Kafka und Malala im Theater

Zwei Theaterbesuche mit Schülern innerhalb von drei Tagen: Am Dienstag „Die Verwandlung“ im Schauspielhaus Salzburg. Beworben als Jugendstück ab 14 Jahren, für 14-Jährige allerdings doch noch recht verstörend. Die SchülerInnen meiner 5. Klasse waren sowohl von der Tatsache, dass sich der Darsteller des Gregor Samsa auf der Bühne bis auf die Unterhose auszieht, als auch von dem angedeuteten erotischen Verhältnis Gregors zur Schwester ziemlich irritiert. In der Kulturstunde am Nachmittag haben wir ausführlich über die Inszenierung und die Interpretation des Textes gesprochen. Am Ende des Tages fanden sie’s „interessant“ und „anders“, aber die meisten konnten doch zumindest irgendetwas damit anfangen.

Ich selbst und auch meine Kolleginnen waren ziemlich beeindruckt von der Dramatisierung der Erzählung. Die Regisseurin Bernadette Heidegger kann das, die hat wirklich ein Gespür für Situationen, zwischenmenschliche Konstellationen und Befindlichkeiten und findet Bilder, Symbole und Ausdrucksmöglichkeiten auch für einen eigentlich eher undramatischen Stoff.

Heute „Malala“ in den Kammerspielen des Landestheaters. Die Drittklässler sind von dem Leben des Mädchens fasziniert und berührt. Die Ungeheuerlichkeit, dass jemand einem Mädchen in den Kopf schießen kann, beschäftigt sie wirklich. Die Inszenierung der Geschichte Malalas im Theater ist durchaus gelungen, es wird etwas vorstellbar vom Leben dieser Person, von ihrem Anliegen, lesen und schreiben zu lernen, von ihrem Kampf für Bildung.

Auch in diesem Fall handelt es sich eigentlich um eine Erzählung, die auf die Bühne gebracht wurde. „Malala“ ist ein Ein-Personen-Stück, die Schauspielerin erzählt Malalas Geschichte, spielt Malala und gleichzeitig alle anderen Personen, die vorkommen.

Theaterbesuche mit SchülerInnen sind wertvoll. Als Lehrerin habe ich dabei das Gefühl, etwas zu vermitteln, etwas zu bewirken, Bewusstsein für relevante Inhalte und Darbietungen zu schaffen. Wenn die Stücke bzw. die Inszenierungen so gut sind wie die, die wir gerade gesehen haben, und die SchülerInnen so interessiert und aufmerksam wie diejenigen, mit denen wir unterwegs waren, umso mehr. (nemo)

One child, one teacher, one pen and one book can change the world. (Malala Yousafzai)

Ein Gedanke zu “Kafka und Malala im Theater

  1. gegenvernunft schreibt:

    Es klingt zwar ironisch, aber es ist schön zu lesen das sich Jugendliche trotz der allmächtigen Verfügbarkeit aller möglichen sexuellen Inhalte durch das Internet noch von einem Theaterstück verstören lassen. Da glaube ich fast noch an das Gute in den Jugendlichen 😉

    Dabei haben hoffentlich die Show-Effekte nicht das Genie Kafkas und das Drama seiner Figur Samsa überdeckt….

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