Tag der offenen Tür 2018

Seit Wochen will ich endlich wieder einmal kritisch hinschauen und nachdenken über wahnwitzige Zustände im Schulbetrieb – die Sache mit den nicht vorhandenen Stunden für die Klassenvorstandstätigkeit zum Beispiel – aber ich komm‘ einfach nicht dazu. Das Problem ist, dass kritisches Hinschauen und Nachdenken viel mehr Zeit erfordert, als mir derzeit für so Spielereien wie das Schreiben von Blogeinträgen zur Verfügung steht. Die Zeiten sind dicht, wirklich dicht, vielleicht zu dicht. LehrerInnen, Eltern, SchülerInnen, alle klagen darüber – ein Gegenmittel scheint uns indes nicht einzufallen. Vieles, echt vieles, zu vieles vielleicht muss offenbar sein.

Während ich also eigentlich über die nicht vorhandene Zeit im Allgemeinen und die fehlende Zeit für meine Klasse im Besonderen schreiben will, schreibe ich über den gestrigen Tag der offenen Tür bei uns am WRG. Ein riesiger Event, bei dem die ganze Schule auf den Beinen war, damit auch in Zukunft möglichst viele SchülerInnen zu uns kommen mögen. Das Werben um Schüler, die zunehmende Konkurrenz zwischen den Schulen und die damit zusammenhängenden gesamtgesellschaftlichen Probleme im Hintergrund könnte man natürlich ebenfalls einmal kritisch hinterfragen, aber … ich wiederhole mich.

Stattdessen beschränke ich mich auf die schöne Seite des gestrigen Tags der offenen Tür: Viel war los, gewuselt hat’s den ganzen Vormittag lang. Zum Auftakt um acht hat gleich der Schulchor die Gäste begrüßt. Ein wie immer wunderbarer Moment, wenn die Kinder aus Leibeskräften singen und der Musiklehrer sich voll ins Zeug legt. An normales Unterrichten war natürlich nicht zu denken, aber das ist ja auch nicht der Sinn an so einem Tag. Die Schule will sich bestmöglich präsentieren, und das Schönste daran, finde ich, ist, dass unsere SchülerInnen sich so mit ihrer Schule identifizieren und ganz offensichtlich mit Engagement, Spaß und Freude dabei sind. Eine fünfte Klasse hat ein wunderbares Büffet betrieben, viele Siebt- und AchtklässlerInnen führten die Besucher charmant und schon ziemlich professionell in Kleingruppen durchs Haus, andere betreuten die Stationen im Turnsaal. Von geschäftstüchtigen Viertklässlern, die alles Mögliche, was sie im Werkunterricht gefertigt hatten, feilboten, habe ich ein knallrotes, wasserundurchlässiges Wandersitzkissen (!) erworben, die Schülerinnen aus meinem Wahlpflichtfach Deutsch haben mich, als ich ihnen auf dem Gang begegnet bin, gefragt, ob wir nicht beim nächsten Tag der offenen Tür eine kleine Lesung mit selbst verfassten Texten machen könnten (können wir!), und vieles von dem, was sich sonst noch in der Schule abgespielt hat (im Chemie- und Biologiesaal oder in der Bibliothek etwa), habe ich gar nichts mitgekriegt. Die Stimmung insgesamt war jedenfalls grandios.

Um zwölf Uhr war der Tag der offenen Tür 2018 dann wieder Geschichte und um 14 Uhr, als ich noch einmal in die Schule zurückgekehrt bin, um für die Lehrereinlage beim nahenden Schulball zu proben (apropos dicht!), war fast das ganze Haus schon wieder aufgeräumt und blitzblank. Eine engagierte und extrem liebenswürdige Kollegin und ein ebensolcher Kollege organisieren das ganze Spektakel; im Vordergrund, im Hintergrund, davor, währenddessen und danach aber sind alle, von den SchülerInnen über die LehrerInnen, vom Direktor über den Elternverein bis zu den Hausmeistern und den Reinigungsdamen dabei und tragen zum Gelingen des Tages und zu dieser besonderen Stimmung bei. Ganz ehrlich, ich bin voll stolz auf unsere Schule.

Nächstes Mal schreibe ich wieder was Kritisches. Versprochen – und falls mir trotz oder vielmehr wegen der fehlenden Zeit nicht etwas anderes dazwischenkommt. 😉

(nemo)

 

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