Schulhundlehrling

Schulhund2

Dank meiner reiselustigen Tochter durfte ihr zweijähriger Aussie Pinu’u drei Wochen bei mir verbringen. Ich mag ihn und beschäftige mich sehr gern mit ihm – allerdings blieb ein Problem zu lösen: Zweimal pro Woche hätte er acht Stunden alleine verbringen müssen, da ich Vor- und Nachmittagsunterricht habe. Das ist eindeutig zu lang! Also habe ich einfach einmal gefragt, ob ich ihn am Nachmittag mit in den Informatikunterricht nehmen dürfe. Da unser Direktor grundsätzlich aufgeschlossen ist, bekam ich nur die Aufgabe, mit den betroffenen SchülerInnen (wegen möglicher Allergien) und der Schulärztin ewaige Probleme abzuklären. Dass ich keine rasende, bissige Bestie mitbringen würde, hat er mir einfach so geglaubt.

Die Reaktionen, vor allem die der Schulärztin, waren äußerst positiv: Sie meinte, der Vorteil eines Hundes in der Schule würde die Nachteile „bei weitem überwiegen“. Sie meinte allerdings nicht nur, dass der Hund um seiner selbst willen in der Klasse wäre, sondern sein Einsatz positive Effekte auf die Kinder nehmen könnte. Es gibt ja schon mehrere Hunde in verschiedenen Grundschulen und einen speziellen Leitfaden des Unterrichtsministeriums.

Die SchülerInnen meinten auch, es sei kein Problem, einige haben ja auch selber Hunde in den Familien. Ich bin also in der Mittagspause heim und habe Pinu’u geholt. Die Schule kennt er schon von einigen Besuchen am Wochenende, wenn ich am Jahresbericht gearbeitet habe. Meine Tochter nimmt ihn immer wieder mit an die Uni, es ist also nichts Besonderes, dass er sich eine Weile unter Menschen ruhig verhalten muss. Natürlich gab es etwas Aufregung, als er die Kinder und sie ihn entdeckten und wir haben kurz darüber gesprochen, wie man sich ihm gegenüber verhalten sollte. Er liebt es aber sehr gestreichelt zu werden und die Kinder haben sich schnell ruhig verhalten, als sie bemerkten, dass das dem jungen Rüden dabei half, gelassen zu bleiben. Nach zehn Minuten kippte er um und schlief ein, nur ein-, zweimal pro Doppelstunde „besuchte“ er die Tischreihen, immer dann, wenn ich auch zwischen den SchülerInnen unterwegs war. (Wenn an den PCs gearbeitet wird, bin ich eher Coach als Lehrerin.) Dann wurde natürlich wieder ausgiebig gestreichelt.

Ohne dass Pinu’u oder ich besonders für die Hund-Schul-Situation ausgebildet wären, konnte ich doch bemerken, dass sich die Unterrichtssituation etwas verändert. Die Kinder waren besonders rücksichtsvoll und jede der drei Klassen, die Pinu’u erlebten, fragten am Ende des Unterrichts, ob er nicht wieder kommen könnte. Ich war nach der ersten Anspannung – glaube ich – lockerer und habe mehr Späße gemacht, wahrscheinlich weil ich einfach froh war, dass alles so unkompliziert ablief. Weniger gearbeitet haben wir eigentlich nicht, vielleicht hat es fünf Minuten konzentriertes Hundestreicheln gegeben, dann war alles fast wie immer.

Und Pinu’u? Der hat drei Viertel der Zeit verschlafen und war sicher lieber bei mir, als die Nachmittage alleine verbringen zu müssen.  Ich weiß nur nicht, ob wir auf ihn aufgepasst haben oder er auf uns…

Ah ja, demnächst beginnt seine Therapiehundeausbildung. Dann ist er das nächste Mal vielleicht schon kein „Lehrling“ mehr. (juhudo)

3 Gedanken zu “Schulhundlehrling

  1. Herr Rau schreibt:

    Bei uns haben wir auch, regelmäßig, den Hund einer Kollegin der Schule. Ich kriege von ihm leider nichts mit – er stört mich nur nicht, ich freue mich soagr darüber. Aber manche Kollegen halten das für etwas, das sich überhaupt nicht gehört. (Nähere Begründung habe ich nie verstanden, außer: wo kämen wir denn da hin.)

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  2. doris junghuber schreibt:

    …wenn das alle täten. Man sollte es einmal darauf ankommen lassen 😉

    Aber es war eine schöne Erfahrung und soviel Freunde sieht man bei den Kindern sonst nur bei guten Noten und die bekommen ja nur selten alle.

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