Der Wunsch zu schreiben

Dieser Tage verspüre ich den Wunsch, den Beginn des diesjährigen Schuljahres mit meinen Gedanken, Anekdoten und Reflexionen aus der Ferne zu begleiten. Notizen vom Beckenrand sozusagen, denn ein Mitschwimmen im Schulgeschehen ist mir immer noch nicht möglich. Zu fundamental war der Zusammenbruch im Frühsommer, als dass über die Ferien alles wieder verheilt wäre. Es fällt mir schwer, am Beckenrand zu sitzen und nicht mitmischen zu können. Und doch ist es auch ein Geschenk, nicht mitschwimmen zu müssen. Denn bei allem, was mir widerfahren ist, bemerke ich doch das viele Glück, das ich habe. Dazu zählt auch eine funktionierende Krankenversicherung.

Das Schuljahr mit meinen Gedanken begleiten, das wollte ich eigentlich jedes Jahr. Von Zeit zu Zeit ist es gelungen, nicht zuletzt ist auch der Blog in den vergangenen Jahren gehörig angewachsen, wenngleich sich das Wachstum in letzter Zeit doch recht verlangsamt hat. Immer schon fehlte mir die Zeit fürs Schreiben. Wenn ich denke, was es alles zu schreiben gegeben hätte, was mir von all dem, was da so täglich in der Schule passierte, als mitteilenswert erschien, dann sind die existierenden Blogeinträge ja allenfalls ein Bruchteil dessen, was ich immer schreiben wollte. Denn allzu oft ließ der Schulalltag einfach kein Schreiben zu. 

Nun habe ich Zeit. Aber was gibt es aus der Ferne überhaupt zu schreiben? Schule lebt vom Geschehen, und wenn man nicht dabei ist, kann man auch nicht viel dazu sagen. Andererseits könnte ein bisschen Abstand auch ganz guttun, um einen anderen Blick auf die Schule zu werfen. Es müssen ja nicht die Geschichten aus dem Inneren sein. Wie wir wissen, gibt es viel über die Schule zu sagen. So mancher Experte hat auch nicht das Gefühl, er müsste die Schule unbedingt von Innen her kennen, um darüber zu urteilen. Und Manches kriegt man ja auch von Außen mit: Gerade gestern konnte man medial wieder einmal erfahren, wie teuer das österreichische Schulsystem denn nicht sei. Zu hohe Lehrergehälter und zu kleine Klassen, das alte Lied. 26 SchülerInnen sind derzeit in der Klasse meiner Tochter. Zu wenige?

Aber: Darf ich denn überhaupt? Ist es legitim, über Schule nachzudenken, wenn man krankgeschrieben ist? Andererseits: Wer sollte es mir verbieten? Die Frage muss wohl eher lauten: Ist es sinnvoll, über Schule nachzudenken, wenn man nicht in der Schule ist? Mache ich es mir zu leicht, wenn ich mich an den Computer setze und schreibe, obwohl ich mich erholen sollte? Andererseits: Wenn ich es gern tue, ist es dann nicht vielleicht meiner Erholung zuträglich?

Viele Fragen. Warum verspüre ich überhaupt den Drang zu schreiben, noch dazu öffentlich? Würde es nicht reichen, für mich selbst zu schreiben? Hm. Ich weiß es nicht, wie gesagt, ich verspüre den Drang dazu, meine Gedanken einer Öffentlichkeit mitzuteilen. Geht es dabei in erster Linie um Geltungssucht? Oder ist es legitim, mitreden zu wollen, wenn man das Gefühl hat, man habe etwas zu sagen. Muss ich mich für das Gefühl, ich habe etwas zu sagen, genieren? Anders gefragt: Habe ich überhaupt etwas zu sagen oder habe ich nur ein vages Gefühl?

Ganz schön verworren. Mit ein Grund für die vielen Fragen, die ich mir stelle, ist das Buch, das ich gerade lese: Trau dich, es ist dein Leben. Die Kunst, mutig zu sein heißt es. iu-6Das Buch stammt von Melanie Wolfers. Es ist Teil dieser Ratgeberliteratur, die ich früher immer ein wenig belächelt habe. Jetzt merke ich, wie wichtig solche Bücher sind und wie gut mir Bücher wie jenes von Melanie Wolfers tun. Es sind die relevanten Fragen über mein Leben, die sich mir beim Lesen aufdrängen, jene Fragen, um die ich mich schon oft herumgedrückt habe.

Die Fragen über die Sinnhaftigkeit des Bloggens sind da wohl die banaleren. Obwohl, sie rühren schon auch an den Grund des Eingemachten, nämlich an die Frage nach dem generellen Sinn. Wofür lebe ich? Was ist das, was ich – und zwar wirklich ich – geben kann? Wie oft schon habe ich behauptet, ich würde gern mehr schreiben. Allzu oft schon hatte ich den Eindruck, ich müsste Geschehnisse für andere festhalten, niederschreiben, bewahren. Immer wieder kamen mir Erlebnisse erst als wirklich vor, nachdem ich sie beschrieben hatte. Beschrieben, aufgeschrieben, festgehalten, nicht nur besprochen. Und doch blieb es häufig bei dem Wunsch zu schreiben. Umgesetzt habe ich den Wunsch allzu oft nicht. Fehlende Zeit lautete die Generalausrede. Manchmal habe ich es dann aber auch wieder als befreiend erlebt, nicht alles aufschreiben zu müssen. Und doch kam der Wunsch, das Gefühl, ja die Sehnsucht nach dem Schreiben immer wieder zurück.

Man kann es einfach wieder einmal versuchen. (nemo)

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