Schulqualität. Was sie ist und was sie vielleicht auch sein könnte

Gestern fand wie jedes Jahr um diese Zeit der SQA-Workshop statt: Sämtliche DirektorInnen der verschiedenen Gymnasien im Land Salzburg sowie je ein SQA-Schulkoordinator bzw. eine SQA-Schulkoordinatorin treffen zusammen, um sich über Schulqualität und Schulentwicklung auszutauschen. Es gibt einen Rückblick auf bereits Erreichtes und einen Ausblick auf Neues. Dazwischen reflektieren wir unsere jeweiligen Entwicklungspläne und unterhalten uns über die einzelnen Ziele oder auch über das „Tool“ SQA an sich (das im Übrigen für Schulqualität Allgemeinbildung) steht.

Ich selbst bin mir immer noch unsicher, ob SQA wirklich so viel mit Schulqualität zu tun hat. Viel eher kann ich mit der Definition „strukturierte Schulentwicklung“ etwas anfangen. Denn es geht im SQA-Prozess ja darum, zwei Themen (eines davon wird uns vom Ministerium vorgegeben) strukturiert und nachhaltig umzusetzen. Um das zu erreichen, muss man sich Ziele setzen, diese klar und „SMART“ formulieren, überlegen, an welchen Indikatoren sich die Ziele festmachen lassen und wie das Erreichen der Ziele gemessen bzw. überprüft – evaluiert – werden kann. Projektmanagement halt.

Ein Beispiel: Das jeder AHS vorgegebene Thema 1 in den letzten Jahren lautete „Umsetzung der neuen Reifeprüfung“. Die neue Matura (insbesondere die VWA) zu implementieren und ordentlich in der Schule zu verankern war eine echte organisatorische Herausforderung. Dadurch, dass sich fortan eine oder mehrere Personen, eben der SQA-Schulkoordinator bzw. die SQA-Schulkoordinatorin, gemeinsam mit dem/r Direktor/in ernsthaft darum zu kümmern hatte, konnte die Sache sicherer und vielleicht auch besser umgesetzt werden. Denn umzusetzen war die Sache, ob wir wollten oder nicht. SQA erlaubte (und zwang) uns, die Umsetzung nachhaltiger und kontinuierlicher anzugehen, dem Ministerium wiederum verschaffte SQA ein Steuerungs- und Kontrollinstrument an jeder einzelnen Schule. Mit dem neuen Thema – der Umsetzung der neuen Oberstufe – wird es sich ähnlich verhalten.

SQA hat also mit Entwicklung, Steuerung, Kontrolle, mit Effizienz und Schulmanagement zu tun. Hat es nun auch substantiell etwas mit Schulqualität zu tun hat? Hm, da bin ich mir noch immer nicht sicher. Einerseits glaube ich schon, dass Qualität mit den eben genannten Begriffen oder Konzepten in Verbindung steht. Zumindest jener messbare Teil von Qualität, den es ja schon auch braucht in Zeiten, in denen uns eine Reform nach der anderen ereilt. Schließlich sollen sich sowohl SchülerInnen wie auch Eltern darauf verlassen können, dass, um beim Beispiel zu bleiben, die neue Reifeprüfung an jeder Schule ordentlich funktioniert.

Andererseits umfasst Schulqualität natürlich viel mehr, und zumindest teilweise würde ich sie in ihrer Essenz auch anders definieren. Schulqualität hat meines Erachtens nämlich vor allem etwas mit Sich Kümmern, mit Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber, mit Freude, gegenseitigem Respekt und Engagement zu tun. Mit Lehrern und Lehrerinnen, die etwas für ihre SchülerInnen wollen, die selbst für etwas stehen und denen es nicht egal ist, was in der Schule und mit den SchülerInnen passiert. Auch mit einer Schulleitung, die in erster Linie auf Vertrauen und Eigeninitiative der LehrerInnen baut. Das ist ziemlich allgemein und schwammig formuliert, ich weiß. Genau messen oder kontrollieren lässt sich das jedenfalls nicht, ja, im Grunde entzieht es sich den Kriterien eines strukturierten Projektmanagements.

Natürlich könnte man nun sagen, das widerspricht sich ja alles überhaupt nicht. Sowohl die strukturierte Schulentwicklung als auch das gemeinsame „Wohlfühlprogramm“ sind wichtig und beide Bereiche ergänzen einander. Aber ob dem wirklich so ist, da bin ich mir schon wieder nicht sicher. Denn die Gefahr besteht schon, dass das eine (nämlich die strukturierte Schulentwicklung) das andere (die gemeinsame Sache) überdeckt oder stört. Oder die Wichtigkeiten verschiebt, nach dem Motto: Hauptsache, strukturierte Schulentwicklung.

Vielleicht müsste Schule ja umgekehrt gedacht werden: Hauptsache, gemeinsame Sache, gemeinsames und immer wieder auszuverhandelndes „Wohlfühlprogramm“, allen internen wie externen Zahlen- und Kontrollfreaks zum Trotz. Das wäre die Basis, von der aus agiert werden kann. Alles andere würde darauf aufbauen. Allerdings würde in so einem „Freiraumszenario“ möglicherweise auch der Widerstand gegen zentral verordnete Reformen anwachsen bzw. im Extremfall dazu führen können, dass Reformen, die von der Schulgemeinschaft als kontraproduktiv erachtet werden, nicht durchgeführt werden. Und so eine Möglichkeitswelt, ui, ui, ui – man merkt es gleich – gleicht eher einer Utopie als der Realität. (nemo)

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