Zehn Jahre Schule. Ein Potpourri an Eindrücken und Erinnerungen

  • Als ich vor zehn Jahren die Schule zum ersten Mal betrat, war ich entsetzt: So ein Schulgebäude sah ja immer noch so aus, wie ich es aus meiner eigenen Schulzeit in Erinnerung hatte! Wenig später hatte ich mich wieder daran gewöhnt.
  • Während der Gangaufsicht in den Pausen betrachte ich gerne die ausgestellten Kunstobjekte. Immer wieder finden sich großartige und unglaublich kreative Bilder, Collagen, Fotografien und Werkstücke darunter.
  • Wenn im Musiksaal die Fenster geöffnet sind, schallt es aus der Schule heraus: Ein Musiklehrer haut in die Tasten des Klaviers, zwanzig oder mehr Kinder singen aus voller Kehle. In solchen Momenten geht mir das Herz auf. Wenn ich es nicht ohnehin wüsste, würde ich mir denken: Was ist das für eine schöne Schule!
  • Bei meiner ersten Maturafeier als KV haben wir auch gesungen. Ich stand nervös mitten unter den MaturantInnen und hab mir gedacht: Was für eine Ehre, dass die mich mitsingen lassen!
  • Als ich einmal mit einer Klasse in Paris war, habe ich den SchülerInnen die Nationalbibliothek gezeigt und ihnen erzählt, dass ich da während eines Forschungssemesters täglich an meiner Dissertation gearbeitet hatte. Ein Schüler hat mich ungläubig angesehen und gefragt: „Echt jetzt: Sie haben da gearbeitet?“
  • Manchmal begegne ich SchülerInnen in meiner Freizeit, in den Ferien oder am Wochenende in der Stadt. Ich freue mich jedes Mal, wenn sie winken, grüßen oder sogar rufen. Leute, die nichts mit Schule zu tun haben, sind immer wieder erstaunt darüber, dass sich Schüler mitunter sichtlich freuen, ihre Lehrer zu treffen.
  • Immer noch schreibe ich wahnsinnig gerne mit jener Füllfeder, die mir meine erste eigene Klasse zur Matura geschenkt hat. „Klassenmama Moni“ findet sich da eingraviert.
  • Die SchülerInnen meiner zweiten eigenen Klasse haben mir einmal gestanden, sie hätten anfangs Angst gehabt, nicht zu genügen und von mir mit der früheren Klasse verglichen zu werden.
  • Unaufmerksame SchülerInnen nerven mich manchmal so, dass ich laut werde. Wenn ich einen Schüler oder eine Schülerin anschreie, bin ich wirklich peinlich berührt und nehme mir jedes Mal vor, mich am nächsten Tag dafür zu entschuldigen. Nicht immer kommt es dazu.
  • Oft passiert an einem einzigen Schultag so viel, dass man, wollte man alles, was notierenswert wäre, tatsächlich notieren, nie und nimmer damit fertig würde.
  • Manchmal bin ich nach einer Schulstunde noch so in Gedanken, dass ich mich auf dem Weg ins Konferenzzimmer plötzlich im falschen Stockwerk wiederfinde.
  • In einer Französischstunde waren einmal ein paar ältere Damen zu Gast, die vor 50 Jahren an der Schule maturiert hatten. Wir haben gemeinsam „Je ne regrette rien“ gesungen. Die Besucherinnen haben so geschmettert, dass die SchülerInnen noch Wochen später darüber geredet haben.
  • Als wir von La Rochelle mit dem Zug zurück nach Salzburg fuhren, waren wir, SchülerInnen und Lehrerinnen, nach über zehn Stunden Zugfahrt so überdreht, dass ich mich bei den Mitreisenden für den Lärm entschuldigt habe. Aber nicht ein einziger Fahrgast war uns böse.
  • Nach vier Tagen in Berlin mit 28 SchülerInnen waren meine Kollegin und ich so erleichtert, dass wir vor lauter Euphorie fast den Abflug verpassten. Als wir endlich in den Flieger einstiegen, saßen die SchülerInnen bereits angeschnallt auf ihren Plätzen und schauten uns mit großen Augen an, weil wir so spät daherkamen.
  • Mitunter gibt es in den Pausen so viel zu klären und zu besprechen, dass ich zu spät in den Unterricht komme. Ich entschuldige mich jedes Mal dafür, obwohl die SchülerInnen eigentlich nie so wirken, als wäre das für sie ein Problem.
  • Manchmal gibt es aber auch in einer Klasse nach dem Unterricht noch so viel zu besprechen, dass ich erst in Richtung Konferenzzimmer gehe, wenn die KollegInnen bereits wieder in Richtung Klassenzimmer aufbrechen. Solche Tage sind anstrengend.
  • Auf meiner ersten Sportwoche in Kärnten wollte ich sämtliche Sportarten ausprobieren und überall mitmachen. Nach drei Tagen hatte ich so einen Muskelkater, dass ich mich kaum mehr bewegen konnte.
  • Als ich vor zehn Jahren an die Schule kam, hatten wir noch eine Schulglocke. Irgendwann stellten wir sie versuchsweise ab. Zu Beginn gab es SchülerInnen und auch LehrerInnen, die das Läuten unbedingt wieder einführen wollten. Mittlerweile denkt, glaube ich, keiner mehr daran.
  • Ob eine Schulstunde gut gelingt oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. Manchmal ist eine detaillierte Unterrichtsplanung förderlich, bisweilen aber auch nicht. Was mich zur Höchstleistung anspornt, ist so etwas wie aufmerksame Resonanz von Seiten der SchülerInnen. Wenn ich das Gefühl habe, sie sind gedanklich dabei und finden den Inhalt interessant, beflügelt mich das richtiggehend.
  • Das produktive Chaos bei Gruppenarbeiten kann ebenfalls beglücken. Ich liebe es, von Gruppe zu Gruppe zu gehen, ein bisschen zuzuhören und ein paar Tipps zu geben. Oft freue ich mich dann schon richtig auf die Präsentation der Ergebnisse. Ganz besonders bei szenischen Darbietungen.
  • Immer wieder überrascht mich die Kreativität der SchülerInnen. Was SchülerInnen gemeinsam einfällt, auf welche Ideen sie kommen, wie sie sich gegenseitig anstacheln und ihre Potentiale entfalten, das ist immer wieder erstaunlich.
  • In den Sommerferien nehme ich mir jedes Mal vor, das nächste Schuljahr gelassener anzugehen. Die guten Vorsätze halten zu Schulbeginn meist nicht länger als ein paar Stunden. Bereits am ersten Tag prasseln so viele Dinge auf einen ein, dass es mit der Gelassenheit wieder vorbei ist. Aber jetzt sind eh erst einmal Ferien.

(nemo)

 

 

 

 

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