W wie Wind und Wetter im wunderbaren Wien

SAM_0165Blöd, wenn die Klassenreise nach Wien gerade während eines massiven Kälteeinbruchs im April stattfindet. Mein Gott, wie schön hätte es sein können, bei frühlingshaften Temperaturen durch die Stadt zu flanieren, unter blühenden Bäumen zu verweilen und sich die eine oder andere Melange im Freien einzuverleiben. Aber nein, Schnee, Regen, Wind und eine Eiseskälte scheuchten uns durch die Straßen. Und das, wo die SchülerInnen fotografisch auf Exkursion gehen, öffentliche Räume ins Bild nehmen, sich selbst und andere vor Ort inszenieren sollten. „Wiener Welten“ haben wir unser diesjähriges Kulturprojekt betitelt, die Feldarbeit dafür hatten wir uns alle ein bisschen leichter vorgestellt. Aber heutzutage kann man sich einfach auf gar nichts mehr verlassen, nicht einmal in Wien macht der Herrgott – Schas hin oder her – dauerhaft a schön’s Wetter. 😉

Was soll’s, toll war’s trotzdem. Sehr toll sogar. Wien ist einfach eine Pracht und das dortige Kulturleben jedes Mal wieder ein Genuss. Außerdem waren die Schüler wirklich tapfer, haben wacker fotografiert und ja, in künstlerischer Hinsicht können Orte wie der Prater oder die Wiener Parks vom schlechten Wetter auch gewinnen. Hatte ja nie jemand behauptet, dass es leicht und bequem sein müsste, Kunst zu produzieren. Und zwischen den Projektarbeitsphasen hatten wir eh Indoor-Programm. Die eigene künstlerische Betätigung der SchülerInnen wurde durch mehrere Ausstellungsbesuche ergänzt. Und was das betrifft, kann man in Wien einfach aus dem Vollen schöpfen.

Angefangen haben wir am Dienstagnachmittag mit einem Besuch des Dialogs im Dunkeln. Dabei begibt man sich, geführt von einem blinden Menschen, auf einen Rundgang in völliger Dunkelheit, bei dem sowohl der Gehör- und der Geruch- als auch der Tast- und Geschmacksinn geschärft werden. Eine beeindruckende und spannende Erfahrung und für uns gerade auch im Rahmen dieser speziellen Wientage ein gelungener Kontrast zu der darauffolgenden mehrtägigen visuellen Auseinandersetzung mit Farbe und Licht.

Als äußerst gelungen empfanden wir alle, SchülerInnen wie LehrerInnen, den Besuch der Albertina am Mittwoch. Wir hatten eine Führung durch die Egon Schiele-Ausstellung gebucht und gleich zwei hervorragende KunstvermittlerInnen bekommen. Kombiniert mit den beeindruckenden Schiele-Zeichnungen ein wirklicher Glücksfall, der sich so weder bei der tags darauf besuchten Carl Spitzweg/Erwin Wurm-Ausstellung im Leopold Museum noch bei der Daniel Richter-Ausstellung im 21er Haus wiederholte. Zwar sind auch diese beiden Ausstellungen ebenso wie die Museen mit ihren Sammlungen insgesamt grandios, die Kunstvermittlung aber konnte nicht im selben Ausmaß IMG_4725überzeugen. Zumindest bei der Daniel Richter-Ausstellung waren allerdings die Bilder für die Jugendlichen trotzdem mitreißend. Der ironische Grundton und die feine spitze Klinge der Carl Spitzweg-Bilder oder auch der Erwin Wurm-Skulpturen fand hingegen bei den Schülern etwas weniger Anklang. Was es, unabhängig vom persönlichen Gefallen, generell für ein Glück und Privileg ist, solche Museen besuchen zu können, solche Meisterwerke zu Gesicht zu bekommen, ist vielen SchülerInnen einfach noch nicht bewusst. Dafür ist auch ihr Hunger auf Kunst (noch?) zu wenig ausgeprägt. Wie wertvoll und wichtig Unternehmungen und Begegnungen dieser Art trotzdem sind, wissen wir LehrerInnen – und zwar einfach aufgrund unseres pädagogischen Gespürs, ganz ohne dass es uns eine Studie, Zahlen oder gar ein Bildungsexperte bestätigen müssten.

