„Was braucht ihr in der Schule?“

Nachdem wir durch eine erneute Einladung ins Ministerium doch recht überrascht worden waren und gerade Ferien sind, gedachten wir zwei interessante Tage in Wien zu verbringen – mit dem Besuch einer Veranstaltung im Rahmen des ImPulsTanz-Festivals, einem Gang ins Literaturmuseum der österreichischen Nationalbibliothek, mit ein bisschen Kulinarik – und dem Treffen mit Ministerin Sonja Hammerschmid. Nachdem wir uns beim ersten Treffen im Herbst sehr viel vorgenommen hatten, gingen wir diesmal doch um einiges entspannter hin. Natürlich haben wir wieder überlegt, welche Themen wir unbedingt zur Sprache bringen wollen, und bekamen weit über eine Stunde Zeit für einen äußerst angeregten Austausch mit der Ministerin, mit Referentin Eva-Maria Engelsberger und dem Pressesprecher Julian Ausserhofer, der uns aufgrund unserer Bloggerei anscheinend nicht ganz aus den Augen verliert.

Wie beim ersten Mal erzählten, diskutierten, erklärten und argumentierten wir ausführlich und intensiv. Wie sprachen über unsere Schule und die Schwierigkeiten in der AHS, die Frau Bundesministerin erklärte uns manches über das Autonomiepaket aus ihrer Sicht und berichtete über einige der weiteren Vorhaben, die sie und ihr Team in der nächsten Zeit angehen wollen.

Die besprochenen Themen waren:

  • die Zuteilung der Werteinheiten in den Bundesländern. Bis vor wenigen Jahren gab es eine noch um einiges größere Flexibilität, jetzt müssen wir mit einer fixen Zuteilung auskommen.
  • die immer stärkere finanzielle Beschneidung der AHS. Für uns gibt es schon seit Jahren laufend Sparpakete.
  • die anstehende NOST und die damit verbundene Semestrierung, die nicht zuletzt zu vermehrter Prüfungstätigkeit führen wird. Wir argumentierten, dass es möglicherweise gar nicht nur von Vorteil sein muss, wenn SchülerInnen in JEDEM Semester wie Erwachsene funktionieren müssen. Die Ministerin gab zu bedenken, dass es in der Oberstufe schon auch um eine Vorbereitung auf die Universität und ihre Organisationsstrukturen gehen müsse.
  • der Wunsch nach mehr Information vor weiteren Bildungsreformen. Wenn schon Geld für Kampagnen ausgegeben wird, könnten die LehrerInnen unserer Ansicht nach informationsmäßig einmal bereits im Vorfeld mitgenommen werden, freilich ohne dass man deshalb gleich Einigkeit oder vorbehaltlose Zustimmung erwarten dürfte. Aber das Ministerium hat da anscheinend auch eine Art „Dienstweg“ zu beschreiten: über Landesschulräte (Bildungsdirektionen) und DirektorInnen. Offenbar hat das Ministerium kein Zugriffsrecht auf die (dienstlichen) E-mail-Adressen. (Vielleicht eh besser, wir wissen es nicht.)
  • Systeme allein bringen noch keinen guten Unterricht hervor. Guter Unterricht bleibt jedenfalls eine Sache der einzelnen Personen, der SchülerInnen und der LehrerInnen, und der Beziehung, die sie zueinander eingehen können. Es muss immer angepasst und geschaut werden, was für möglichst viele (alle?) gut passt. DIE EINE Lösung gibt es nicht.
  • Ministerin Hammerschmid hat uns erneut ermutigt, alle Möglichkeiten, die das Autonomiepaket bietet, auszureizen und Klassen und Altersgruppen aufzulösen und am besten die ganze Schule beispielsweise mit themenorientiertem Unterricht in Bewegung zu bringen. Außerdem hat sie uns angeboten, bei Fragen direkten Kontakt mit ihrem Büro aufzunehmen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir hingehört haben, was der jeweils andere sagt. Auf manches haben wir draufgeschaut und zumindest ein wenig gemeinsam nachgedacht. Wir hatten auch den Eindruck, dass die Ministerin ein oder zwei Dinge so noch nicht wahrgenommen hatte. Es wäre schön, wenn wir etwas beitragen könnten.

Die Fragen „Was braucht ihr in der Schule, damit ihr gut arbeiten könnt?“ und „Was können wir hier im Haus dazu beitragen?“ haben uns überrascht und gleichzeitig gefreut. Wir werden uns weiterhin Gedanken machen und darüber schreiben. Die Gelegenheit zum direkten Austausch zu haben ist jedenfalls eine feine Sache, die wir durchaus zu schätzen wissen.

(juhudo/nemo)

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