Die Geringschätzung pädagogischen Handelns und Wirkens durch die empirische Bildungswissenschaft

Ein Grund dafür, warum ich die langen Ferien im Sommer brauche, ist der Umstand, dass ich während des Schuljahres – also von September bis Anfang Juli – fast dauernd mit meinen Schülern beschäftigt bin: in der Schule während des Unterrichts, am Schreibtisch zu Hause beim Korrigieren – aber bei weitem nicht nur dort. Meine Gedanken kreisen, wenn ich nicht ohnehin konkret am schulischen Planen, Organisieren oder Administrieren bin, oftmals von früh bis spät, wochentags wie wochenends, um mein Fach und meine Schülerinnen und Schüler. Ich überlege, wie ich es am besten anstellen könnte, dass sie das, was mir wichtig erscheint, verstehen, was ich unternehmen könnte, damit sie das, was sie wissen und können sollten, besser begreifen, ob es nicht einen Text, ein Lied, einen Film gäbe, der sie in dieser Hinsicht zum Denken anregen würde, wie ich sie dazu bringen könnte, sich mit jenem Thema kritisch zu befassen.

(Deutsch-)Lehrerin zu sein ist eine gleichermaßen schöne und lustvolle wie anstrengende und extrem arbeitsintensive Tätigkeit. Es ist eine Tätigkeit, die mitunter an die Substanz geht. Ohne Erholungspausen nach acht, neun Wochen – etwa in den Weihnachts- oder Semesterferien – wäre die Tätigkeit schlichtweg nicht auszuhalten. Denn sie beschränkt sich nicht auf festgelegte Arbeitszeiten, sie findet auch beim Frühstück, unter der Dusche oder beim Laufen statt (da habe ich oft die besten Ideen!). Zu den stundenlangen Korrekturen von Hausübungen und Schularbeiten kommt eben immer noch die Beschäftigung mit Themen, Inhalten und Texten und der Frage, wie bringe ich es an die Schüler. Einzig in den Sommerferien komme ich aus diesem Kreislauf heraus.

Der einzige Grund, warum ich die enorme Arbeitsbelastung auf mich nehme: Ich will etwas für meine Schüler. Sie sind mir nicht egal. Ich verstehe meine Arbeit als Kombination aus fachlicher und erzieherischer Tätigkeit, die in erster Linie auf die Persönlichkeitsbildung der jungen Menschen abzielt. Das Engagement trägt Früchte, bisweilen gar prächtige, es zeitigt Erfolge und klappt häufig gut. Manchmal allerdings gelingt mein Tun nicht so, wie ich es gerne hätte, das erzeugt mitunter Frustration. Insgesamt aber beschert mir meine Tätigkeit ein intensives Glücksgefühl aufgrund der Resonanz, die ich zu spüren bekomme. Als Lehrerin präge ich meine Schüler durch mein Tun und durch mein Sein. Dahinter aber steht der Einsatz meiner ganzen Person und in so manchen Wochen (fast) meiner ganzen Zeit.

So wie mir geht es vielen KollegInnen, das glaube ich sagen zu können. Wir (Deutsch-)LehrerInnen arbeiten fast alle an der Belastungsgrenze. Dass bei unseren SchülerInnen trotzdem sprachliche und fachliche Defizite, mitunter auch gravierende, bestehen, ist uns bewusst. Der intensive Einsatz im Bemühen um sprachlich-fachliche Vermittlung muss ohne Erfolgsgarantie auskommen ebenso wie die Sorge um die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Menschen naturgemäß kein Ergebnis proportional zum Einsatz hervorbringen kann.

