Der Tag danach

Noch einmal Fasching heute. Weil das gestern so eine tolle Sache war. Aber auch, weil meine Klasse um ein Haar nicht mitgemacht hätte. Und weil heute, am Tag danach, eine Schülerin aus eben dieser Klasse geschrieben hat: „Ich war gestern ziemlich stolz auf meine Klasse.“

Viele Schülerinnen und Schüler in meiner Klasse sind eher schüchtern und zurückhaltend. Sie stehen nicht gerne im Mittelpunkt und scheuen die große Bühne. Im Sportunterricht haben die Mädchen einen rhythmischen Besentanz eingeübt. Den wollten sie am Faschingsdienstag beim großen Schulprojekt (über das Doris ja schon geschrieben hat) aufführen. Die (wenigen) Jungs sollten entweder mittanzen oder den Rhythmus klopfen.

Aber niemand in der Klasse war davon wirklich begeistert. Noch vor wenigen Tagen war die Lust auf den Auftritt gleich null. Sie waren unsicher und hatten Angst, sich mit ihrem Tanz zu blamieren. Grottenlangweilig und urpeinlich kam ihnen die Sache vor, je näher der Faschingsdienstag rückte, desto schlimmer wurde es. Offenbar hatten am Montag viele sogar vor, am nächsten Tag nicht in die Schule zu kommen.

Schlussendlich waren bis auf zwei alle da. „Ehrlich gesagt wollte ich lieber daheim bleiben und hab mir dann aber gedacht, dass das den anderen gegenüber unfair ist“, hat ein Mädchen heute geschrieben. Viele kamen kostümiert, alle mehr oder weniger gut gelaunt. In der ersten Stunde wurde der Tanz noch einige Male geprobt. Und dann ging’s in die Turnhalle, wo der große Event stattfand. Meine Klasse musste lange warten, viele waren vor ihnen dran. Aber – und das war nach dieser Vorgeschichte nicht unbedingt zu erwarten – die Aufführung gelang. Möglicherweise war’s nicht genial, aber es war gut. Ziemlich gut sogar. Eigentlich auch originell. Keine andere Klasse präsentierte etwas Ähnliches. Und das Schönste: Die allermeisten hatten Spaß daran, fanden selbst, dass der Tanz gut gelungen ist und ihr Auftritt weder peinlich noch langweilig war. „Man konnte sehen, was wir als Klasse alles schaffen können“, „Ich bin zwar noch immer der Meinung, dass ich nicht dabei sein hätte müssen, aber ich hab’s für die Klasse getan“,  „Ich finde es schön, dass die ganze Schule zusammenkommt“ und auch „Ich genoss es sogar, auf der Bühne zu stehen“, durfte ich heute lesen. 🙂

Heute habe ich übrigens sämtliche Klassen, die ich unterrichte, nach ihrer Meinung zu unserem großen Faschingsprojekt gefragt. Die einen schriftlich, die anderen mündlich. Dabei hat sich gezeigt, dass fast alle  von dieser Veranstaltung angetan sind und den Wert für sie selbst, für ihre Klassengemeinschaft und für die Schulgemeinschaft erkennen. Sicher, es dauert lang (5 volle Stunden!) und die Bühnen- bzw. Zuschauersituation im Turnsaal ist wahrlich suboptimal. Aber wir haben nun einmal 32 Klassen und weder Aula noch Festsaal. Das lässt sich nicht ändern. Trotzdem, dass das Faschingsprojekt eine super Sache ist, das spüren alle. Das Wichtigste daran ist nicht, welche Klasse schlussendlich den besten Beitrag liefert und gewinnt (obwohl mitunter echt Meisterliches geboten wird und sich vielerlei Begabungen zeigen). Das Wichtigste ist, dass wir alle, Groß und Klein, SchülerInnen, LehrerInnen und der Direktor einen Tag gemeinsam verbringen, an dem viele Kategorien, die Schule normalerweise ausmachen, ausgehebelt sind, an dem wir uns alle gleichermaßen zum Affen machen und gemeinsam darüber lachen dürfen.

Vielleicht war es ja Zufall, dass die Stimmung heute, am Tag danach, in meiner Klasse so viel besser war als in der letzten Zeit. Schon lange war die Beteiligung am Unterricht nicht mehr so lebhaft und intensiv wie heute. Vielleicht aber auch nicht… (nemo)

PS: Auf unserer neuen Schulhomepage gibt’s übrigens schon jede Menge Fotos vom gestrigen Event.

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