Wie motiviert man Schüler-Innen?

Gestern wurde in der Presse und im Standard über eine neue Studie berichtet, die sich anscheinend mit Schülermotivation und was LehrerInnen dafür tun beschäftigt. Eine kurze Recherche beim Institut für Schulpädagogik an der Uni Graz hat mich nicht mehr herausfinden lassen. Der Standard titelt Druck auf Lehrer zeigt sich in Körpersprache, die Presse „Entertainment“ im Unterricht als falsche Strategie und bildet dazu den Lehrer aus Fuck ju Göhte mit Maschinengewehr in den Händen dazu ab.

Was sich als wirksam herausgestellt hat, ist die Begeisterung der Lehrenden für ihre Themen und dass dies auch über die Körpersprache vermittelt werden müsse. Was aber machen die PädagogInnen oft stattdessen? Sie versuchen „zu rechtfertigen, was pädagogisch geschieht – also, den Schülern gegenüber glaubhaft zu machen, dass was hier passiert für sie sinnvoll ist“1, so Bernd Hackl, der Leiter der Schulpädagogik in Graz. Das würde aber kaum gelingen.

Aha! Zwischen Kompetenzrastern, Zentralmatura, Bildungsstandards, Lesescreening bleibt die Authentizität auf der Strecke.

Ich erinnere mich:

  • Viele SchülerInnen sind irritiert, dass man ihnen schon ab Beginn der 5. Klasse immer wieder erklärt, dass das, was sie lernen, schon für die Reifeprüfung wichtig ist, die für sie noch ziemlich fern liegt. Jede/r LehrerIn in jedem Fach! Aber die Themenpools gilt es halt abzuarbeiten.
  • Wenn wir in Salzburg in der 1. Klasse AHS das Salzburger Lesescreening durchführen müssen, finden die Kinder das komisch, da sie dieselben Sätze in der Volksschule schon bearbeitet haben. Noch komischer dann beim zweiten Mal im selben Jahrgang. Dann weiß ich schon wirklich nicht mehr, was ich sagen soll. Die Kids machen eh mit. Was aber mit den Daten passiert? Keine Ahnung. Die Kinder lesen logische und unlogische Sätze, kreuzen richtig oder falsch an, ich werte mittels eines Folienrasters aus, es wird an die Behörde geschickt – und das war’s – mehr erfahre ich nicht. Weil ich es mir persönlich aufschreibe, merke ich, dass meine durchwegs sehr gut lesenden SchülerInnen innerhalb eines halben Jahres noch genauso gut lesen, wie beim ersten Mal. Kleine Unterschiede in der Geschwindigkeit, aber hallo! Neun oder zehn Jahre sind sie alt, da kann man schon noch trainieren. (Eh klar, wenn es nötig wäre, müssten Fördermaßnahmen eingeleitet werden, aber ich bin sicher, das könnte ich so auch feststellen.)
  • Was ja eigentlich ganz ok ist, sind die Trainingsmöglichkeiten der Informellen Kompetenzmessung für die spätere Abprüfung der Bildungsstandards, weil sie den Kindern Spaß machen (PC und so). Sinn ist, dass die Kinder die Testformate und die mögliche Aufgabenstellung kennen lernen. Was wir dabei immer unabsichtlich mittesten, ist Formulierung, Zweideutigkeit und Missverständnis. Das heißt nicht, dass die Aufgaben nicht wohl überlegt und sorgfältig erarbeitet wurden, aber trotzdem klappt nicht alles. Und ich glaub ja nicht daran, dass man diese Dinge üben sollte. Die eigentliche Überprüfung kommt dann wieder auf vielen Seiten Papier daher.

Schön ist, dass die Bildungsforscher meinen, dass Schauspielunterricht da nicht helfen würde. Die SchülerInnen lassen sich einfach nichts vorspielen! (Wie kann man überhaupt auf die Idee kommen!) Ein schöner Satz: „Ob er authentisch ist oder nicht, kommt nur durch die wirkliche Haltung des Lehrers zu seiner Tätigkeit zustande“.2 Eher meistens der Lehrerin 😉

Aber wir stehen schon ziemlich zwischen den Stühlen. Seit Jahren kann mir niemand erklären, wie sie/er das mit Individualisierung und gleichzeitiger Standardisierung wirklich gut hinkriegt. So konzentriere ich mich darauf, eine wirklich stabile Beziehung zu meinen SchülerInnen aufzubauen, sie sollen wissen, dass sie sich darauf verlassen können, dass sie Interessantes, Lustiges, Trauriges oder auch nur Brauchbares erfahren werden. Meistens zumindest. Dass ich es ernst mit ihnen meine und dass sie mir wichtig sind.

Mein immer wiederholter, zentraler Satz: Schule muss ein Ort sein, an dem die Kinder und Jugendlichen sich ausprobieren und Erfolg haben können. Für das Gestalten von Lernumgebungen, die das ermöglichen, bin ich zuständig! (juhudo)

 

1,2 http://diepresse.com/home/bildung/schule/5085074/Entertainment-im-Unterricht-als-falsche-Strategie?_vl_backlink=/home/bildung/schule/index.do

3 http://derstandard.at/2000044349193/Studie-Druck-auf-Lehrer-zeigt-sich-in-ihrer-Koerpersprache

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