Korrekturreigen

November ist Korrekturintensivzeit. Kaum hat man einen Stoß Hefte abgearbeitet und zurückgegeben, landet der nächste auf dem Schreibtisch. Eine Klasse nach der anderen schreibt derzeit ihre erste von vier Schularbeiten im Schuljahr und  jeder Klasse muss man vor der Schularbeit zumindest eine schriftliche Hausübung korrigieren.

Als Deutschlehrerin ist man am allermeisten von allen Lehrern mit dem Korrigieren belastet. Als eben auch Französischlehrerin weiß ich, wovon ich spreche, und dass der Zeitaufwand fürs Korrigieren in Mathematik es jedenfalls nicht mit den Sprachen aufnehmen kann, steht, glaube ich, außer Zweifel. Für eine Deutschschularbeit brauche ich in den unteren Klassen ca. eine halbe Stunde pro Heft. Bei der ersten Klasse lässt sich dieser Schnitt vielleicht noch ein wenig senken, wenn man jedoch die gesamte Arbeitszeit zusammenrechnet, kommt man in jedem Fall auf mindestens 12 bis 15 Stunden pro Schularbeit und Klasse – und da darf man nicht lange herumfackeln.

Als ein wirkliches Problem stellt sich gerade in den Schularbeitsintensivphasen die Anzahl der SchülerInnen pro Klasse dar: 25 sind es bei uns in den Unterstufenklassen, in meiner derzeitigen Oberstufenklasse sogar 28. Na, frage nicht, wie lange ich an der zweistündigen Deutschschularbeit dieser Klasse sitzen werde. Am Montag bekomme ich jetzt erst einmal die dazugehörige Hausübung …

Texte zu beurteilen ist eine anstrengende und fordernde Aufgabe. Man muss jeden Text mehrmals lesen, auf verschiedene Dimensionen hin betrachten, wenn man ihm halbwegs gerecht werden will. Das eine ist die Sprachrichtigkeit, also die Rechtschreibung, die Grammatik und die Zeichensetzung. Das geht relativ schnell. Danach aber muss ich mich auf den Inhalt des Textes und auf den Aufbau konzentrieren und schlussendlich muss ich das Ganze noch einmal auf den sprachlichen Ausdruck und den Stil hin durchgehen. Egal, ob man mit oder ohne Korrekturraster beurteilt –  in ihrer Essenz und in Summe bleibt die Arbeit die gleiche. Einfach abhaken und zählen lässt sich wenig bis gar nichts.

Im Grunde korrigiere ich ja gar nicht einmal ungern, auch wenn dieser Teil der Arbeit eindeutig zu den Pflichten und nicht zu den Freuden meines LehrerInnendaseins zählt. Aber die Texte meiner SchülerInnen lese ich eigentlich ganz gerne. Ich beurteile sie etwas weniger gern, aber ok, es muss halt sein. Das Hauptproblem für mich ist die Masse an Heften. Ich portioniere sie in Vierer- oder Fünfereinheiten. Wenn ich ein Packerl erledigt habe, brauche ich eine Pause, sonst werde ich unwillig und ungerecht. Nach spätestens drei, vier Packerln reicht es mir, dann hätte ich die Arbeit gerne erledigt. Leider sind dann aber erst gut zwei Drittel einer Klasse geschafft – und ab da wird’s richtig zäh: Ab dem 18., spätestens dem 20. Heft, finde ich, hängt sich jedes zusätzliche ganz grässlich an.

Interessiert das eigentlich irgendjemanden? Ehrlich gesagt, ich glaube nicht. Dass die Arbeitsbelastung durch Korrigieren im Fach Deutsch weit über das hinausgeht, was in anderen Fächern zu tun ist, scheint niemanden zu kratzen. In Deutsch gibt es Klassenteilungen erst ab 31 Schülern, wir DeutschlehrerInnen bekommen keine extra „Korrekturstunden“ eingerechnet, ganz im Gegenteil, für die Korrektur und Beurteilung der Maturaarbeiten hat man uns die Bezahlung sogar halbiert. Wir aber korrigieren brav weiter. Wir korrigieren nachmittags, wir korrigieren abends, wir korrigieren am Wochenende, wir korrigieren sowohl in den Weihnachts- als auch später dann in den Osterferien. Hausübung um Hausübung, Schularbeit um Schularbeit. Mitunter stöhnen wir, manchmal beschweren wir uns. Aber eh nur untereinander. (nemo)

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