Gastbeitrag: Was heißt schon normal? 4 Tage mit Corona

Eine Schülerin hat mir diesen persönlichen Text geschickt. Wir DeutschlehrerInnen am WRG sind gerade dabei, ein Forum aufzubauen, in dem unsere SchülerInnen ihre „Corona-Texte“ veröffentlichen können. Bis es soweit ist, darf ich schon einmal als kleinen Vorgeschmack diesen Text hier im Blog veröffentlichen. 🙂

Sonntag, 15. März 2020

Ich weiß nicht, wann diese scheinbar unbedeutende Nachrichtensendung ausgestrahlt wurde. Fast keiner weiß das. Täglich werden wir mit Informationen zugedröhnt, wer hätte schon wissen können, dass genau diese eine Information der Anfang von etwas Großem sein würde. Ein Mann in China habe eine Fledermaus gegessen und sei an einem Virus erkrankt, so hieß es. Da habe ich schon Spektakuläreres gehört. Und China ist so ungreifbar weit weg. Wie hätte ich ahnen sollen, dass dieses Ereignis einen Ausnahmezustand in Österreich, ach eigentlich überall auf der Welt verursachen würde.

Heute ist Sonntag und meine Schultasche liegt ungepackt im Esszimmer. Ich muss keine Hausaufgaben für morgen erledigen und darf lange aufbleiben. Würde mich jemand fragen, warum morgen kein Kind in die Schule muss, kein Student auf die Uni und kaum ein Erwachsener in die Arbeit, würde ich diesen Jemand auslachen. Jeder würde das tun. Und es gibt nicht einmal so einen Jemand. Denn alle wissen Bescheid. „Corona“ heißt das Virus, welches sich so unglaublich schnell ausbreitet. Viel zu schnell.

Es hat in China angefangen. Zuerst konnte man die Infizierten noch an einer Hand abzählen. Dann haben Urlauber das Virus auch nach Europa gebracht. Seitdem spielt die Welt verrückt. Meine Einstellung zu diesem Thema hat sich im Laufe der Zeit zigmal geändert. Am Anfang konnte ich die Aufregung nicht verstehen, das Coronavirus ist doch nicht einmal annähernd in unserer Nähe. Selbst als es die ersten Coronakranken in Österreich gab, war mir noch nicht bewusst, wie sehr sich die Lage zuspitzt. Seitdem haben sich die Ereignisse überschlagen. Spanien, Italien und China sind nur ein paar von vielen Ländern, die fast vollständig unter Quarantäne stehen. Auch in Österreich soll eine Ausgangssperre in Kraft treten. Wie streng das Ganze gehandhabt werden wird, kann ich mir bis jetzt nur ausmalen. Das Haus soll nur unter besonders dringenden Umständen verlassen werden, dazu gehört der Kontakt mit Bekannten wohl in dieser Situation nicht. Obwohl ich gerade jetzt gerne mit Freunden über diese unbekannte Lage reden würde. Aber das geht ab jetzt wohl nur mehr über das Handy und soziale Medien. Ursprünglich war die Sperre der öffentlichen Orte wie Schulen bis zu den Osterferien angesetzt gewesen, aber daran glaube ich inzwischen nicht mehr. Ich denke, dass das Ganze noch mindestens ein paar Wochen länger dauern wird. Hoffen tue ich das natürlich nicht. Inzwischen bin ich der Meinung, dass dieses Virus unbedingt ernstgenommen werden sollte. Es ist sehr wichtig, die Entscheidungen der Regierung  zu akzeptieren. Die Situation ist nicht zu unterschätzen, allerdings hilft Hysterie und Panik auch keinem weiter. Es gilt einen kühlen Kopf zu bewahren und alle Anweisungen zu befolgen. Alles andere kann man ohnehin nicht beeinflussen. Niemand weiß genau wie es weitergehen wird. Man kann nur abwarten.

Donnerstag, 19. März 2020

Inzwischen hat sich alles „normalisiert“, sofern man das so bezeichnen kann. Wir bekommen von unseren Lehrern/Lehrerinnen Aufgaben, um uns irgendwie die Zeit zu vertreiben. Aber wirklicher Unterricht ist das nicht. Es fehlt einfach etwas in unserem Tagesablauf. Wenn ich in der Früh aufwache, habe ich ein ganz eigenartiges Gefühl. Mir fehlen die Möglichkeiten, meinen Tag zu gestalten, ich fühle mich eingesperrt. Täglich wäge ich die guten und die schlechten Seiten dieses ständigen Zuhauseseins ab. Gewiss, es ist angenehm, ausschlafen zu können und im Kalender keine Unmengen an Terminen eingetragen zu haben. Aber ist das wirklich besser als ein Tag, den man nicht ins kleinste Detail planen kann? Besser als ein Tag, an dem man nicht immer genau weiß, was einen erwartet? Besser als ein Tag, an dem man liebe Menschen trifft? Ich denke nicht. Ich vermisse das lebhafte Treiben in der Schule. Diese vier Tage, in denen ein Spaziergang so gut wie die einzige Abwechslung war, kommen mir schier endlos vor. Ich zweifle nicht an der Wichtigkeit dieser Maßnahme, trotzdem ist für mich dieses eintönige Leben schwer zu ertragen. Und ich bin mir sicher, dass das einigen anderen genauso geht. Aber alles Übel hat auch gute Seiten. Man sieht, wie alle in solchen Zeiten zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen. Viele Freiwillige erledigen für ältere Menschen Einkäufe und es werden Balkonkonzerte veranstaltet. Gerade in einer solchen Krise ist es wichtig, sich gegenseitig Mut zu machen und das wird, finde ich, sehr schön gelöst. Auf jeden Fall gilt: Man muss das Beste aus allem machen!

Selina Hausmaninger
(Schülerin der 4. Klasse des WRG Salzburg)

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