Gastbeitrag: Lehramtsstudium in Zeiten von Corona: Projekt #DistantTeaching für Schulen

Eine ehemalige Schülerin hat Interessantes aus der Sicht einer Lehramtsstudentin zu berichten. Am Ende des Beitrags finden sich nützliche Links zum „Distant Teaching“, denen ich gleich hier noch einen weiteren zum Thema Herausforderung Homeschooling für Familien hinzufügen will.

Dienstag, 10. März 2020. Zweite Woche des neuen Semesters. Es ist kurz nach halb eins. Um viertel nach eins beginnt die erste Lehrveranstaltung des heutigen Tages. Ich befinde mich schon im Bus auf dem Weg zur Uni – wohlwissend, dass bereits gemunkelt wird, die Hochschulen in Österreich aufgrund des ersten Corona-Falls an der Uni Innsbruck zu schließen, aber die offizielle Bestätigung ist noch ausständig. Die erste diesbezügliche Mail trudelt plötzlich ein: Die Präsenzlehrveranstaltungen an der Universität werden ab sofort bis auf Weiteres eingestellt und auf digitale Lehrformate umgestellt. Maßnahmen der soeben stattgefundenen Pressekonferenz. Na toll, denke ich mir im ersten Moment – das bedeutet bestimmt zusätzliche Arbeitsaufträge zu der sonst schon recht dichten To-Do-Liste für dieses Semester. (Wohl manch einer möchte denken, Studenten leisten eh nichts während dem Semester.) Wenige Minuten später: Die für heute Abend geplante Vorbesprechung für Exkursionen werden abgesagt. Und die Frage, was ich jetzt, bereits im Bus auf dem Weg in die Uni sitzend, mache und ob die Lehrveranstaltung, die in einer Dreiviertelstunde beginnen sollte, nun auch nicht mehr stattfindet. Nach kurzem Beraten mit Kollegen, die ebenfalls bereits auf dem Weg sind, entscheiden wir uns dazu, trotzdem kurz in die Uni zu gehen und mit den Professoren zu sprechen. Im Hinterkopf wissend, dass wir unbedingt noch vor nächster Woche Masterstudierende für unser laufendes Forschungsprojekt brauchen, die uns einen Fragebogen ausfüllen – und an die wir sonst in den nächsten Tagen nicht mehr face-to-face kommen. Ich bin noch nicht einmal im Gebäude, als ich schon Massen flüchtender Studenten sehe – ich schwimme trotzdem gegen den Strom und begebe mich ins Gebäude: reges Chaos, hysterische und aufgelöste Studierende – als ob sich bereits hunderte Infizierte in unmittelbarer Nähe befänden. Übertrieben, denke ich im ersten Moment. Ich kämpfe mich weiter in den dritten Stock des Uniparks, wo die Romanistik haust. Und siehe da, kaum Aufregung, eher Humor – wir sind es ja auch gewohnt, so manche Situationen nicht allzu ernst zu nehmen 😉. Etwas Chaos natürlich – aber wir nehmen es (noch) mit Humor und witzeln über die Situation im Foyer. Uniprofessoren, die die Mail selbst soeben erhalten haben, wissen auch nicht, wie es weitergeht und fragen erstmal nach, ob die – mittlerweile in 15 Minuten beginnende – Lehrveranstaltung doch noch schnell abgehalten werden darf. Alle Teilnehmer aus unserem Kurs sind ohnehin schon anwesend. Währenddessen lassen wir unsere Fragebogen ausfüllen – als gäbe es gerade nichts Wichtigeres. Der Ernst der Situation ist uns noch nicht bewusst. 30 Minuten später sitze ich wieder im Bus – diesmal aber auf dem Weg nach Hause. Das „Beunruhigende“ daran war unter anderem, dass unser Lehrveranstaltungsleiter, der sonst NIE mit uns auf Deutsch, sondern nur auf Französisch spricht – und wenn ich nie sage, dann meine ich auch nie – uns auf Deutsch die aktuelle Lage schildert und uns auf unbestimmte Zeit nach Hause schickt. Spaß beiseite – ein wenig beängstigend war die ganze Situation dann auf einmal schon. Noch nicht wissend, dass ich dort für die nächsten Tage und Wochen quasi „eingesperrt“ sein werde, fahre ich also nach Hause.

