Digitale (Un)Ordnung

61z7khxtz-l-_sx302_bo1204203200_Diesen Artikel wollte ich schon seit Jahren einmal schreiben, aber so wird es eine Antwort auf Monikas Text von gestern. Vor sechs (!) Jahren habe ich David Weinbergers Buch Das Ende der Schublade. Die Macht der neuen digitalen Bildung, 2008 (Everything is miscellaneous, 2007) regelrecht verschlungen.

Seine wichtigste These lautet: In der digitalen Welt „… die Lösung für das Übermaß an Informationen sind noch mehr Informationen.“1 Für LehrerInnen wie uns bedeutet das, eben KEINE Ordner mit dem Material vieler Unterrichtsjahre im Regal stehen zu haben und nach irgendeinem Zeitungsartikel oder Arbeitsblatt zu suchen, von dem man irgendwann einmal geglaubt hat, ihn oder es verwenden zu können.

Weinberger unterscheidet drei Ordnungen der Ordnung:

  • In der ersten Ordnung der Ordnung sortieren wir physische Dinge, Gabeln zu Gabeln, Bücher nach dem Nachnamen der AutorInnen, Fotos in Fotoalben.
  • In der zweiten Ordnung, wenn die Anzahl der Items zu groß wird, legen wir Karteien an, drucken Kataloge und können so riesige Sammlungen auf relativ kleinem Ort durchsuchbar machen. Oft können sie nur Fachleute wirklich effizient verwenden.

Naturgemäß können in diesen beiden Systemen Dinge immer nur an EINEM Platz bestehen. Ein Buch kann entweder nach Kaufdatum oder nach Größe oder nach Farbe oder ach Alphabet oder was weiß ich noch geordnet werden.

  • Wenn Inhalte digitalisiert werden, können die Beschränkungen der ersten und zweiten Ordnung aufgehoben werden. Es können so viele Metadaten zu einem Ding gespeichert werden, wie man will. Eigentlich kann zum Beispiel der gesamte Inhalt eines Buches plus Rezensionen auf der „digitalen Karteikarte“ aufgeführt sein. Was analog sinnlos ist, funktioniert in der Welt der Bits und Bytes. Die Idee dabei ist, dass neben wohl überlegten Kategorien und ausgefeilten Schlagwörtern einfach viel mehr Schlagwörter zu den „Dingen“ dazugefügt werden können, den Computern ist es egal, ob Einzahl, Mehrzahl, ob drei oder dreihundert Suchbegriffe und wir registrieren keinen zeitlichen Unterschied bei Recherchen. Jede/r fügt anarchisch ihre/seine Tags dazu und es entstehen Schlagwortwolken, wie auch auf der rechten Seite unseres Blogs. Damit wird die zweite Ordnung umgangen. „Wir können uns selbst – und, was noch wichtiger ist, gemeinsam – überlegen, welche Anordnungen für uns im Augenblick sinnvoll sind und welche Anordnungen eine Minute später. So können wir schneller finden, was wir brauchen…“2

Unser Blog funktioniert auch nach diesem System. Wir suchen UND FINDEN unsere Artikel wieder, indem wir Schlagworte eingeben. Bei bald hundert Postings ist das schon nötig. Und am besten machen wir das auch mit unserem Unterrichtsmaterial so. Für einzelne Personen ist ein Blog ein passendes, einfach zu bedienendes Werkzeug. Etwas aufwändiger – vielleicht für das Wissensmanagement einer Schule oder eines Unterrichtsfaches – wäre eine Datenbank. Anarchisches „Tagging“ funktioniert bei beiden. Und ob man ordentlich oder unordentlich ist, spielt kaum mehr eine Rolle. (juhudo)

 

1 David Weinberger, Das Ende der Schublade. Die Macht der neuen digitalen Unordnung. München 2007, S 15
2 Weinberger, S 27

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