Literatur im Fremdsprachenunterricht?

In unserer Schule gammeln noch ein paar abgegriffene Exemplare französischer Literaturklassiker herum: Balzac, Molière, Sartre, Maupassant etc. Gelesen werden diese Texte im Französischunterricht schon lange nicht mehr. Auch ich wüsste nicht, wie und wann. Vieles davon erschiene mir auch zu schwierig, um es vor der achten Klasse zu lesen – und in der achten Klasse bleibt für solche Extravaganzen keine Zeit. In der achten Klasse dreht sich alles nur mehr um Fertigkeiten und Formate sowie um die maturarelevanten Themen aus den Bereichen Alltag, Freizeit, Arbeits- und Schulwelt.

Ich bin schon zufrieden, wenn es mir im Laufe der Oberstufe gelingt, wenigstens einje-vais-bien-ne-t-en-fais-pas-u-iext6709463 ganzes Buch im Französisch-Unterricht zu lesen. Derzeit ist es Je vais bien, ne t’en fais pas (Keine Sorge, mir geht’s gut) von Olivier Adam, das ich mit den SiebtklässlerInnen anpacken will. Das ist sprachlich nicht zu schwierig, man kann nach dem Lesen zum Vergleich den Film anschauen und außerdem sind darin einige maturarelevante Themen (Wohnen, Familie, Erwachsenwerden, Arbeitswelt) recht gut verpackt.

Darüber hinaus versuche ich manchmal ein Gedicht im Unterricht unterzubringen, wir hören Chansons und gehen zur Cinéfête. Viel mehr an literarisch-kultureller Bildung aber ist für mich nicht zu schaffen. Bis vor Kurzem gab es zudem noch eine jährliche Theatervorführung vom Vienna’s English Theatre, das auch eine französische Schiene hatte und damit auf Tournee in die Bundesländer ging, aber die gibt es seit heuer nicht mehr. (Sie wurde vorübergehend (?) eingestellt.) Und seit für die mündliche Matura keine Spezialgebiete mehr vorzubereiten sind, gibt es für die SchülerInnen auch keinen gesteigerten Bedarf mehr an literarisch-kulturellen Themen.

Kurzum: Es geht im Fremdsprachenunterricht heute weitgehend ohne Literatur, ja, für die Herausbildung von kommunikativer Kompetenz – und das ist das übergeordnete Ziel laut Lehrplan – ist Literatur vielleicht sogar eher störend, weil für das Niveau, auf dem wir uns bewegen (B1), meist sprachlich zu komplex und/oder thematisch irrelevant.

Oder empfinde das nur ich so? Wird an anderen Schulen eh immer noch viel mehr gelesen, als ich glaube? Gibt es KollegInnen, die es schaffen, mehr Literatur zu lesen und trotzdem ihre SchülerInnen auf die geforderten Themen und Kompetenzen vorzubereiten? Oder ist Literatur andernorts vielleicht überhaupt kein Thema mehr? Um hier ein bisschen klarer und differenzierter zu sehen, will ich eine kleine Umfrage starten und würde mich sehr freuen, wenn ein paar Französisch-, Spanisch- oder ItalienischlehrerInnen daran teilnehmen würden. Merci! Gracias! Grazie!
(nemo)

 

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