„Mehr Markt, weniger Goethe“ denn: „Dichter kennen kaum Dilemmas“

Eine Doppelseite zum Thema Bildung im heutigen Standard. Nach Lektüre der beiden Artikel darf ich nachfolgend die in einem der beiden Artikel aufgeworfene Frage Wie viel Wirtschaft braucht die Schule? kurz umreißen und sodann das angedeutete bildungspolitische Dilemma – Mehr Markt, weniger Goethe – mit Hilfe des anderen Artikels beantworten und als scheinbares entlarven. Hier mein ebenso einfacher wie praktikabler Lösungsvorschlag:

Jawohl, ein eigenes Fach Wirtschaft in allen Schulen ist unumgänglich. Finanzprodukte wie Aktien und Anleihen müssen endlich besser verstanden werden (oberste Priorität für SchülerInnen!), und dafür braucht es Financial Literacy – was sonst? Wenn ein Fach neu eingeführt wird, muss natürlich ein anderes gestrichen werden. Und da, würde ich sagen, bietet sich Deutsch an. Grundkenntnisse in Schreiben und Lesen können weiterhin vermittelt werden, der gesamte Bereich Literatur aber kann getrost eingespart werden. Denn: Im Alltag sind wir zwar ständig mit widerstreitenden moralischen Maximen konfrontiert, aber: „Dichter kennen kaum Dilemmas. Bei ihnen ist (nämlich) alles einfach.“

Ja, Freunde, so sieht’s aus. Euer Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen und solche Sachen, die könnt ihr euch in die Haare schmieren. Heutzutage braucht’s ganz was anderes!

PS: Das Glanzstück intelligenter Aussagen über „Ethiker und Dichter“ findet sich in einem Interview mit einem deutschen Psychologen, der an der Uni Konstanz eine Arbeitsgruppe zur Moral- und Demokratiekompetenz leitet. Zu der Einschätzung, Dichter würden keine Dilemmata kennen, kommt er offenbar aufgrund eines Brecht-Zitats (!), mit dem ihn die Interviewerin konfrontiert. Das muss man sich echt auf der Zunge zergehen lassen. Ich frage mich: Wie viel Unsinn darf man eigentlich verzapfen?

(nemo)

 

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