Schüleraustausch: Bienvenue à Salzbourg

Am Mittwoch ist es soweit: Die Gastschüler aus La Rochelle kommen zu uns nach Salzburg. Endlich hat es wieder geklappt mit der Organisation des Schüleraustausches. Nun brauchen wir nur noch darauf zu hoffen, dass die Anreise gut klappt, dass alle mit ihrem „Tandem“ zufrieden sind, dass sich das Salzburger Wetter nicht allzu garstig benimmt (derzeit zwar kein Schnee, dafür prächtiges Herbstwetter – das wär‘ schon ok) und die Tage für alle Beteiligten zu einer bereichernden und schönen Erfahrung werden. Croisons les doigts!

Ein selbst organisierter Schüleraustausch mit gegenseitiger Unterbringung in den Familien ist eine feine Sache, sowohl menschlich als auch kulturell – und darüber hinaus auch finanziell. Wenn ich mir ansehe, was mancherorts für Sprachreisen zu berappen ist, ist unser Austausch dagegen fast geschenkt. Allerdings – umsonst gibt’s die Sache nicht. Der zeitliche Aufwand, die Planungen und die Organisationsleistung, die hinter so einem Projekt stehen, sind gewaltig, die Widrigkeiten vielfältiger als man meinen möchte. Ein bisschen davon will ich erzählen …

Zuallererst braucht man jemanden an der Partnerschule, der voll mitzieht. Ohne engagiertes Gegenüber an der anderen Schule tut sich nämlich gar nichts. Und da fangen die Schwierigkeiten schon an – denn ebenso wie hierzulande der Französischunterricht hat in Frankreich der Deutschunterricht mit kräftigem spanischem Gegenwind zu kämpfen. Dazu kommt, dass es für französische Schulen oft etabliertere und offiziellere Formen von Zusammenarbeit mit deutschen Schulen gibt und ein Sprachaufenthalt in Österreich aus französischer Sicht wohl auch nicht immer ganz der Vorstellung von sprachlicher pureté entspricht. 😉

Jedenfalls: Ein Kollege oder eine Kollegin, die mitzieht, ist Voraussetzung, damit überhaupt etwas in die Gänge kommt. Sodann aber beginnen die Widrigkeiten: Bereits die Terminfindung für die beiden Austauschwochen ist eine erste satte Herausforderung. Danach müssen die teilnehmenden Schüler und Schülerinnen aus den verschiedenen Klassen ermittelt werden. Auch das keine ganz leichte Übung, bis man die definitiven Anmeldungen mit Unterschrift der Eltern hat. Blöd nur, wenn die Anzahl der Anmeldungen nicht übereinstimmt, von Alter, Geschlecht und anderweitig eventuell Relevantem ganz zu schweigen. Hat man die Tandems zusammengestoppelt und es irgendwie doch geschafft (espérons!), die Wünsche und Vorlieben (eh nur die wirklich wichtigen!) aller zu berücksichtigen, muss man dafür sorgen, dass ein erster Kontakt per Mail hergestellt wird. Grundsätzlich eine sinnvolle sprachliche Übung für die Schüler, wieder aber ein viel gröberes Unterfangen als man sich das theoretisch so vorstellt. „Mein correspondant antwortet nicht!“, „Die Mail-Adresse gibt es nicht!“ etc. etc.

Mittlerweile, so hoffe ich, sind alle Kontakte hergestellt, sämtliche Eltern sehen der Verschickung ihrer Kinder beruhigt entgegen und die Schüler haben ihre schulischen und privaten Verpflichtungen soweit geklärt, dass einer erfolgreichen Abfahrt bzw. Ankunft nichts mehr im Wege steht. Immerhin dürfen die Franzosen überhaupt fahren – denn auch das war ja zwischenzeitlich ungewiss. Und dass ein paar Lehrerkollegen bei der Verschiebung ihrer Tests herumzicken und sich an unserer Schule diese Woche auch noch ein Masernfall als kleine Extraaufgabe dazugesellt haben, macht das Kraut auch nicht mehr entscheidend fetter als es ohnehin schon ist. Bekanntlich lassen sich Probleme lösen, darum kümmern muss sich halt jemand, in diesem Fall ich.

Wäre noch die Kleinigkeit der Programmerstellung, die natürlich auch ein bisschen Zeit und Mühe beanspruchte – zumal es galt, mit einem Minibudget ein solches auf die Beine zu stellen. Nunmehr ist alles unter Dach und Fach. Der eine oder andere Museumsbesuch wird mit Audioguides anstatt mit einer richtigen Führung absolviert werden und von den Theaterplätzen wird man trotzdem was sehen, auch wenn sie ganz hinten sind. (Wer Lust hat zu schauen, was wir vorhaben, klicke hier: Programm Schüleraustausch.)

Nach wochenlangen Vorbereitungen und Planungen, nach gut 50 hin- und hergeschickten Mails mit dem Kollegen in Frankreich und diversen Kultureinrichtungen in Salzburg, nach mehreren Elternbriefen und zig Gesprächen mit SchülerInnen, KollegInnen und dem Direktor geh ich jetzt einfach einmal davon aus, dass wir es mit lauter halbwegs flexiblen jungen Menschen mit halbwegs realistischen Ansprüchen und Vorstellungen auf beiden Seiten zu tun haben, ansonsten alles gut laufen wird und sich daneben vieles ergeben wird, was man eh nicht planen oder vorhersehen kann. Ich freu mich derweilen auf Mittwoch. Spannend wird’s auf jeden Fall. (nemo)

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