Orthographie und Interpunktion (Fortbildung)

Über eine Veranstaltung im November möchte ich gerne noch berichten: Es ist ja vielleicht ein bisschen komisch, dass ich mich noch für Fortbildungen zu den obigen Themen interessiere, aber wenn Wolfgang Schörkhuber, der Fachdidaktik im Fach Deutsch an der Uni unterrichtet, Fortbildungen für die PH Salzburg organisiert, an der HAK Neumarkt unterrichtet und ein Schulbuch verfasst hat (das ist das, was ich von ihm weiß ;-), aber es gibt sicher noch viel mehr…), eine Fortbildung empfiehlt, weiß ich, dass ich mich dafür interessieren sollte. Er hatte bisher immer, wenn ich dabei war, hervorragende Vortragende verpflichtet, die in intessanten Bereichen forschen. Bei Rechtschreibung und Grammatik denk ich mir ja immer, dass da noch was gehen muss.

Dieses Mal war Astrid Müller, Professorin für Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Uni Hamburg für eine Vorlesung und einen Workshop-Tag eingeladen.1 Ich war beide Male anwesend, einmal sogar mit Hund.

Am Abend des 15. November hielt Prof. Müller eine Vorlesung im Unipark. Die Zusammenarbeit zwischen Universität und PH ermöglicht solche Veranstaltungen überhaupt erst, da die Kosten geteilt werden können. Astrid Müller berichtete über aktuelle Entwicklungen in der Orthographie- und Interpunktionsdidaktik. Ein beträchtlicher Anteil (so zwischen 14% und 22%) der SchülerInnen in Deutschland erreichen die Mindesstandards in den Tests nicht. Für Österreich gibt es keine Werte, da „bei der Standardüberprüfung für die 8. Schulstufe 2016 eine Neuskalierung erfolgte“. (Da hab ich wieder einmal nix davon mitbekommen…).

Besonders häufig sind jedenfalls Fehler bei

  • der satzinternen Großschreibung
  • der Getrennt- und Zusammenschreibung (die auch mit der letzten Rechtschreibreform zusammenhängen)
  • und der Interpunktion – oder eigentlich nur der Beistrichsetzung. Sie ist auch noch die Hauptfehlerquelle von Studierenden.

Aus diesen Analysen enstanden die Forschungsfrage „Unterstützt ein an der Struktur orientierter Rechtschreibunterricht die Leistungen im Bereich Wortschreibung besser als ein phänomen- und regelorientierter Unterricht?“ und entsprechende Versuche in 15 Hamburger Schul- und zehn Vergleichsklassen über den Zeitraum eines Semesters hinweg. In der Arbeit mit dem Silbenhaus zum Beispiel werden zweisilbige Wörter eingesetzt und die Verdopplung von Konsonanten (oder eben nicht) gemeinsam mit den Kinder untersucht. Zweisilbige Wörter deswegen, weil die meisten von ihnen zum nativen Wortschatz gehören. (Die meisten Mehrsilber dagegen nicht, sie sind Fremdwörter und funktionieren anders.)

Also:

  • Die meisten deutschen Wörter sind zweisilbig (außer „Ebene“).
  • Fast alle haben ein „e“ in der Reduktionssilbe.
  • Der Anfangsrand der zweiten Silbe beginnt immer mit einem Diphthong.Silbenhaus

Der Vorteil der Methode mit dem Silbenhaus liegt darin, dass die SchülerInnen die Struktur eines Wortes sehen und sich damit selbst erarbeiten können. Ähnliche Erkenntnisse gibt es auch zur satzinternen Großschreibung und zur Beistrichsetzung.

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Besonders spannend bei den Lösungsansätzen von Prof. Müllers Forschungsgruppe ist, dass sie völlig pragmatisch sind. Sie orientieren sich an den Fehlerhäufigkeiten und daran, dass Rechtschreibkenntnisse im Berufsleben immer noch eine wichtige Rolle einnehmen. Die häufigsten Schwierigkeiten werden analysiert und trainiert. Was man umgehen kann – z.B. die Silbentrennung – wird umgangen. Ihre Hauptzielgruppe sind Kinder der Grundschule und der Sekundarstufe 1 und für diese hat Müller gemeinsam mit Melanie Bangel „Wörtern und Sätzen auf der Spur. Mein Rechtschreibheft“2 herausgebracht. Ich werde es ausprobieren, ich glaube auch, dass Kinder diese Übungen sehr gerne machen werden und sie auch Erfolge sehen werden.

(juhudo)

1 Sie ist auch eine der HarausgeberInnen von Praxis Deutsch. Zeitschrift für den Deutschunterricht.
2 Müller, Astrid und Bangel, Melanie: Wörter und Sätzen auf der Spur. Mein Rechtschreibheft. 2. Aufl., Seelze 2018.

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