Reisen bildet – so oder so. Eine Nachlese zur Kulturreise nach Brüssel und Amsterdam

Nachdem wir am Sonntag den lauen Abend in der Brüsseler Innenstadt rund um die Grand Place verbracht hatten, ging es am Montagmorgen mit unseren Terminen bei den EU-Institutionen los. Bis Mittwoch Nachmittag besuchten wir folgende Stellen: die EU-Kommission (Vortrag: Sören Haar), die ständige Vertretung Österreichs bei der EU (Vorträge: Mirjam Dondi, Roland Meinecke), das EU-Parlament (Vortrag: Albrecht John) und das Verbindungsbüro des Landes Salzburg zur EU (Vorträge: Michaela Petz-Michez, Christoph Stodola). Dazu kamen Besuche im Parlamentarium und im Haus der europäischen Geschichte. IMG_8688

Was mich wirklich beeindruckt hat, war die perfekte Organisation und das ernsthafte Bemühen aller ReferentInnen, den SchülerInnen ihre Arbeit bzw. die Aufgabe der jeweiligen Institution zu vermitteln. Wo auch immer wir hinkamen, wurden wir bereits erwartet und freundlich begrüßt. Nirgendwo hatten wir das Gefühl, eine bloße Nummer zu sein. Entgegen den landläufigen EU-Klischees von Abgehobenheit und Brüsseler Technokratie bemühte man sich um unsere Gruppe, nahm sich Zeit und suchte das Gespräch mit den Schülern und uns Lehrerinnen. Eine wirklich wohltuende und bereichernde Erfahrung!

Inhaltlich fügte sich für die SchülerInnen ein Mosaiksteinchen an das andere. Beim ersten Termin in der Kommission war vieles noch fremd und unbekannt, nach und nach aber wurden die Zusammenhänge und Aufgabengebiete klarer. Ich glaube wirklich, dass sich das Wissen um die EU in diesen Tagen bei vielen potenziert hat – auch wenn mich die Ergebnisse des kleinen Tests, den ich den Schülern heute unterbreitet habe, wieder einigermaßen auf den Boden der Realität zurückgeholt haben …

Natürlich bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass SchülerInnen viel auf so einer Reise lernen. Trotzdem macht mich die eingeschränkte Aufnahmefähigkeit und zur Schau gestellte Ignoranz von einigen (nicht von allen!) auch ein bisschen ratlos. Ein Grund dafür ist die Dauerpräsenz des Smartphones. Wenn der Blick so häufig auf das Display gerichtet ist, bleibt einfach nicht mehr viel Aufmerksamkeit für die Umwelt. Natürlich hat jeder immer einen guten Grund, warum er oder sie aufs Handy schauen muss. Es geht mir ja nicht anders. Insgesamt sind die Dinger aber nichts anderes als eine Pest. – Als ich den Schülern während der langen Zugfahrt von Amsterdam nach Hause gesagt habe, dass ich ihre Wischkästchen am liebsten allesamt aus dem Fenster werfen würde, hat ein Schüler gemeint, ohne Handy während einer mehrstündigen Bahnfahrt, da könne man sich ja gleich umbringen. Natürlich meinten wir es beide nicht wörtlich, ein bisschen ernst war uns die Blödelei aber schon.

Ein weiterer Grund dafür, dass bei manchen weit weniger hängen bleibt als erhofft, ist die bröckelnde Idee von Allgemeinbildung und die Infragestellung ihrer Relevanz. Ob man beispielsweise etwas von den Führungen in einem Kunstmuseum behält, scheint einigen (nicht allen!) lediglich eine Frage von persönlichem Interesse zu sein. Und wofür man sich interessiert, da ist man gerne tolerant: Meine Güte, der eine interessiert sich für Fußball, der andere für Kunst. Dass es aber auch eine Frage von Bildung ist, Namen wie Rembrandt oder Vermeer zu kennen, 5882Lwird immer öfter bezweifelt. Die Schule dient vielen in erster Linie als Vorbereitung auf die Matura, und wenn jemand nicht freiwillig in Bildnerischer Erziehung maturieren will, scheint er wenig Verwendung für solcherart nutzloses kunstgeschichtliches Wissen zu haben. Da kann die Führung im Museum noch so interessant und launig gewesen sein. Unmittelbar danach wird das als unbrauchbar eingeschätzte Wissen entsorgt. Der Konsens, dass ein Gymnasium Allgemeinbildung vermittelt und Allgemeinbildung idealiter all das umfasst, was im Schulunterricht in den verschiedenen Fächern im Laufe der Jahre zusammenkommt, existiert einfach nicht mehr. Die Schüler spiegeln uns da allerdings nichts anderes als eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung wider.