Ein wenig stutzig kann man allerdings werden, wenn die neue Bildungswissenschaft auftritt und uns DeutschlehrerInnen – durch Studien und Statistiken immunisiert – erklärt, wo Defizite bestehen, welche Kompetenzen die Schüler nicht oder nicht ausreichend beherrschen und was wir dagegen unternehmen sollen. Anhand von so genannten Schülerperformanzen, die bei zentralen Testungen wie der Messung der Bildungsstandards oder der zentralen Reifeprüfung erhoben und anschließend „geratet“ werden, wird festgestellt, wie genau die vorab definierten Standards erreicht wurden – oder eben nicht. Objektiviert, anonymisiert und abstrahiert. Welche Persönlichkeiten, welche Menschen hinter den Zahlen stehen, spielt keine Rolle, ja es wird nicht einmal ausreichend reflektiert, wie die Daten zustandekommen. Übrig bleiben von Schülern mit ihrer individuellen Entwicklung, von spezifischen Schulklassen mit ihrer je eigenen Dynamik in Balkendiagramme gegossene Zahlen, die – und das ist das eigentliche Problem – mithin von der Öffentlichkeit oder auch von der Schulbehörde als relevanter erachtet werden als die Einschätzung von uns Lehrern.

Bei verpflichtenden Netzwerktreffen, wie wir kürzlich wieder einmal eines zu absolvieren hatten, werden wir LehrerInnen dann mit diesen Forschungsergebnissen konfrontiert und sozusagen „nachgeschult“. Gerüstet mit PowerPoint-Folien und Diagrammen erklärt man uns beispielsweise, dass es mit der Argumentationskompetenz der österreichischen Maturanten nicht zum Besten bestellt ist. Es wird uns angeraten, bereits in der Unterstufe anzufangen, Argumentationskompetenz aufzubauen, und es wird uns gezeigt, wie wir diese Kompetenz im Hinblick auf die bei der Matura gefragten Textsorten trainieren können.

Nicht, dass man sich nicht die eine oder andere Anregung von so einem verordneten „kollegialen Austausch“ mitnehmen kann (wiewohl sämtliche Ideen und Vorschläge in jedem x-beliebigen Lehrbuch zu finden sind und die Analyseergebnisse wahrlich keine neuen Erkenntnisse beinhalten). Die dahinter stehende Grundhaltung uns LehrerInnen, unserer fachlichen Qualifikation und unserem pädagogischen Wirken gegenüber empfinde ich jedoch als geringschätzig. Wenn ich in den Stunden des Netzwerktreffens alleine spazieren gegangen wäre oder mich informell mit einer Kollegin ausgetauscht, vielleicht deren Rat in Bezug auf diesen Schüler oder jene Klasse eingeholt hätte, hätte ich ein Vielfaches an guten Ideen und Anregungen erhalten. Ganz abgesehen davon, dass die meisten von uns an so einem Nachmittag im November ohnehin Schularbeiten zu korrigieren haben.

Für unsere SchülerInnen werden wir trotzdem auch weiterhin und ohne Unterlass weiterarbeiten. Ehrliche und ernst gemeinte Wertschätzung uns und unserem Tun gegenüber würde vielleicht aber auch nicht schaden – ob deren Auswirkung allerdings statistisch relevant im Hinblick auf unsere Performanz als LehrerInnen wäre, vermag ich natürlich nicht zu beurteilen.

(nemo)

Fortbildungsmonat November

Ich weiß ja nicht, wieso, weshalb und warum, aber – zumindest für mich – scheint sich der November als DER Monat der Fortbildung zu etablieren. Das Programm ist ja immer schon ab Juli buchbar, da schaue ich immer gleich, was mich und meine SchülerInnen weiterbringen kann und melde mich einmal an. Man weiß ja nicht, welche Lehrveranstaltungen dann wirklich abgehalten werden, falls sich nicht genügend TeilnehmerInnen anmelden.

Das hat für heuer bedeutet:

Ich war also von 21 Schultagen fünf ganze Schultage plus einen Samstag und einen Abend mit Fortbildung beschäftigt (außerdem auch noch in den Herbstferien zwei Tage mit „Intuition in der Tiererziehung“). Damit ist aber fast alles für dieses Schuljahr abgehakt, mein Kopf ist voller neuer Inputs und ich habe kaum Zeit, alles zu verarbeiten und vielleicht das eine oder andere an meine KollegInnen zu bringen.

