Höher, besser, schneller, mehr

heißt die Radiokolleg-Reihe auf Ö1, die diese Woche ausgestrahlt wurde. Dank der Semesterferien konnte ich sie mir sogar zum Sendetermin um 9 Uhr morgens anhören. Radiohören als gleichermaßen entschleunigende wie geistig anregende Tätigkeit an unterrichtsfreien Tagen (oder auch wenn ich einmal krank bin), aber ebenso beim Kochen oder beim (seltenen) Autofahren. Sendungen, die ich verpasse, höre ich manchmal am Wochenende nach, dank „7 Tage Ö1“. Sendungen, die mir ganz besonders gut gefallen, bzw. Sendungen, die ich vielleicht für die Schule brauchen könnte, lade ich als Podcast herunter. Ein „Download-Abo“ macht’s möglich.

Radiohören tut mir gut. Allerdings muss es schon Ö1 sein, manchmal Bayern 2. (Der Bayerische Rundfunk stellt übrigens ein geradezu phantastisches Angebot an Podcasts gratis zur Verfügung – siehe Link!) Was anderes kommt für mich kaum mehr in Frage, seit auch auf FM4 andauernd Werbung läuft. Auf Ö1 schätze ich die meist ruhige Art, die den Sender prägt. Manchmal gibt es Musik, die ich nicht aushalte – Operetten zum Beispiel -, meist jedoch gefällt mir die Musik, zumindest halbwegs. Trotzdem bevorzuge ich eindeutig Sprechsendungen wie eben das Radiokolleg.

„Die Maßlosigkeit als tickende Zeitbombe“ steht im Untertitel zum dieswöchigen Radiokolleg. Es geht um unsere Leistungs- und Optimierungsgesellschaft, um die Gier, um den ständigen Drang nach mehr, sei es in der Wirtschaft, der Arbeitswelt, der Ausbeutung der Umwelt oder auch der eigenen Leistung. Im ersten Teil der Reihe wurde Heinrich Bölls Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral zitiert. Mehr als 50 Jahre alt, aber immer noch gut, eigentlich aktueller denn je. Denn in unserer gegenwärtigen Welt erscheint die Zufriedenheit des armen Fischers als vollkommen anachronistisch, die Lebensauffassung des rastlosen Touristen als weitverbreitete Normalität. Selbst in der Schule ist das fast blinde Streben nach höher, besser, schneller, mehr nicht mehr wegzudenken – und immer mehr Menschen sind der Ansicht, dass Schule unbedingt wie die „Welt da draußen“ funktionieren müsse, inklusive massivem Leistungsdruck und Optimierung. Die Zeit zum Innehalten und zum Nachdenken, zum kreativen Ausprobieren, Diskutieren und möglicherweise wieder Verwerfen wird immer spärlicher. Die Frage, was tun wir da eigentlich und wozu, wird immer seltener gestellt. Stattdessen strampeln wir fleißig im Hamsterrad mit, das dafür stetig besser und schneller … (nemo)

Ein Gedanke zu “Höher, besser, schneller, mehr

  1. Harald Marth schreibt:

    Die Zufriedenheit des portugiesischen Fischers im Gegensatz zum gewinnoptimierungssüchtigen Touristen mag anachronistisch daherkommen. Das zunehmende Achten auf die Work-Life-Balance in Teilen der Bevölkerung kommt dem Sehnen nach dieser Zufriedenheit aber nach. Ob diese Gewinnoptimierungsgeschädigten oder -ausgezehrten auch lieber Fischer wären, weiß ich nicht. Am Gestade sitzen und warten, ob so ein Viecherl anbeißt, ist ja doch anstrengend. Weil man so viel mit sich allein ist.

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