für eine großartige Sache ist, Lehrerin zu sein.

Die UnterrichtspraktikantInnen haben fast unisono gesagt, am allermeisten würden sie sich auf die jungen Menschen freuen, darauf, endlich mit Schülern arbeiten zu können, in der Klasse zu stehen. Ich habe geantwortet, das sei das Schönste, was sie sagen könnten. Genau darauf kommt es nämlich an in der Schule: auf die Arbeit mit den jungen Menschen, auf die Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen, die man knüpfen und in weiterer Folge stetig pflegen muss. Zuerst geht es darum, sich gegenseitig wahrzunehmen und kennenzulernen. Alles andere kommt danach. (nemo)

PS: Und heute zum Frühstück dann auch noch ein Leitartikel in den Salzburger Nachrichten, der mir geradezu aus der Seele spricht. Unter dem Titel „Es gibt viel zu lernen über das Wahre, Gute, Schöne“ reflektiert Josef Bruckmoser über die Bedeutung der Schule. Da heißt es:

Denn genau das ist die Stärke der Schule, dass sie nichts anderes im Sinn hat, als aus jedem dieser jungen Menschen sein und ihr Bestes herauszuholen. (…) Voilà, liebe Pädagoginnen und Pädagogen, liebe Schülerinnen und Schüler. Es geht wieder los. Dass die Schule die schönste Zeit des Lebens sei, ist nicht die ganze Wahrheit. Aber sicher ein Teil davon.

Wie wahr! Den ganzen Artikel gibt’s online auf salzburg.com. Leseempfehlung!

Ein Gedanke zu “„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Gedanken zum Schulbeginn

  1. Monika Neuhofer schreibt:

    Tatsächlich: der Zirkel ist etwas Besonderes, doch auch die anderen Sachen darf man nicht vergessen! Stifte, Wasserfarben, Spitzer, Radiergummi und, und, und.

    Ferien müssen sein, um sich wieder auf die Schule zu freuen. Sicher gibt es auch welche, die sich nicht so auf die Schule freuen. Doch jetzt geht es wieder los. Und ich freue mich, das steht fest.

    Esther (praktisch 9), Kind von nemo, nickname: esne

    Gefällt 2 Personen

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