Man muss mir aber schon die Frage gestatten, warum sich so viele Termine um den November gruppieren – es geht ja nicht nur mir so. Da ich auch Personalvertreterin bin und über die Entscheidungen unseres Direktors, wer zu welcher Fortbildung gehen darf, informiert werde, erfahre ich, dass so manche Kollegin verzichten muss, da sonst zu viele LehrerInnen gleichzeitig aus dem Schulbetrieb weg wären und der Unterricht nicht mehr vollständig gehalten werden könnte.

Es wäre schön, wenn da ein bisschen besser verteilt würde, aber für eine Analyse des PH-Programms habe ich keine Zeit. Da berichte ich lieber über zwei meiner Fortbildungen, aber jeweils in einem eigenen Beitrag.

juhudo

Poetry Slam

Und hier noch zwei der großartigen Texte, die beim Poetry Slam der 3D vorgetragen und performt wurden:

Ein reicher Ritter namens Ralph reitet mit seinem Rappen
in der rabenschwarzen Nacht, neben ihm seine Knappen.
Er reitet rundherum im Robinien-Ritterwald herum.
Sein Ritterpferd rennt ruhig dahin, Raben krächzen vor sich hin.
Ralph raubt es den Atem, als er sieht, was hier geschieht:
Räuberrüpel rangeln um einen Riesen-Rosenkohl.
Daher ist es Ritter Ralph nicht besonders wohl.
In rasantem Galopp geht’s nach Haus zurück,
da hat er noch ein ganz schönes Stück.
Doch so leicht soll’s für ihn nicht werden
Ein dunkles Grollen schallt aus den Bergen.
Da sieht er schon in weiter Ferne
Einen Drachen, und die mag er gar nicht gerne.
„Hilfe!“, ruft eine holde Maid.
Der Ritter weiß, der Schrei ist nicht weit.
Doch der Drache macht ihm Angst und Bange,
er weiß, da lebt er nicht mehr lange.
„Steh nicht so blöd da, rette mich!“, schreit die Maid ganz fürchterlich.
„Der Drache hat mir den Nagel abgebrochen,
und Maniküre ist erst wieder in zwei Wochen.
Morgen habe ich eine Party im Schloss Hellbrunn
Und um eine Shoppingtour komme ich auch nicht herum.
Ich brauche dringend ein neues Kleid,
denn das alte ist mir viel zu weit.
Darum beeile dich! Rette mich!“
Doch mit so einer Tussi gibt sich Ritter Ralph nicht ab
Und reitet nach Hause, kurz und knapp.

(Leona und Selina)

Wenn die Motte miefende Mäuse mag
Wär‘ das ein Stabreim und der wär‘ arg
Und das wäre wirklich schlimm
Denn für Stabreime fehlt mir der Sinn

Ich finde ein Stabreim ist kein Gedicht
Ich hoffe das find nicht nur ich
Der einzig wahre Reim ist der Reim
Ich hoffe das geht nicht nur in meinen Kopf rein
Denn irgendwas fehlt dem Stabreim
Aber was soll es sein?

Vielleicht ist es ja so ganz gut
Denn bei Stabreimen bekomm ich die Wut
Der Stabreim gehört in Vulkanglut
Sicher findet das auch Groot

Oder soll ich mein Urteil überdenken
Und der Welt einen Stabreim schenken?
Aber nein, das wäre ein Graus
Deswegen ist das Gedicht jetzt aus

Aber zum Schluss noch
Ein Stabreim doch
Wenn die Motte miefende Mäuse mag müssen die Menschen miefende Klamotten mögen

(Gregor)

 

 

 

 

