Ins kalte Wasser für A1

Ich wurde gefragt, ob ich einem jungen Syrer ein paar Grammatikdetails erklären könnte. Für die A1-Prüfung am 5. Mai. Sollte ich können, obwohl ich weiß, dass ein großer Unterschied besteht, ob man Deutsch MuttersprachlerInnen oder SprecherInnen einer unserer Nachbarsprachen erklären soll. Und Arabisch ist noch einmal eine ganz andere Geschichte.

Thema sollte der Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ sein. Ohne Vorbereitung geht gar nix und so habe ich mir wenigstens am Vormittag ein paar meiner Bücher und einige Internetseiten für Beispiele angeschaut. Alles gar nicht so einfach zu erklären. Verben, die den Dativ verlangen, Verben die den Akkusativ verlangen, Verben, die beide mögen, Nomen, Pronomen, bestimmte und unbestimme Artikel, Konjugation und Deklination – und ich keine Ahnung, was der Mann schon weiß!

Buch „Das mehrsprachige Klassenzimmer“(1) hervorgeholt. Darin werden Deutsch, Polnisch und Tschechisch, Englisch, Türkisch, Persisch und Kurdisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Bulgarisch, Russisch und Ukrainisch, Vietnamesisch und Chinesisch, ja und auch Arabisch und Hebräisch so dargestellt, dass man sie miteinander vergleichen und Unterschiede feststellen kann.

Als besonders schwierig kann sich das Erlernen der deutschen Fälle erweisen, insbesondere der Gebrauch verschiedener Fälle nach Präpositionen (z. B. wegen des schlechten Wetters [Genitiv], ins Haus hinein [Akkusativ], aus dem Haus heraus [Dativ]). […]

Auch die schwierige Unterscheidung zwischen der starken und der schwachen Deklination der Adjektive kann Schülern mit arabischer Herkunft Probleme bereiten (z.B diese netten Mädchen, ein nettes Mädchen, mein guter Freund, einige gute Freunde, alle guten Freunde). In solchen Fällen besteht die Gefahr, dass die Endungen einfach weggelassen werden. (Krifka, S 152)

Okay. Die nächste Anlaufstelle ist das Kapitel „Grammatik einführen“ aus dem Buch „DaF unterrichten“. (2) Da steht „Wenn Sie den TN [TeilnehmerInnen] Dativ und Akkusativ beibringen möchten, müssen Sie sich zunächst über die dahinterliegende Idee klar werden. “ (S 74) Verben haben unterschiedliche Valenzen oder Wertigkeiten. Nur Subjekt-Valenz oder Subjekt-Objekt-Valent oder Subjekt-Partner-Objekt-Valenz. Es wird dann schon noch genau abgehandelt, wie sowas kleinschrittig aufgebaut werden kann, aber das hilft jetzt nix.

Also Beispielsätze, Beispielverben und erst einmal abwarten.

Am Nachmittag kommt ein sehr freundlicher, höflicher junger Mann, der meines Erachtens schon recht gut Deutsch spricht. Englisch kann er auch gut. Aber die schriftliche A1-Prüfung steht halt an. Ich probiere aus, was er wissen möchte. Er scheint schon eine recht gute grammatikalische Struktur im Kopf zu haben, aber es fehlt etwas der Überblick. Da kann ich (hoffentlich) helfen. Ich weiß zwar nicht ganz genau, was er wissen will, aber er, so tasten wir uns langsam an seine Fragen heran. Trotzdem bin ich nicht sicher, inwieweit ich ihm helfen konnte. Mein passendes Grammatikbuch hat gerade meine Tochter, die mit minderjährigen unbegleiteten Flüchtlichen arbeitet, aber das werde ich Fuad geben. Ich glaube, er kann was damit anfangen.

Und ich hab wieder einmal erfahren, dass DaF unterrichten eine höchst kreative Aufgabe ist. Und echt nicht leicht! Aber spannend, und man kann sehr netten und interessierten Menschen begegnen.

41phcpktokl-_ac_us160_(1) Manfred Krifka, Joanna Blaszczak u.a.: Das mehrsprachige Klassenzimmer. Über die Muttersprachen unserer Schüler. Heidelberg 2014.

51eyn2fy0jl-_sx372_bo1204203200_(2) Michaela Brinitzer, Hans-Jürgen Hantschel u. a.: DaF unterrichten. Basiswissen Didaktik. Deutsch als Fremd- und Zweitsprache.

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