Aber zurück zur Reise und zu den positiven Erlebnissen: Nach den EU-Institutionen haben wir uns in Brüssel noch das Comic-Museum und natürlich das Atomium angeschaut. Am nächsten Tag ging es weiter nach Amsterdam. Dort besuchten wir das Van Gogh- und das Rijksmuseum. Beides großartige Museen mit wunderbaren Gemälden – immer vorausgesetzt natürlich man interessiert sich für Kunst. 😉 IMG_8731

Fast eine Woche nach der Rückkehr fühle ich mich immer noch ein bisschen müde. Die Herausforderung, zwei mir bislang unbekannte Städte im Beisein von 28 Jugendlichen zu erkunden, war riesig. Umso mehr freue ich mich, diese gemeistert zu haben und mit Brüssel und Amsterdam darüber hinaus zwei Städte kennengelernt zu haben, die sowohl uns Lehrerinnen als auch die Schüler beeindruckt haben.

Hierzu abschließend noch ein paar schöne und erfreuliche Statements der SchülerInnen:

Wir hatten die Möglichkeit, in das Van Gogh-Museum zu gehen und viele verschiedene europäische Institutionen zu besuchen. Dort haben wir überall interessante Dinge erfahren.

Man hat gemerkt, dass es den Leuten in Brüssel von großer Wichtigkeit ist, dass wir einen guten Eindruck von der EU erhalten. Beispielsweise war das Museum der Geschichte Europas für alle Besucher kostenlos, obwohl dort mindestens zwanzig Angestellte tätig waren und es sogar noch Sicherheitskontrollen gab.

Brüssel klang vielversprechend, aber ich wusste gar nicht, was es außer den EU-Institutionen dort sonst noch gab. (…) Die Reise war für mich auf jeden Fall sehr lehrreich und informativ. Vor allem der Aufenthalt in Amsterdam war eine der coolsten Sachen. Amsterdam zählt nun zu meinen Lieblingsstädten.

Ich war schon immer begeistert von der EU, also war es für mich wie ein „Dream come true“ als ich hörte, dass wir nach Brüssel fahren. (…) Ich war selten so überwältigt. All diese wichtigen Gebäude zu betreten war einfach ein Wahnsinn. (…) Der Traum, in Zukunft einmal etwas mit Politik oder Wirtschaft zu machen, besteht schon lange, aber dieser Gedanke hat sich fast zu einem Lebensziel entwickelt, als ich in Brüssel war.

Diese Reise nach Brüssel und Amsterdam hat mir so gut gefallen und total viel Spaß gemacht. Ich habe so viel über die Europäische Union erfahren und so viel Neues kennengelernt, dass ich die darauffolgenden zwei Tage so viele Stunden und so gut geschlafen habe, wie schon seit Wochen nicht mehr.

Ich auch!

(nemo)

 

 

2 Gedanken zu “Reisen bildet – so oder so. Eine Nachlese zur Kulturreise nach Brüssel und Amsterdam

  1. Harald Paul Schmidt schreibt:

    Grüß Gott,
    ich habe Ihren ausführlichen Blog über Ihre neulich absolvierte Klassenfahrt mit großem Interesse gelesen und möchte nun auf einige Punkte eingehen.
    Ich empfinde es als etwas inadäquat, wie Sie den Umgang mit Ihren Schülern pflegen.
    Außerdem scheinen Sie in der Vergangenheit festzustecken, denn Bildung ist einfach nicht mehr das, was es einmal war.
    Dass sie Meinungen Ihrer Schüler im Internet veröffentlichen und diese in ein leicht negatives Licht hüllen, scheint mir etwas gewagt. Ich finde jeder sollte seine eigene Meinung haben dürfen, auch Schülerinnen und Schüler.
    Im Großen und Ganzen hat mir Ihr Projekt und besonders Ihr Schreibstil aber sehr gut gefallen.
    MfG Harald

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  2. Monika Neuhofer schreibt:

    Guten Tag Harald,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Es war keineswegs meine Absicht, durch die Zitate die Meinungen meiner Schüler in ein „leicht negatives Licht“ zu hüllen. Meiner Ansicht nach habe ich es auch nicht getan. Aber da es bei Ihnen offenbar so angekommen ist, habe ich ein paar Stellen in meinem Text leicht verändert und dadurch die Zitate hoffentlich, so wie es von Anfang an mein Ansinnen war, in ein positives Licht getaucht.
    Dass jeder seine eigene Meinung haben darf, erscheint mir selbstverständlich. Interessieren würde mich Ihr Bildungsbegriff!

    Beste Grüße!

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