Gute Texte, schlechte Texte

Wir DeutschlehrerInnen beklagen immer wieder einmal, dass die Schreibkompetenz unserer SchülerInnen – sagen wir – nicht unbedingt im Steigen begriffen ist. Und da ist natürlich schon was dran. Aber – und dafür bin ich mir selber dankbar – ich habe mir in diesem Jahr einen ganz späten Schularbeitsbeginn gegönnt, und das verschiebt den Blick auf die Dinge ein wenig: Das Elend mit den schlechten Texten hat, wie ich gerade täglich merke, massiv mit den Schularbeiten und Klausuren zu tun. Ja, manchmal kommt mir vor, es ist vor allem der Zwang zur Korrektur und Beurteilung, der das Phänomen der schlechten Texte überhaupt erst hervorbringt. Sobald man nämlich Texte nicht korrigieren und beurteilen muss, wirken sie gleich viel weniger mangelhaft. Oder aber es ist einem nicht so wichtig. Sind halt ein paar Texte weniger gut, daneben finden sich ja auch andere … Ist halt der eine Text daneben gegangen, vielleicht gelingt ihm/ihr der nächste besser … Liegt halt dem einen Schüler Schreiben weniger, gibt eh auch welche, die’s können. Unglaublich, wie gelassen man ohne Zwang zum Rotstift wird.

Im Moment habe ich es folglich mit vielen guten und gelungenen Texten zu tun. Drei Beispiele: Die DrittklässlerInnen legen sich seit Schulbeginn derartig ins (Schreib-)Zeug, dass ich nur so staunen kann. Zuerst haben wir das Buch Herzslam von Jaromir Konecny zum Anlass genommen, um selbst Gedichte zu schreiben und einen Poetry Slam zu veranstalten. Was da für tolle Texte geschrieben und aufgeführt wurden! Alle haben mitgemacht, alle haben an ihren Texten herumgefeilt, alle haben versucht, mit Sprache zu spielen und zu arbeiten.

Jetzt widmen wir uns dem Schreiben von Detektivgeschichten. Ok, es geht Richtung Schularbeit. Aber noch ist es nicht so weit: Über die Herbstferien sollten sie eine Geschichte fortsetzen. Sie sollten versuchen, Spannung zu erzeugen, sie sollten den Kriminalfall plausibel aufklären. Ein Mädchen hat mir elf (!) druckreife Seiten abgegeben. Zugegeben, das ist ein Ausnahmefall. Aber auch viele andere schreiben derzeit mit Begeisterung, bemühen sich, lassen sich etwas einfallen, haben merklich Spaß an der Sache.

Und die Leute vom Wahlpflichtfach sind ohnehin motiviert bis in die Haarspitzen. Sie haben sich von den Trakl-Gedichten inspirieren lassen und davon ausgehend eigene (Prosa-)texte verfasst. Wir saßen gestern auf der Terrasse des Uniparks, sie lasen ihre Texte vor – und ich konnte mich wieder einmal nur daran erfreuen, was alles möglich ist.

Es kommen härtere Tage – zweifellos. Aber fürs Erste genieße ich noch die letzten Tage meines schularbeitenfreien Herbsts. (nemo)

Habe ich eigentlich schon erzählt … Wahlpflichtfach Deutsch

Dass ich gerne unterrichte und mit ziemlicher Begeisterung Lehrerin bin, habe ich eventuell schon ein-, zweimal erzählt. 😉 Es gibt aber auch Seiten am Lehrberuf, die ich nicht mag: die Bürokratie, die Notengebung, die 50-Minuten-Einheiten, die großen Klassen, die immer strenger werdenden Vorgaben und Standardisierungsbestrebungen „von oben“. Ein wahres Geschenk, bei dem all das, was ich an der Schule nicht mag, keine Rolle spielt, ist das Wahlpflichtfach Deutsch, das erstmals nach vielen Jahren an unserer Schule wieder zustande gekommen ist. Die Rahmenbedingungen sind geradezu großartig: 10 SchülerInnen, die sich für Literatur und Sprache interessieren und die gerne lesen und schreiben, keine Vorgaben „von oben“ und jede Woche hundert Minuten am Stück.

