Digitale Grundbildung

Ab dem kommenden Schuljahr verpflichtend in der Sekundarstufe 1. Meiner Meinung nach unbedingt notwendig und richtig. Keine Frage! Und ich bin sehr froh, dass das Ganze endlich angegangen wird, ich warte schon seit etwa zehn Jahren darauf. (Und es wurde bei uns auch teilweise umgesetzt.) Leider wieder einmal so vorgelegt, dass es Konfliktpotential in die Schulen tragen kann, denn für die Umsetzung gibt es natürlich keine zusätzlichen Mittel.

Für so etwas gibt es „verbindliche Übungen“, die immanent, das heißt während des ohnehin bestehenden Unterrichts, umgesetzt werden müssen. Für uns bedeutet das 64 Unterrichtsstunden in den vier Klassen der Unterstufe (mit 32 rechnet man realistisch für eine Jahreswochenstunde), was für uns an sich kein Problem darstellt, sondern eh schon längst läuft, zwar sicher nicht in jeder Klasse gleich, denn das hängt von der KlassenlehrerInnenzusammensetzung ab, aber es funktioniert. (Das haben wir am Ende des Schuljahrs erhoben!)

Der Teufel steckt wie immer im Detail – Internetrecherchen, Präsentationen, Gefahren des Internets, Social Media, Textdokumente und meist auch Tabellenkalkulationen werden wirklich ausreichend durchgenommen, da sind die 64 Stunden gar kein Problem. Aber es gibt auch Kompetenzen, die im Rahmen des Deutsch-, Mathematik-, Geographie- usw.-Unterrichts keinen Platz haben, da sie weder mit der Ausbildung der LehrerInnen (was sich ja in Zukunft ändern soll 😕) noch mit dem Unterrichtsstoff selbst etwas zu tun haben.

So da zum Beispiel sind:
DGB Kompetenzen

Die Farbe Rot bedeutet, dass es sich um Kompetenzen handelt, die ein/e InformatiklehrerIn vermitteln sollte. (Es gibt noch ein paar weitere, aber am Ende einer Tabelle von 64 Kompetenzen häufen sich die, die unmittelbar der Informatik zuzurechnen sind.) 8.2.2 (in Schwarz) sehen wir überhaupt kaum durchführbar, jedenfall nicht, wenn Kompetenz bedeuten soll „ich kann…“.

Also haben wir – ganz schulautonom – folgende Wahl:

  • Die LehrerInnen einer Klasse müssen sich ausmachen, wer was – eben auch Fachfremdes – irgendwie unterrichtet.
  • Eine Stunde irgendeines Fachs wird zur Informatikstunde. Und da liegt das Problem: Wo kürzen? Sprachen, Deutsch, Mathematik? Kaum durchsetzbar, vor allem auch bei den Eltern. Sport, Musik, Bildnerische Erziehung, Werken? Die klassischen Optionen, wobei da schon öfter „zugegriffen“ wurde. Was ist wichtig für die Entwicklung der Kinder? Und nebenbei in der AHS auch eine Beschäftigungsfrage.

„Schulen entscheiden selbst, ob sie die verbindliche Übung „Digitale Grundbildung“ in speziellen Stunden oder integriert in anderen Fächern vermitteln.“

Wir werden im kommenden Schuljahr ein Mischsystem ausprobieren: eine Stunde Digitale Grundbildung als UNverbindliche Übung in der ersten Klasse. Den Sanktus der Eltern haben wir, für die SchülerInnen bedeutet das eine Unterrichtsstunde, für die es keine Noten gibt, also auch keinen Leistungsdruck, zusätzlich, aber freiwillig. Wenn alle mitmachen, können InformatiklehrerInnen den Kindern eine Basis vermitteln, auf die die übrigen LehrerInnen aufbauen können. Dann schauen wir, was an Kompetenzen bis zum Ende der zweiten Klasse untergebracht wurde. Sollten welche fehlen, werden wir in der dritten und vierten genügend Zeit haben, die Lücken zu füllen. Aber ich glaube, es wird nicht mehr oder nur in Einzelfällen nötig sein. Die Digichecks in der vierten Klasse werden es zeigen.

Das Thema ist uns so wichtig, dass es in unserer Schule ein SQA-Thema ist – es wird also dokumentiert, kontrolliert und evaluiert.

Ein Problem, das damit zusammenhängt, ist die Anzahl der Geräte, die zum Arbeiten zur Verfügung stehen und funktionieren müssen. Bring Your Own Device geht flächendeckend wahrscheinlich nur mit den Handys. Aber eh wahrscheinlich die beste Möglichkeit, um einen verantwortungsvollen Umgang mit ihnen zu leben.

Nachtrag vom 3. August 2018:

Im Mittagsjournal von Ö1 macht man sich von Safer Internet Gedanken, dass die LehrerInnen nicht gut genug ausgebildet wären und nicht alles über die Kommunikationswege der Kinder und Jugendlichen wüssten. Stimmt teilweise sicher, aber ganz unbeleckt sind wir auch nicht, schon allein deswegen, weil wir in den meisten Fällen auch Kinder haben und sie als Eltern zu begleiten versuchen. Manchmal werden wir als komisch eindimensionale Gruppe dargestellt, die im Elfenbeinturm Schule lebt und keine anderen Rollen in der Gesellschaft zu spielen hätte. In ALLEN Bereichen denken wir nicht nur an uns, sondern an unsere eigenen Kinder und an die, die uns anvertraut sind.

Was nicht unbedingt nötig ist, dass jede Lehrerin und jeder Lehrer immer alles können muss. Ob das Lernpotential sehr groß ist, wenn man mit der Stoppuhr am Handy im Sport die Zeit misst, ist zu bezweifeln und ob es den Kindern besser bekommt, eine Sportstunde in der Klasse abzuhalten (Gab es nicht einmal die Idee von der täglichen Sportstunde?) statt im Turnsaal – das will ich nicht einmal diskutieren. Wichtig ist, dass sich in der Klasse einige LehrerInnen finden, die digitale Geräte selbstverständlich als Arbeitsgeräte heranziehen und auch die Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft immer wieder reflektieren.
Heute abend gibt es eine Sendung dazu. Vielleicht kommt dann der Nachtrag 2. (juhudo)

 

1 https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/schule40/dgb/index.html

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