Gastbeitrag: Versuch einer Antwort auf die Deutschmatura 2016

(Von Sophie hat uns ein Kommentar erreicht, den ich gerne zu einem Gastbeitrag aufwerten möchte. In dem Text steckt so viel Lesens- und Bedenkenswertes. In der Kommentarleiste würde das wohl zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Danke für Deinen ebenso ausführlichen wie klugen und exzellent geschriebenen Kommentar, liebe Sophie! – nemo)

Als heurige Maturantin habe ich den Blogpost „Fragen zur Deutschmatura 2016“ mit großem Interesse gelesen und freue mich nun, diesen Eintrag zu kommentieren – ganz ohne Orientierung an Kompetenzen und auch ohne „beurteilungsrasterangepassten“ Schreibstil.

Wie gesagt, ich habe vor ein paar Tagen meine schriftliche Reifeprüfung im Fach Deutsch abgelegt, und auch ich habe zu jenem Großteil aller Maturantinnen und Maturanten gehört, die sich ohne viel Federlesens für das dritte Themenpaket entschieden haben.
Und das, obwohl meine schulischen Stärken eindeutig im sprachlichen Bereich liegen, die Gedichtinterpretation eigentlich zu meinen Lieblingstextsorten zählt und ich diese auch am meisten mit einer „richtigen“ Deutschmatura assoziiere.

Doch gleich zwei unbekannte expressionistische Gedichte zu interpretieren erschien mir im Rahmen meiner Matura ganz einfach zu riskant. Zudem wollte ich meine „Reife“ nicht mit dem zweiten Text im Paket, einer Zusammenfassung, unter Beweis stellen, da ich eine Zusammenfassung als Maturatextsorte als extrem lächerlich empfinde – perfektioniert meine kleine Schwester diese doch schon in der zweiten Klasse der Neuen Mittelschule!

Ich sehe die Problematik der standardisierten Reifeprüfung ähnlich wie Bloggerin „nemo“, es bleibt im Deutschunterricht ganz einfach zu wenig Zeit, um die Schülerinnen und Schüler ordentlich auf eine Textinterpretation vorzubereiten, wenn man als Lehrkraft alle neun möglichen Maturatextsorten durcharbeiten will. So vergehen ganze Deutschstunden mit der Klärung der Frage, welche wesentlichen Unterschiede die Operatoren „bewerten“ und „begründen“ aufweisen – als deutsche Muttersprachlerin eine höchst interessante Angelegenheit – und die Schülergruppen beginnen kollektiv zu stöhnen, wenn die Lehrerin mit dem Buch „Maturatraining“ der Reihe „Sprachräume“ die Klasse betritt, weiß man doch, dass wieder einmal eine unheimlich kreative Deutschstunde bevorsteht.
Falls Ihnen das nicht glaubenswürdig erscheint: Ja, ich spreche leider aus Erfahrung.

Doch für mich ist diese „spannende Schaffensphase“ ja nun zu Ende, ich bin am Montag hoffentlich zum letzten Mal mit kompetenzorientierten Aufgaben des „bifie“ in Kontakt getreten und kann nun in meiner Freizeit endlich wieder Bücher lesen (anstatt der Zeitungsartikel als Textbeilagen) und mich mit wahrer Literatur beschäftigen.

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