Mein Ansinnen ist es, die SchülerInnen zwei Jahre lang in „andere Welten“ und „andere Zeiten“ zu entführen. „Bewegung und Stillstand“ dient uns als Leitmotiv in diesem Jahr. Wir wollen literarische Texte lesen und Filme anschauen, in denen Bewegung und Stillstand eine Rolle spielen, wir wollen unsere Gedanken und uns selbst in Bewegung bringen, wir wollen ausprobieren, was es für uns heißt, in Bewegung zu sein und wieder still zu stehen. Und all diese Erfahrungen, Gedanken und Ideen sollen in eigene Texte einfließen.

Mit Bildern als Schreibimpulsen haben wir begonnen. Die nächste Stunde haben wir dem Gedicht Auf der Schwelle des Hauses von Günter Kunert gewidmet. Jeder hat versucht, ein Gedicht nach diesem Muster zu verfassen. Und weil es irgendwie dazugepasst hat (und die Bücher in der Schule gerade verfügbar waren), haben wir Sibylle Bergs Roadmovie und „Märchen für alle“ mit dem Titel Habe ich dir eigentlich schon erzählt … gelesen. Plötzlich waren wir auf dem Weg in die DDR. Wahrlich eine andere Welt und eine andere Zeit! Kurz habe ich mich allerdings schon gefragt, ob das jetzt das richtige Reiseziel gleich für den Anfang sein würde. Die SchülerInnen aber sind sofort darauf eingestiegen und haben voll mitgetan. Drei hatten das Buch von Sibylle Berg bereits im Deutschunterricht gelesen, denen habe ich Christa Wolfs Der geteilte Himmel mitgegeben. Na, da habe ich mich erst recht gefragt! Aber auch das hat funktioniert. Die drei Schülerinnen haben es zwar nicht geschafft, das Buch zur Gänze zu lesen, waren jedoch von der Sprache und der Geschichte irgendwie schon angetan. Ich habe ihnen dann noch ein bisschen etwas über die DDR erklärt, ihnen eine Stelle vorgelesen, die ich selbst sehr berührend finde, und ihnen einen Ausschnitt aus der Verfilmung gezeigt. Wir haben insbesondere auf die Ästhetik des Films geachtet und über die Unterschiede zu heutigen Filmen gesprochen. Am Ende der Stunde habe ich ihnen noch ein paar Zitate aus Sibylle Bergs Roman ausgeteilt und sie dazu ermuntert, zu Hause einen Text zu einem der Zitate zu verfassen. Mit einem Lied von Gerhard Gundermann habe ich die SchülerInnen letzte Woche entlassen.

Heute wollte ich das fortgesetzt schöne Herbstwetter nutzen, um mit der Gruppe einen Spaziergang durch die Stadt auf den Spuren Georg Trakls zu machen. Davor haben wir uns noch kurz in der Schulbibliothek zusammengesetzt und die Schülerinnen haben jene Texte vorgelesen, die sie zu Hause geschrieben hatten. Bis auf zwei haben alle die freiwillige Hausübung gemacht! Und was für schöne Texte da heute vorgelesen wurden, hat mich echt beeindruckt.

Dann sind wir losmarschiert: Wir haben bei Trakls Geburtshaus am Waagplatz begonnen, sind durch die Linzer Gasse und den Mirabellgarten bis zur Christuskirche in die Schwarzstraße spaziert. Ich habe ein bisschen etwas erzählt, wir haben die Gedichte gelesen, und mehrfach habe ich ein „voll schön“ vernommen. Am Ende des Spaziergangs habe ich den Schülerinnen gesagt, wo sich weitere Tafeln mit Trakl-Gedichten in Salzburg befinden. Es würde mich nicht wundern, wenn die eine oder andere die Orte noch in dieser Woche aufsuchen würde. Bis zur nächsten Woche ein Gedicht zu verfassen, das entweder ein Motiv bzw. eine Verfahrensweise aus den Trakl-Gedichten aufnimmt oder das unseren heutigen Spaziergang mit den Gedichten zusammenzubringen versucht, wollen jedenfalls alle ausprobieren.

Ich glaub, das nennt man Deutschlehrerinnentraum, was mir da gerade widerfährt.