Freitag, 20. März 2020. Heute, etwas mehr als eine Woche später, hat sich das anfängliche Chaos ziemlich gut eingependelt und das Distant Learning funktioniert überwiegend einwandfrei. Ja – auch wir Studierende können uns jetzt nicht auf die faule Haut legen, nur weil der Präsenz-Hochschulbetrieb eingestellt wurde. Wir studieren „fröhlich“ weiter und schnuppern etwas Fernstudiumluft. Ich muss zwar ehrlich zugeben, dass wir jetzt (noch) nicht mit Aufgaben überhäuft werden – so wie wir es vermutet hätten – aber es gibt trotzdem immer etwas zu tun. Wir werden sehen, ob sich das noch ändert, wenn die Situation noch länger andauert. Manches scheint sinnlos, anderes wiederum sehr sinnvoll. Gestern zum Beispiel fand unser erstes Web-Seminar der Lehrveranstaltung „Digitale Grundbildung“ statt. Digitale Grundbildung ist mittlerweile eine Unterrichtsprinzip im österreichischen Schulwesen – und findet daher auch in der Lehrerausbildung an der Universität Berücksichtigung. Unsere Lehrveranstaltungsleiterin hatte die Idee, im Hinblick auf die aktuelle Situation in den Schulen, wo der Einsatz von digitalen Medien und Lernplattformen gerade unabdingbar ist, das Projekt „Home Teaching“ bzw. „Distant Teaching“ zu starten. Die Intention dieses Projekts ist, für bereits im Dienst stehende Lehrpersonen (sowie für uns angehende Lehrpersonen) eine Art Plattform mit Übungen zu den Kernbereichen der Digitalen Grundbildung zu gestalten, die die Schülerinnen und Schüler von zu Hause aus durchführen können. Wir Studierende haben also in Kleingruppen Übungen und Methoden zusammengesucht sowie selbst erstellt, die in den unterschiedlichsten Schulfächern und Schulstufen (hauptsächlich für Sekundarstufe 1 und 2, aber auch für die Volksschule) zum Einsatz kommen können, beispielsweise das Führen eines Medientagebuchs. Unser Ziel ist es, Lehrpersonen das Distant/Home – Teaching zu erleichtern bzw. methodische Anreize zu schaffen. Wir wurden von unserer Lehrveranstaltungsleiterin gebeten, unser Projekt zu verbreiten. Den Link füge ich hier ein: https://padlet.com/AnnaEder/DistantTeaching. 

Weitere Tools findet man beispielsweise auch unter den folgenden Links:

 

Nina Rinnerberger
(Studierende für Französisch- und Biologie-Lehramt)

 

 

ditact 2018 – reingeschnuppert

Ich weiß jetzt nicht genau, seit wie vielen Jahren die Ditact im Frühling meine Aufmerksamkeit findet, aber heuer war ich mir erstmals sicher, in den Ferien zu der Veranstaltungszeit anwesend zu sein, und habe mich für zwei Workshops angemeldet – vor allem in Hinblick darauf, für das erste „richtige“ Jahr mit der „Digitalen Grundbildung“ neue Ideen mitnehmen zu können.

Die Leiterinnen der Ditact wollen Folgendes:

ditact

Es gibt zwei Wochen lang sehr viele Kurse – wer möchte, kann hier einmal für das Jahr 2018 schnuppern – und die meisten sind nicht für Informatikerinnen, sondern für Informatikinteressierte ausgerichtet. In der zweiten Woche geht es auch um „IT & Didaktik“, und ich habe an den Workshops Informatik aktiv erleben und Fake News & Social Media teilgenommen. Meine Erkenntnisse schreibe ich wieder in Form von Mikroartikeln auf.

