La Rochelle – wir kommen … vielleicht!

Kurz bevor wir unsere Expedition an den Atlantik starten, muss ich noch ein bisschen darüber bloggen. Man hat ja sonst nichts zu tun.

Morgen in aller Herrgottsfrüh geht’s los. Bis gestern dachten wir, unsere Abfahrtszeit wäre 4 Uhr, seit gestern wissen wir: Der Zug fährt schon um 3:38 Uhr los. Wie schön! Dafür braucht er eine halbe Stunde länger,  wodurch sich unsere Umstiegszeit in München auf flotte 5 Minuten reduziert. Sage noch einer, Reisen mit der Bahn sei nicht aufregend.

Schade nur, dass nach all den widersprüchlichen Informationen im Internet und mehreren ebensolchen Telefonaten mit der Zugauskunft und der Firma „Meridian“, die ja die Zugstrecke Salzburg – München betreibt, ein erneuter Gang zum Schalter der Deutschen Bahn am Salzburger Hauptbahnhof doch noch Klarheit brachte: Wir dürfen offenbar doch nicht mit dem nächtlichen Schienenersatzverkehr nach Freilassing und von dort mit Umstieg in Rosenheim nach München reisen – nein, es soll tatsächlich einen durchgehenden Zug geben. Die Dame an der 24-Stunden-Hotline des Meridian wusste das halt noch nicht.

Ja, es ist schon eine feine Sache, die einem geboten wird, wenn man sich mit dem Zug nach Westfrankreich aufmachen will. Vielleicht hätte mir doch die erstaunte Reaktion des ÖBB-Schalterbeamten damals vor ein paar Monaten, als ich mich nach einer Reiseverbindung erkundigen wollte, eine Warnung sein sollen: „Was? Und da wollen’s mit’m Zug hinfoahren?? Wia hoaßt die Stadt?“

ÖBB, dachte ich mir damals und wandte mich erhobenen Hauptes an die Deutsche Bahn. Dort tat man wenigstens so, als sei es immer noch möglich, mit dem Zug nach Frankreich zu reisen. Die Beamten (ich sage nur: Herr Moser) waren unglaublich hilfsbereit und darum bemüht, ein attraktives Angebot zusammenzustellen: Mit dem Regionalzug nach München, von dort mit dem TGV nach Paris, Bahnhofswechsel in Paris und weiter mit dem TGV nach La Rochelle. Alles innerhalb eines Tages und für die Schüler um wohlfeile 200 Euro. Na also, geht doch!

Gegen die zunehmende Provinzialisierung des Bahnknotenpunktes Salzburg und die Folgen von Einsparung und Privatisierung ist allerdings auch ein Herr Moser machtlos. Früher, ja, früher fuhren von Salzburg aus Direktzüge bis nach Athen, Bukarest – oder Paris (sogar zweimal täglich!). Heute, in Zeiten, in denen auf der supermodernen elektronischen Anschlagstafel fast nur mehr so illustre Orte wie Golling, Lamprechtshausen, Straßwalchen oder Schwarzach/St.Veit aufscheinen, musst du froh sein, wenn du in zwei Stunden und ohne umsteigen zu müssen nach München kommst. Fortschritt, glaube ich, war der Name für diese Entwicklung.

„Aber bitte, warum fliegt’s ihr nicht?“, wurde ich in den letzten Wochen des Öfteren gefragt. Ehrlich gesagt, schön langsam frage ich mich das auch. (Muss mir nur noch meinen ökologisch-pädagogischen Furor einrexen lassen.) Von der Schwierigkeit nach München zu gelangen, würde die Option des Fliegens allerdings auch nicht befreien. Und direkt nach La Rochelle würde uns ein Flieger erst recht nicht bringen. Vielleicht sollte man es in Zeiten wie diesen einfach unterlassen, von einer europäischen Provinzstadt in eine gut 1500 km entfernte andere europäische Provinzstadt zu reisen? Das war vielleicht etwas für die unerschrockenen Gemüter der vergangenen Jahrhunderte. Heutzutage scheint ein solches Unterfangen zunehmend jenseitig zu sein. Au revoir et à bientôt! (nemo)

 

Ein Gedanke zu “La Rochelle – wir kommen … vielleicht!

  1. Monika Neuhofer schreibt:

    Juhu, wir sind tatsaechlich angekommen! Waren heute, nachdem wir zwei Stunden Unterricht gehabt hatten, auf der Ile d’Aix und haben uns einen kleinen Sonnenbrand geholt. Es war wunderbar! Die Schueler konnten wir dazu animieren, in franzoesisch-oesterreichischen Vierergruppen eine Sandburg zu bauen. Ein paar ganz Mutige haben sogar das Meer ausprobiert und danach haben sie sich Fahrraeder ausgeborgt und gemeinsam die Insel umrundet. Schueleraustausch at its best!

    Liken

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