(nemo)

 

 

 

 

Zweite Schulwoche, zweiter Tag. Ein Schnelldurchlauf

In der Früh gleich die Französisch-Anfänger. Meine neue Französisch-Gruppe ist klein, aber fein. Die große Mehrheit will Spanisch lernen, wir sind eine Minderheit. Heute haben wir das französische Alphabet gelernt. Und ich habe mir vorgenommen, in diesem Jahr ganz viel mit Musik zu arbeiten.

Danach zwei Stunden ohne Unterricht. Ich organisiere einen zweitägigen Wandertag für die achte Klasse. Telefonat mit der Alm, Termin vereinbart, Rahmenbedingungen in Erfahrung gebracht. Gleich damit zum Chef. Der Direktor muss den Ausflug genehmigen. Grundsätzlich keine Hexerei, möchte man meinen. Doch: Die Anzahl der Schulveranstaltungen pro Klasse ist streng geregelt. Sowohl die Kosten als auch die Zeit spielen dabei eine Rolle. Im vorliegenden Fall sind die Kosten nicht das Problem, die entfallende Unterrichtszeit schon. In meiner Brust schlagen drei Herzen gleichzeitig: Als Klassenvorständin weiß ich, wie wertvoll gemeinsame Unternehmungen für die Klassengemeinschaft und die Stimmung in der Klasse sind und wie förderlich das wiederum für ein gutes Lernklima und die Beziehung zu den und zwischen den Schülern ist. Als Französisch-Lehrerin weiß ich, wie lähmend es ist, wenn in den Sprachgruppen, die sich ja immer aus mehreren Klassen zusammensetzen, andauernd ein paar weg sind. Und als Lehrerin einer Maturaklasse stresst es mich, wenn schon wieder kostbarer Fachunterricht ausfällt: Hilfe, wie sollen die in ein paar Monaten maturieren?? Insgesamt ein leidiges und ziemlich komplexes Thema.

In der verbleibenden „freien“ Stunde bereite ich mit einer Kollegin alles für den VWA Kick-off-Tag vor. Der Termin in der nächsten Woche ist fixiert, die Bibliotheksführungen für den Nachmittag haben wir bereits vereinbart. Damit aber alles funktioniert, gilt es noch vieles zu bedenken und zu organisieren: Wir brauchen LehrerInnen aus allen Fächern, also müssen die KollegInnen informiert und Listen zum Eintragen aufgelegt werden. Außerdem brauchen wir Räume, wir müssen die SiebtklässlerInnen informieren, wir müssen die entsprechenden Formulare aktualisieren und ausdrucken, wir dürfen nicht vergessen, dem Hausmeister Bescheid zu geben, wir benötigen einen Laptop und müssen überprüfen, ob der Beamer funktioniert.

Unsere Planungsarbeit findet in der Teeküche statt. In dem Raum stehen zwei Computer (juhui, einer davon ist frei!), dort findet sich eine Sitzgruppe, da steht auch der Kopierer – und ja, da wird gerade unsere neue Kaffeemaschine geliefert. Ziemlich viel Ablenkung, aber immerhin, sowohl der Computer als auch das Internet funktionieren …

Haarscharf geht sich alles aus, bevor ich wieder in den Unterricht eile. Die SchülerInnen der achten Klasse sind mit der Ballorganisation beschäftigt, ich will ihnen die Neuigkeiten bezüglich Wandertag mitteilen, außerdem muss ich noch abklären, wer von ihnen jetzt eigentlich bei der Reise nach Genf zum CERN dabei ist. Erst heute habe ich überhaupt erfahren, dass eine solche Reise von Physik aus geplant ist. Und in Deutsch muss ich auch weiterkommen. Für die Besprechung der Klassenangelegenheiten ist keine Stunde vorgesehen. Alles geht auf Kosten meines Deutschunterrichts. Und die Textsorte Rede müssen wir dringend und unbedingt üben. Vom Weiterkommen in der Literaturgeschichte ganz zu schweigen.

