Gastbeitrag: Was mir Angst macht

Was mir Angst machen sollte in Zeiten wie diesen: die Ansteckungsgefahr mit CoVid 19. Was mir aber wirklich Angst macht, ist das Pathos, mit dem unserem Bundeskanzler von allen Seiten Unterstützung zugesichert wird, egal was er verkündet. Der kleine Bruder in der Koalition schaut kleinlaut zu ihm auf und verleugnet seine Werte wie zum Beispiel die Solidarität mit vor dem Krieg Schutz und Sicherheit Suchenden. Wir mögen ihnen „vor Ort“ helfen. Man schaue sich diese „Orte“ einmal genauer an. Was diesen Menschen jedoch wirklich helfen würde, wäre, sie aus den unwürdigen Unterbringungen herauszuholen und ihnen hier in Europa ein Leben zu ermöglichen. Aber der Bundeskanzler sagt Nein und die Grünen sagen dazu: nichts. Das macht mir Angst.

Was mir auch Angst macht, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Frauen wieder in die Hausfrauenrolle zurückgedrängt werden. Meist sind es die Mütter, von denen erwartet wird, dass sie neben dem Homeoffice noch den Haushalt erledigen und die Schulaufgaben mit den Kindern machen oder/und ein Kleinkind beaufsichtigen. Offenbar mache ich etwas falsch, oder ich habe den falschen Job, aber bei mir geht nichts neben dem Homeoffice. Bald werden wir an unsere Arbeitsstellen zurückkehren dürfen, aber es bleibt die Angst, dass Errungenschaften der Frauenpolitik innerhalb von wenigen Wochen weggewischt wurden.

Mir macht auch Angst, wie in unserem Land mit den Kindern umgegangen wird. Auch ein noch so gut ausgestattetes Distance Learning reicht nicht an die Qualität des gemeinsamen Lernens in der Schule heran. In Österreich wurden noch vor den Schulen die Baumärkte geöffnet, auch die großen Einkaufszentren kommen noch vor den Volksschulkindern. Da wissen wir wenigstens, wo die Kids die Zeit verbringen können, bis die Schule wieder ihr Pforten öffnet. Bei aller Erleichterung schleicht sich auch Beklemmung ein angesichts der Vielzahl an Hygienebestimmungen, die das soziale Leben in der Schule beeinträchtigen werden. Aber wir werden ganz leise sein hinter unseren Gesichtsmasken und einfach nur froh sein, dass wir ein kleines Stück Leben zurückbekommen haben.

Warum hagelt es nicht Kritik an der Regierung? Schwächt es wirklich den gemeinsamen Kampf gegen CoVid 19, wenn wir Maßnahmen und „Fahrpläne“ der Regierung in Frage stellen? Wo sind die kritischen Medien, die wir gerade in Zeiten wie diesen brauchen? Das ist wohl die „neue Normalität“ – und die macht mir Angst.

Christine Kobler-Viertlmayr
(AHS-Lehrerin für Deutsch, Englisch und PP)

 

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