Mission Ministerium oder Ein nicht alltäglicher Termin in Wien …

juhudo und nemo unterwegs. Nachfolgend ein „Reisebericht“ in zwei Stimmen:

Eines schönen Tages im August rief mich Monika an und meinte, ob wir nicht der neuen Bildungsministerin Sonja Hammerschmid den Link zu unserem Blog schicken sollten, da sie sich ja in verschiedenen Interviews dazu geäußert habe, sich genauer über die Schulen informieren zu wollen. Verwegene Absicht, aber supercool! Ja! Erwartet haben wir uns ja nicht viel, aber zwei Wochen später kam ein Mail aus dem Büro der Ministerin, in dem stand, dass sie uns kennenlernen wolle und wann wir denn Zeit hätten.

Wow! Wir warten sehr erstaunt und unglaublicherweise fast sprachlos. Was für eine Gelegenheit, einmal „von der Basis“ berichten zu können. So eine Gelegenheit hatte bisher niemand, den wir kennen und zumindest ich bin ja schon ganz schön lang im Geschäft.

Dann wurde ein Termin vereinbart, es gab ein Vorbereitungsgespräch und wir waren äußerst motiviert, das Beste aus diesem Treffen zu machen. Wie besprachen uns mit KollegInnen, FreundInnen und untereinander. Einig waren wir uns alle darin, wie toll es sei, eine solche Gelegenheit zu erhalten. Wir überlegten, wie wir die Stunde, die uns avisiert wurde, möglichst effektiv nutzen könnten. Kompetenzen, Arbeitsbelastung, Arbeitsgruppen, Beziehung zu den SchülerInnen. Noch auf der Zugfahrt nach Wien planten wir ununterbrochen und unterschrieben den Brief, den wir vorbereitet hatten, falls wir etwas auslassen würden.

Und dann treffen wir bei strömendem Regen in Wien ein, Zug verspätet, lange Schlange vor dem einzigen funktionierenden U-Bahnticket-Automaten, aber auf die Minute pünktlich im Ministerium für Bildung, wie es seit Juni oder so heißt. Hohe Korridore, in  Gold und Creme vertäfelt, Fischgrätparkett, äußerst höflicher Empfang. Die Bildungsministerin holt uns persönlich in ihr Büro, dynamisch, freundlich und bestimmt. Wir berichten und diskutieren fast eine ganze Stunde lang über unseren Blog, die Situation an unserer Schule, werden gefragt, was wir von den anstehenden Reformen halten, merken, dass wir über die noch gar nicht soviel wissen, werden ermuntert, Neues auszuprobieren, wie Unterrichtsfächer auflösen, besonderes Augenmerk auf die Softskills unserer SchülerInnen zu legen. Die Zeit vergeht wie im Flug und eine Assistentin schaut bei der Tür herein und erinnert daran, dass die Zeit um ist. Nach der freundlichen Verabschiedung fragen wir uns, was wir jetzt eigentlich für unsere Schule, für das Gymnasium allgemein und für die Bildungsministerin tun konnten.

Ganz klar ist uns das immer noch nicht. Für uns war es natürlich eine tolle Sache. Aus erster Hand über den einen oder anderen Plan zu erfahren, über Maßnahmen, die Frau Hammerschmid als Rektorin der MedVet Uni umgesetzt hat, und selbst die eine oder andere Ansicht angebracht zu haben. Endlich auch einmal das Gefühl, dass da eine Ministerin ist, die sich wirklich für uns LehrerInnen interessiert und uns nicht einfach alles von oben herab ausrichten lässt. Das Ihr-Da-Oben-Wir-Da-Unten war einmal gar nicht mehr vorhanden.

Was bleibt? Motivation, Möglichkeiten, Ausblicke, wie es weitergehen könnte mit der Bildungsreform. Offen sein, mitdenken, ausprobieren – und nein, wir haben kein Selfie mit der Ministerin. (juhudo)

*****

Vergangenen Dienstag waren Doris und ich in Wien. Im Ministerium. Wir hatten nämlich einen Termin mit Bildungsministerin Sonja Hammerschmid. Wie es dazu kam? Ja, also, im Sommer hatten wir eine verwegene Idee: Wir wollten die Ministerin per Mail von der Existenz unseres Blogs informieren. Irgendwie kam uns vor, da steht jetzt schon so viel drin, da wird so viel aus Lehrerinnenperspektive draufgeschaut und nachgedacht, dass es die Ministerin vielleicht interessieren würde. Unglaublicherweise bekamen wir nicht nur eine freundliche Antwort auf unsere Mail, sondern gleich auch noch eine Einladung nach Wien. Nicht nur wir waren beeindruckt!

Letzte Woche war es nun so weit. Ordentlich gewandet setzten wir uns in den Zug und reisten in die Hauptstadt. Bundesministerium für Bildung. Minoritenplatz 5. Fast eine Stunde lang durften wir mit der Bildungsministerin und drei ihrer Mitarbeiterinnen plaudern. Über unseren Blog, über unsere Schule, über unsere Sicht der Dinge, über das, was Schule unserer Meinung nach ausmacht. Die Ministerin hörte zu, erzählte uns ihre Sicht der Dinge, diskutierte mit uns – offen, freundlich, interessiert und überhaupt nicht abgehoben.

Nach dem Gespräch waren wir trotzdem ein wenig unrund. Wir wussten nicht recht, was wir von der Begegnung halten sollten. Hätte sich die Ministerin etwas anderes – mehr – von uns und unserem Blog erwartet? Hätte das Gespräch ein Ergebnis zeitigen sollen? Oder hatten wir der Ministerin gar eine Stunde kostbare Zeit geklaut?

Mit dem Abstand von ein paar Tagen kommt mir vor, dass wir einfach ein bisschen zu überambitioniert waren. Wir meinten, die Gelegenheit unbedingt nützen zu müssen, schließlich wird man nicht alle Tage ins Ministerium eingeladen. Wir überlegten uns unsere Mission, unsere Botschaft. Wir wollten nicht bloß als Monika und Doris sprechen, nein, wir versuchten uns als Vertreterinnen der AHS-LehrerInnen und glaubten, in deren „Auftrag“ handeln zu müssen. Wir wollten nichts Geringeres, als an oberster Stelle zu deponieren, dass das Wichtigste in der Schule die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern ist und dass sich jedes System und jede Reform daran messen müssen, ob sie sich dieser Prämisse unterordnen oder nicht. Wir wollten darauf hinweisen, dass Reformen nicht per se gut sind, dass es in der Bildung mehr als um den Output um die Menschen gehen muss und dass, solange Schule jeden Tag stattfindet, es auch keinen „Bildungsstillstand“ in Österreich gibt.

Ja, das war alles ein wenig hochgegriffen und der Situation nicht ganz angemessen. Ob etwas von unserem Anliegen angekommen ist, ob wir unsere Botschaft überhaupt verständlich übermittelt haben, wissen wir nicht. In jedem Fall war es ein sehr nettes und schönes, auch ermutigendes Gespräch, eine freundliche Geste der Ministerin und eine außergewöhnliche Gelegenheit zum direkten Kontakt mit der obersten Repräsentantin unseres Dienstgebers. Und das sollte es wohl auch sein. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger! (nemo)

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