Sag mir, wo die Schüler sind

Nur 3 von 12 SchülerInnen waren heute in meinem Französisch-Unterricht. Die anderen waren im Kino. Schön für sie, aber leider nicht schön für mich. Nicht, dass ich etwas gegen eine ruhige Stunde im kleinen Kreis hätte, mein Problem ist, dass mir der Kreis allzu häufig gar zu klein ist. Andauernd gibt es einen Grund dafür, dass ein Teil meiner SchülerInnen nicht im Unterricht ist. Das hat damit zu tun, dass meine Französisch-Gruppen SchülerInnen aus drei verschiedenen Klassen umfassen. Früher, als es bei uns am WRG nur die Wahl zwischen Latein und Französisch gab, waren es meist SchülerInnen aus zwei Parallelklassen, die ich gemeinsam zu unterrichten hatte. Seit der Einführung des Unterrichtsfaches Spanisch kommen meine SchülerInnen aber nunmehr gleich aus drei verschiedenen Klassen (und zudem muss ich  noch froh sein, wenn sich überhaupt genügend für Französisch anmelden …).

Kino- oder Theaterbesuch, Praktikumspräsentation, Exkursion, Kulturreise, meeresbiologische Wochen usw. usf. Es gibt zahlreiche (gute) Gründe dafür, warum eine Klasse abwesend ist. Auch ich selbst unternehme gerne etwas mit meinen Klassen. Es gibt so vieles, was man mit den SchülerInnen machen möchte, wovon man denkt, dass sie profitieren würden, was sie ausprobieren und kennenlernen sollen. Allein – meine Französischstunden, wo gehen sie hin?

Ganz ehrlich, es stresst mich, wenn andauernd die halbe Klasse weg ist. Ich komme nicht weiter mit dem „Stoff“. Es bleiben ganz einfach zu wenige Stunden für konzentrierte Arbeit übrig. Und vier Jahre, in Wirklichkeit kaum mehr als 3,5 Jahre Fremdsprachenunterricht  (die 8. Klasse endet ja schon im April) sind ohnehin knapp bemessen. Schließlich sollen die SchülerInnen am Ende maturafähig sein, heißt: Französisch auf Sprachniveau B1 (laut dem gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen GERS) beherrschen, schriftlich und mündlich, produktiv (Schreiben und Sprechen) und rezeptiv (Hören und Lesen). Das ist nicht einfach zu erreichen. Und erst recht nicht, wenn man nicht zum Unterrichten kommt! Der gemeine (B)Österreicher denkt zwar wahrscheinlich, wir Lehrer seien eh froh, wenn wir nicht zum Unterrichten kommen, in Wirklichkeit aber übt diese Tatsache echten Druck aus. Denn: Ich fühle mich für den Lernfortschritt meiner Klassen verantwortlich, ich möchte, dass meine SchülerInnen etwas lernen, ich will, dass sie etwas können. Aber, hélas, ich komme nicht dazu, sie anständig zu unterrichten! Und ich bin nicht die Einzige, der’s so geht. (nemo)

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