So, jetzt aber etwas essen, der Magen knurrt bereits. Auf dem Weg zum Buffet treffe ich eine Kollegin, die noch schnell die Sache mit den Kästchen im Konferenzzimmer besprechen will. Wir haben insgesamt viel zu wenig Platz für unsere Materialien, um die verschließbaren Kästchen herrscht ein echtes G’riss. Ok, die alten Bücher müssen weg, aber wohin bloß mit all den Sachen?

Nach der Mittagspause wartet bereits eine Schülerin auf mich. Sie schreibt an ihrer VWA, ich bin ihre Betreuungslehrerin. Wir setzen uns in die Bibliothek und feilen an ihrem Konzept. Ich gebe ihr noch ein paar Literaturtipps und ermuntere sie, jetzt aber wirklich ins Schreiben zu kommen.

Eigentlich ist schon ganz schön viel passiert an diesem Tag. Mein Highlight aber steht noch aus: Wahlpflichtfach Deutsch. Zehn SchülerInnen haben sich angemeldet, heute findet es zum ersten Mal statt. Den ganzen Sommer lang habe ich mich auf diesen Kurs gefreut, beim Radfahren so viele Ideen gesammelt, wie ich das Fach anlegen werde. Ich will mit den SchülerInnen Texte lesen, Filme anschauen, Bilder betrachten. Sie sollen selbst kreativ werden, eigene Texte verfassen. Ich will mit ihnen gemeinsam herausfinden, was sie bewegt, und sie dazu anregen, ihre Erfahrungen in Sprache zu übersetzen. In der ersten Stunde will ich mit Bildern arbeiten: Jeder darf sich eine der schönen Karten aussuchen, die ich auf dem Boden auslege, und einen Text dazu schreiben. Ohne Vorgabe, ohne Einschränkung.

Nach einer individuellen Schreibphase kehren die SchülerInnen in den Klassenraum zurück. Ich bitte sie nun, zu zweit spazieren zu gehen und gemeinsam über ihre Bilder und ihre Texte zu sprechen, sich die Texte gegenseitig vorzulesen, und dabei immer in Bewegung zu bleiben. Als alle wieder zurück sind, frage ich, wer seinen Text vorlesen möchte. Wir wollen die Texte nicht beurteilen, sie uns nur anhören. Wenn jemand nicht vorlesen möchte, ist es auch in Ordnung. Aber siehe da: Jeder liest seinen Text vor, am Ende lese auch ich meinen vor. Ich bin beeindruckt, was in diesen insgesamt zwei Stunden passiert ist, was für interessante, fesselnde, witzige, nachdenklich stimmende, kreative Texte entstanden sind – und ich spüre, ich bin nicht die Einzige, die sich am Ende dieses Nachmittags bereits auf nächste Woche freut.

Der Schultag war lang und anstrengend. Ich bin müde und glücklich gleichzeitig. Für morgen ist noch nichts vorbereitet, nur gut, dass es noch nichts zu korrigieren gibt. Als ich am Abend im Bett noch schnell die Lesehausübung, die ich den Drittklässlern gegeben habe, machen will, fallen mir nach ein paar Seiten die Augen zu. Ja, ja, die Schule hat mich wieder voll im Griff.

(nemo)

 

 

 

 

ditact 2018 – reingeschnuppert

Ich weiß jetzt nicht genau, seit wie vielen Jahren die Ditact im Frühling meine Aufmerksamkeit findet, aber heuer war ich mir erstmals sicher, in den Ferien zu der Veranstaltungszeit anwesend zu sein, und habe mich für zwei Workshops angemeldet – vor allem in Hinblick darauf, für das erste „richtige“ Jahr mit der „Digitalen Grundbildung“ neue Ideen mitnehmen zu können.

Die Leiterinnen der Ditact wollen Folgendes:

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Es gibt zwei Wochen lang sehr viele Kurse – wer möchte, kann hier einmal für das Jahr 2018 schnuppern – und die meisten sind nicht für Informatikerinnen, sondern für Informatikinteressierte ausgerichtet. In der zweiten Woche geht es auch um „IT & Didaktik“, und ich habe an den Workshops Informatik aktiv erleben und Fake News & Social Media teilgenommen. Meine Erkenntnisse schreibe ich wieder in Form von Mikroartikeln auf.

