Trotz allem. Sprach-, Kultur-, Klassen- und sonstige Reisen

Mit Schülern zu verreisen ist eine höchst ambivalente Sache: Es gehört zum Schönsten, Bleibendsten und Beglückendsten, was Schule zu bieten hat, für SchülerInnen wie für LehrerInnen. Gleichzeitig ist es aus Lehrersicht auch ein anstrengendes, gefährliches und mitunter quälendes Unterfangen. Derzeit treibt uns die Organisation der mehrtägigen Schulveranstaltungen – so der Terminus technicus – wieder um. Bis zur ersten Sitzung des Schulgemeinschaftsausschusses (SGA) in der nächsten Woche müssen alle geplanten Projekte eingereicht sein, damit sie auf Genehmigung hoffen können.

Mittlerweile gibt es ja mehr Argumente, die gegen das Verreisen mit Schülern sprechen als dafür: 1. Reisen kosten (viel) Geld. Für die Schulen und wohl auch für so manche Familie stellen die Reisekosten eine zunehmend untragbare finanzielle Belastung dar. Selbst wenn man sich bemüht, die Reisekosten niedrig zu halten, was mir zum Beispiel ein echtes Anliegen ist, kommt einiges zusammen. 2. Reisen sind im Schulalltag schwer unterzubringen, besonders wenn es um klassenübergreifende Unternehmungen geht. Mal ist die eine Klasse weg, mal die andere. Wenn man eine Sprache unterrichtet und Schüler aus drei verschiedenen Klassen in der Gruppe sitzen, kann das ganz schön nervend und im Hinblick auf unser zu absolvierendes Programm für die Zentralmatura auch stressig sein. Noch schwieriger ist in dieser Hinsicht nur noch die Organisation eines Schüleraustausches. Da muss man dann die Termine gleich zweier Schulen unter einen Hut bringen. Die Kollegin, die sich in diesem Jahr um den Austausch mit La Rochelle bemüht, kann ein Lied davon singen.

3. Reisen stellen ein immenses Risiko für die Lehrer dar. Im Grunde ist man als LehrerIn davon abhängig, dass alles gut geht und niemandem etwas passiert. Sollte tatsächlich einmal einem Schüler etwas zustoßen, will ich mir die Folgen davon gar nicht ausmalen. Das heißt aber, dass man, will man mit Schülern verreisen, ganz einfach vom Glück abhängig ist. Ein Risiko, das manche Kollegen nicht mehr bereit sind, in Kauf zu nehmen. 4. Die Organisation von Reisen bedeutet einen zeitlichen Aufwand, der ganz einfach nicht abgegolten wird. Man plant das zur Gänze in seiner Freizeit – je individueller und kostengünstiger, desto aufwendiger. Wie viele Stunden ich mitunter zubringe, um ein attraktives Programm zu erstellen, eine ordentliche Unterkunft zu finden und Sparpreise für Bahn, Bus oder auch einmal einen Flug zu ergattern, will ich selbst nicht wissen.

Trotz dieser Einwände sitze ich auch dieser Tage wieder und plane, überlege, berate mich mit KollegInnen im In- und Ausland. Meine siebte Klasse darf heuer ins Ausland fahren. In der fünften Klasse waren wir in Kärnten auf Sportwoche, in der sechsten in Wien, nun wäre, was die schulinterne Regelung betrifft, die Auslandsreise im Rahmen des Kulturprojekts dran. Allerdings, auch inhaltlich spießt es sich gerade: Ich verstehe die Reise als sinnvolle Ergänzung zu einem thematisch ausgerichteten Kulturprojekt, für meine Klasse steht die Reise im Vordergrund – das zu absolvierende Kulturprojekt kratzt sie weniger. Ein paar Tage bleiben uns noch für den Annäherungsprozess. Mal sehen, was dabei herauskommt …

(nemo)

PS: Am Ende des letzten Schuljahres waren wir mit den Französisch-Schülern in Paris. Ein Schüler hat ein Video gedreht und es auf Youtube gepostet. Auch im Bericht über die Paris-Tage ist das Video nun verlinkt (ganz am Ende des Artikels).

 

 

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