Dasselbe gilt im Übrigen für den Bereich des Theaters: Am Donnerstagnachmittag hatten wir eine interessante Führung im Burgtheater, am Abend sahen wir uns dort Molières eingebildeten Kranken an. Die schrille Inszenierung von Herbert Fritsch kann man, man muss sie nicht mögen. Mir selbst gefiel vor allem der Teil nach der Pause ausgezeichnet. Unabhängig davon aber war es ein Genuss, diese schauspielerischen Leistungen geboten zu bekommen. Auch vom Theaterbesuch war natürlich nicht die ganze Klasse im selben Ausmaß begeistert. Vielleicht müsste man auch schon mehr gesehen haben, theatermäßig versierter sein als es die meisten 16-Jährigen sein können, um eine solche Inszenierung entsprechend schätzen zu können. Trotzdem gilt auch hier: Wenn es gelingt, auch nur ein paar nachhaltig vom Wert des Theaters zu überzeugen, erscheint mir unsere Mission geglückt. IMG_4734

Natürlich fragt man sich selbst immer wieder, wieviel die Jugendlichen von solchen Kulturtagen mitnehmen und wie vieles an ihnen abprallt oder unbemerkt vorbeirauscht. Vielfach können wir nur darauf vertrauen, dass sich früher oder später bei den meisten etwas tut, dass all diese Erfahrungen sie prägen und reicher machen. Zwei starke Indizien dafür, dass dem so ist, haben wir noch in Wien bzw. auf der Heimreise erhalten: Erstens haben die SchülerInnen Fotos gemacht, wie wir sie ihnen kaum zugetraut hätten. Motive, die sie in den Ausstellungen gesehen hatten, Einstellungen, die sie im vorbereitenden Fotografie-Workshop kennengelernt hatten, Sujets, denen sie in Wien in anderen Zusammenhängen begegnet waren, fanden sich in vielen ihrer Arbeiten wieder. Jetzt müssen die Fotos noch ausgewählt, nachbearbeitet und aufbereitet werden, aber auf die Ausstellung freue ich mich schon jetzt!

Und zweitens hatten wir im Zug nach Salzburg noch eine andere schöne Begegnung: Zufällig befand sich eine ehemalige Schülerin aus unserer Schule im gleichIMG_4731en Waggon. Mit welcher Freude die sich zu uns setzte, wie klug sie über ihre Schulzeit reflektiert, wie gern sie an die Zeit bei uns im WRG zurückdenkt und wie differenziert sie schon heute über Bildung, Kunst und Theater nachdenkt, hat uns ebenso beeindruckt wie gefreut. Ein wirklich schönes Erlebnis für uns, wenn man sich be- und angereichert mit so vielen Eindrücken und glücklich darüber, dass alles geklappt hat und niemandem etwas passiert ist, auf der Heimfahrt befindet. Müde, unglaublich müde ist man nach so einer Reise, müde und gleichzeitig dankbar für die wunderbaren Tage in Wien, Wind und Wetter zum Trotz. – Außerdem: Am letzten Tag schien eh die Sonne. 🙂 (nemo)

PS: Und wie immer habe ich die SchülerInnen gleich im Zug ein bisschen über die Wien-Tage reflektieren lassen. Hier ein paar Statements:

Unsere Unterkunft hat mich ein wenig an ein Gefängnis erinnert, als wir sie zum ersten Mal sahen, aber sie war eigentlich voll okay.

I love all the art and history of artists in Wien, and it was really great to be able to be on tours.

Hin und wieder war es ein bisschen anstrengend, den Fotoapparat überall hinzuschleppen.

Am besten hat mir an der Wienwoche gefallen, dass wir eigenständig sein und uns frei bewegen durften.

Am Anfang war ich etwas skeptisch, ob mir die Ausstellungen gefallen würden, aber ich bin positiv überrascht. Ich habe die Ausstellungen sehr interessant gefunden und mir haben sogar ein paar Bilder gefallen.

Was mir nicht gefallen hat, war das Wetter, aber das kann man ja nicht bestimmen.

Das Fotoprojekt war mal einfach, mal schwierig. Am schwersten war die Porträtfotografie, weil man doch den Mut aufbringen muss, die Personen erst einmal zu fragen.

Am Mittwoch haben wir gefroren wie noch nie und sind waschelnass geworden. Am Donnerstag ist es schon besser gewesen und am letzten Tag haben wir wohl doppelt so viele Fotos wie in den beiden vorigen Tagen gemeinsam geschossen. Auf der Donauinsel herrschte traumhaftes Wetter und wir hatten eine Wahnsinnskulisse.

Das Programm war cool. Besonders haben mir die Ausstellungen von Egon Schiele und Daniel Richter gefallen.

Mir persönlich hat die Führung in der Albertina am besten gefallen. Wir hatten dort eine sehr gute Führerin, die alles sehr interessant berichtet hat.

Das Theater war sehr ausgefallen und ich war begeistert von den Schauspielern.

Mir hat die Reise gut gefallen. Vor allem, dass wir Wien großteils allein erforschen und erkunden durften.

Mir hat das Fotoprojekt sehr „getaugt“. Es fühlte sich gar nicht wie Arbeit an.

Ich freue mich SEHR auf die Ausstellung und auch auf weitere Schulausflüge mit dieser coolen Klasse.

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