KW 2. Chronik des ganz normalen Schulwahnsinns

Mit besten Vorsätzen bin ich in die Woche gestartet. Schließlich hatte erst kürzlich ein neues Jahr begonnen.

Beim Betreten der Schule umgibt mich der feste Wille, diesmal nicht bereits nach wenigen Minuten wieder in den „Schulstressmodus“ zu verfallen. Gelassenheit, Abstand, Ruhe. Weniger ist mehr lautet mein neues Motto.

Wie schwierig es ist, in der Schule Distanz zu wahren, wird einem schon vor Unterrichtsbeginn vor Augen geführt. Es wuselt vor lauter Kindern. Viele treten in Interaktion, sie grüßen, sie lachen einen an, sie wollen etwas wissen, sie brauchen etwas. So vieles spielt sich bereits am Gang ab, lange bevor man einen Klassenraum betritt. Ich bin froh und dankbar, dass das bei uns so ist und uns die SchülerInnen wahrnehmen (ebenso wie wir sie auch). Gleichzeitig stellen all diese kleinen Interaktionen zwischenmenschliche Begegnungen dar, die sich summieren und bereits nach wenigen Stunden dazu beitragen, dass man wieder ganz schön k.o. ist.

Auch im Konferenzzimmer wuselt es. Wir sind gut hundert Lehrpersonen an der Schule, wenn nur die Hälfte davon in der Pause zugegen ist, geht es ordentlich zu. Während man mit einer Kollegin spricht, sieht man aus dem Augenwinkel eine andere, mit der man auch dringend etwas besprechen muss, bevor man bemerkt, dass sich von der anderen Seite bereits jemand anpirscht, der wohl etwas von einem braucht. Was wir innerhalb von ein paar Minuten alles austauschen, besprechen, klären und uns gegenseitig mitteilen, ist manchmal der helle Wahnsinn. Aber gleich beginnt ja schon wieder der Unterricht und ob man den Kollegen, dem man unbedingt noch eine Information über den einen Schüler zukommen lassen muss, später noch trifft, ist ungewiss. Auch mit der anderen Kollegin muss man unbedingt heute noch einen Termin vereinbaren, denn sonst geht sich das mit dem Projekt nicht mehr aus. Und beim Direktor ist die Erlaubnis einzuholen, um mit der anderen Klasse ins Kino/auf Wandertag/ins Theater gehen zu können. Ah ja, reservieren sollte man, hoffentlich klappt es überhaupt noch, und die betroffenen LehrerInnen, denen wegen der Aktivität eine Stunde entfällt, müssen rechtzeitig informiert werden. Wo ich allerdings die Mappe mit den Entschuldigungsformularen meiner Klasse hingelegt habe, weiß ich jetzt auch nicht. Wahrscheinlich ist sie in dem Bücher- und Heftestapel verschwunden, der sich schon wieder auf meinem 50 x 30 cm-Arbeitsplatz türmt.

Schule ist super anstrengend, und da haben wir noch gar nicht vom Unterrichten gesprochen. Mitunter erscheinen mir die Schulstunden sogar weniger fordernd als all die Begegnungen, Besprechungen und Vereinbarungen zwischen Tür und Angel, die unseren Arbeitsalltag prägen. Na ja, manchmal zumindest. Denn die ErstklässlerInnen sind an diesem Montag in der fünften Stunde schon ziemlich zappelig und benötigen höchste Präsenz. Dass die SechstklässlerInnen im Gegenzug in der ersten Stunde noch verschlafen und lethargisch waren, diente auch nicht unbedingt der Erholung. Nur gut, dass dazwischen die pubertierenden ViertklässlerInnen zu beaufsichtigen waren. Sie interessieren sich derzeit nämlich deutlich mehr für ihre MitschülerInnen des jeweils anderen Geschlechts als für meinen Unterricht. Aus ihrer Sicht müssten wir sie echt nicht dauernd stören kommen, nahende Schularbeit oder Semesterabschluss hin oder her. (nemo)

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