Thema Informatik aktiv erleben. Spielerische und interessante Unterrichtsstunden ohne Computer.
Referentin: Petra Nußdorfer
Story Die Aufgaben, die an uns LehrerInnen mit der Digitalen Grundbildung herangetragen werden, gehen weit über Mediendidaktik hinaus. Auch informatisches Grundwissen soll unseren SchülerInnen vermittelt werden. Da dieses Wissen nicht allgemein vorhanden ist, bin ich auf der Suche nach Material, das zum Beispiel auch einfach einmal in Supplierstunden eingesetzt werden kann, und auf so etwas habe ich in in diesem Workshop gehofft.
IMG_3928IMG_3929IMG_3930IMG_3931
Einsicht Folgerung Anschlussfragen
Wie haben ein ganzes Heftchen von Aufgaben mitbekommen und konnten einiges ausprobieren. Die Themen reichten von Binärrechnen und Kryptographie (zB End to End-Verschlüsselungen bei WhatsApp) über Sortieren und verschiedene Algorithmen bis zu Pixelgrafik und analogen Programmiereinstiegsspielen.

Die Übungen auszuprobieren hat viel Spaß gemacht und wir TeilnehmerInnen (es war auch ein Kollege dabei) hatten viel Gelegenheit uns auch untereinander Tipps zu geben.

Informatische Grundbegriffe lassen sich auch ohne Computer vermitteln. Idealerweise werden sie natürlich dann dort umgesetzt, aber einiges kann auch so erkannt werden – und es macht Spaß es gemeinsam umzusetzen. Wie bekomme ich die Aufgaben unter die SchülerInnen?

So etwas wie ein Informatikkofer  gefüllt mit den nötigen Materialien wäre toll. Und dass er in manche Supplierstunden mitgenommen wird!

Die junge Referentin Petra Nußdorfer unterrichtet neben Informatik auch Bildnerische Erziehung und das merkt man auch an ihren kreativen Unterrichtsideen, an denen sie uns teilhaben ließ. Sie wird anscheinend nächstes Jahr wieder bei der Ditact dabeisein und ich kann sie nur weiterempfehlen, man kann bei ihr viel Kreatives lernen!

Einige weitere Quellen:

 

Mein zweiter Workshop:

Thema
Fake News & Social Media. Anregungen für den Unterricht

Referentin: Sonja Messner

Story Der bei uns relativ neue Begriff Fake News ist vom Inhalt her natürlich schon immer ein Thema in der Medienerziehung („Zeitungsente“). Aber wie und warum Falschmeldungen innerhalb der sozialen Medien eine solche Wucht bekommen können, darüber wollte ich mir etwas „wissenschaftlichen“ Input holen.
Einsicht Folgerung Anschlussfragen
Inhaltlich gab es jetzt für mich nicht soooo viel Neues, aber ich erhielt eine gute didaktische Struktur, wie man mit SchülerInnen das Thema besprechen kann. Und den Tipp über das relativ neue Onlineportal Addendum, das Dietrich Mateschitz gehört. Außerdem, dass die Journalisten der Washington Post immer gleich vier verschiedene Überschriften zu ihren Artikeln mitliefern müssen – damit ein zur momentanen Situation passender ausgewählt werden kann ;-). Nix Neues: Meiner Meinung nach eines der wichtigsten demokratiepolitischen Themen! Es muss unbedingt immer wieder mit unseren SchülerInnen besprochen werden! Hier nicht so viele: Es gibt viel Material im Internet. Seiten wie Mimikama oder Kobuk sind hilfreich, Safer Internet und Klicksafe.de auch.

Eine gute Idee: SchülerInnen Fake News selbst produzieren lassen!

Auch für Sonja Messner eine klare Empfehlung. Die Medienpädagogin, die bei Akzente arbeitet, kennt sich aus und hat sich viel mit diesem Thema beschäftigt.

juhudo