„Bedtime-story privilege?“

…lautet der Titel eines Interviews auf dem Portal National Review, von dem ich noch nicht viel gelesen habe und daher noch nicht genau weiß, wie ernst es zu nehmen ist. Der Artikel beruft  sich auf ein Interview von ABC Radio mit Adam Swift, „a professor at the University of Warwick in England“, der meint, dass den eigenen Kindern vorzulesen doch etwas unfair gegenüber denen ist, deren Eltern das nicht machen.

Adam Swift said that since “bedtime stories activities . . . do indeed foster and produce . . . [desired] familial relationship goods,” he wouldn’t want to ban them, but that parents who “engage in bedtime-stories activities” should definitely at least feel kinda bad about it sometimes:
I don’t think parents reading their children bedtime stories should constantly have in their minds the way that they are unfairly disadvantaging other people’s children, but I think they should have that thought occasionally, he said.
Mir geht es jetzt gar nicht um seine die Meinung – die diskreditiert sich selbst – als dass man sich für etwas Gutes ein schlechtes Gewissen machen soll. Natürlich geht es darum, dass Bildung „vererbt“ wird und alle Kinder die gleichen Chancen haben sollten. In England (ich meine zu wissen, dass die Universität Warwick sich so etwa 100 km nordwestlich von London befindet), besuchen ja anscheinend fast alle, die es sich leisten können, Privatschulen.
„Wer hat, dem wird  gegeben“ betitelt Lisa Kogelnik im Standard vom 25. Mai ihren Bericht über den Nationalen Bildungsbericht, der alle drei Jahre vom BIFIE erstellt wird. Um die 630 Seiten durchzuackern, fehlt mir momentan einfach die Zeit (Ferien!), daher muss ich wieder einmal über eine Studie schreiben, die ich nur aus zweiter Hand interpretiert bekomme und von der ich nicht wirklich weiß, was genau drin steht. Von der APA übernimmt Der Standard:
AHS-ÜBERTRITTSQUOTEN: Nur 30 Prozent der sozialen Ungleichheiten beim Übergang von der Volksschule zur AHS-Unterstufe sind durch Leistungsunterschiede zu erklären. Vergleicht man nur Schüler mit gleicher durchschnittlicher Mathematikkompetenz, treten 64 Prozent an das Gymnasium über, wenn die Eltern über Hochschulbildung verfügen, aber nur 24 Prozent, wenn die Eltern maximal Pflichtschulabschluss oder eine Berufsausbildung mitbringen.
Ja eh. Und ich bin auch dafür, dass allen Kindern alle Möglichkeiten offen stehen. Nur glaube ich nicht, dass Einstellungen und Werthaltungen in einer Generation durch ein System namens Schule ausgeglichen werde können. Eltern leben Kindern etwas vor. Dass sich „bildungsfernere“ (was immer das heißen mag!) Familien in vielen Fällen (ich kenne viele andersdenkende Eltern) weniger dafür interessieren,  dass ihre Sprösslinge „Bildung“ erfahren, heißt ja nicht, dass sie sich nicht für ihre Zukunft interessieren. Nur muss das nicht unbedingt etwas mit Matura und Studium zu tun haben.
Wenn es sich in der Volksschule und in der Sekundarstufe I abzeichnet, dass ein Kind Freude am und Begabung zum Lernen hat, dann sind die LehrerInnen gefordert, den Eltern, die vielleicht noch nicht so daran gedacht haben, die höhere Bildung schmackhaft zu machen. Ich kenne bisher niemanden, der sich dagegen gesträubt hat. Ist zwar schon lange her, aber bei mir war es selbst so.
Meine eigenen Kinder haben dann – nach Begabung – ihre vier Unterstufenjahre in Hauptschule und Gymnasium verbracht. Beide haben maturiert und studieren jetzt, recht zufrieden mit ihrer Wahl. Möglicherweise wäre es nicht so, wenn wir nicht ihre Wege in die Bildungsrichtung geleitet hätten – aber dafür kann und will ich kein schlechtes Gewissen haben! Ich bin aber auch sicher, dass andere Karrieren ein erfülltes Leben ermöglichen und meine Kinder auch mit einer ganz anderen Richtung glücklich sein könnten (und ich selbst auch!)
Also: Ich bin als Lehrerin mehr als bereit, alle meine SchülerInnen, so gut ich kann, während ihrer Zeit bei uns zu begleiten, zu fördern und zu fordern. Das ist mein Beruf und das mache ich sehr gern. Aber Gleichheit gibt es nicht, nicht einmal innerhalb unserer eher homogenen Klassen, und das will ich auch gar nicht.  Zu individuell sind die Kinder und Jugendlichen und ihre familiären Hintergründe, und das macht ja auch eine Qualität aus. Und wenn eine/r einmal während der Pubertät einen Durchhänger hat, kann man manchmal gar nichts machen (nächste Baustelle: semestrierte Oberstufe – jedes Semester muss positiv abgeschlossen werden!) und abwarten, bis sie/er sich wieder gefangen hat. DA können wir mithelfen und ausgleichend wirken.
Aber ich will wegen nichts, das ich FÜR jemanden tue, ein schlechtes Gewissen haben müssen, weil jemand anderer vielleicht nicht soviel davon hat. Diese Art von Nivellierung  wäre kleingeistig, neiderfüllt und damit unerträglich. (juhudo)
Nationaler Bildungsbericht Österreich 2015

Band 1, 252 Seiten

Band 2, 380 Seiten

 

 

 

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