Thema Informatik aktiv erleben. Spielerische und interessante Unterrichtsstunden ohne Computer.
Referentin: Petra Nußdorfer
Story Die Aufgaben, die an uns LehrerInnen mit der Digitalen Grundbildung herangetragen werden, gehen weit über Mediendidaktik hinaus. Auch informatisches Grundwissen soll unseren SchülerInnen vermittelt werden. Da dieses Wissen nicht allgemein vorhanden ist, bin ich auf der Suche nach Material, das zum Beispiel auch einfach einmal in Supplierstunden eingesetzt werden kann, und auf so etwas habe ich in in diesem Workshop gehofft.
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Einsicht Folgerung Anschlussfragen
Wie haben ein ganzes Heftchen von Aufgaben mitbekommen und konnten einiges ausprobieren. Die Themen reichten von Binärrechnen und Kryptographie (zB End to End-Verschlüsselungen bei WhatsApp) über Sortieren und verschiedene Algorithmen bis zu Pixelgrafik und analogen Programmiereinstiegsspielen.

Die Übungen auszuprobieren hat viel Spaß gemacht und wir TeilnehmerInnen (es war auch ein Kollege dabei) hatten viel Gelegenheit uns auch untereinander Tipps zu geben.

Informatische Grundbegriffe lassen sich auch ohne Computer vermitteln. Idealerweise werden sie natürlich dann dort umgesetzt, aber einiges kann auch so erkannt werden – und es macht Spaß es gemeinsam umzusetzen. Wie bekomme ich die Aufgaben unter die SchülerInnen?

So etwas wie ein Informatikkofer  gefüllt mit den nötigen Materialien wäre toll. Und dass er in manche Supplierstunden mitgenommen wird!

Die junge Referentin Petra Nußdorfer unterrichtet neben Informatik auch Bildnerische Erziehung und das merkt man auch an ihren kreativen Unterrichtsideen, an denen sie uns teilhaben ließ. Sie wird anscheinend nächstes Jahr wieder bei der Ditact dabeisein und ich kann sie nur weiterempfehlen, man kann bei ihr viel Kreatives lernen!

Einige weitere Quellen:

 

Mein zweiter Workshop:

Thema
Fake News & Social Media. Anregungen für den Unterricht

Referentin: Sonja Messner

Story Der bei uns relativ neue Begriff Fake News ist vom Inhalt her natürlich schon immer ein Thema in der Medienerziehung („Zeitungsente“). Aber wie und warum Falschmeldungen innerhalb der sozialen Medien eine solche Wucht bekommen können, darüber wollte ich mir etwas „wissenschaftlichen“ Input holen.
Einsicht Folgerung Anschlussfragen
Inhaltlich gab es jetzt für mich nicht soooo viel Neues, aber ich erhielt eine gute didaktische Struktur, wie man mit SchülerInnen das Thema besprechen kann. Und den Tipp über das relativ neue Onlineportal Addendum, das Dietrich Mateschitz gehört. Außerdem, dass die Journalisten der Washington Post immer gleich vier verschiedene Überschriften zu ihren Artikeln mitliefern müssen – damit ein zur momentanen Situation passender ausgewählt werden kann ;-). Nix Neues: Meiner Meinung nach eines der wichtigsten demokratiepolitischen Themen! Es muss unbedingt immer wieder mit unseren SchülerInnen besprochen werden! Hier nicht so viele: Es gibt viel Material im Internet. Seiten wie Mimikama oder Kobuk sind hilfreich, Safer Internet und Klicksafe.de auch.

Eine gute Idee: SchülerInnen Fake News selbst produzieren lassen!

Auch für Sonja Messner eine klare Empfehlung. Die Medienpädagogin, die bei Akzente arbeitet, kennt sich aus und hat sich viel mit diesem Thema beschäftigt.

juhudo