VWA again

Jetzt gehen uns schon bald die  Wiederholungswörter für die Überschriften der VWA-Postings aus. Was wir in den letzten Jahren darüber geschrieben haben, gilt alles noch. (VWA Runde 2 und VWA reloaded: Und jährlich grüßt das Murmeltier und noch ein paar andere. )
Ich möchte jetzt nur eine kleine Themenbilanz ziehen, darüber nämlich, womit mich die SchülerInnen in den letzten fünf Jahren konfrontiert haben. Keine/r von ihnen befand sich zur Zeit der VWA bei mir im Unterricht, fünf von ihnen kannte ich von einer unverbindlichen Übung in der 2. Klasse her, eine aus dem Informatikunterricht der 5. Klasse.

2015
Der Contergan-Fall: eine Aufarbeitung, inwieweit es möglich war, dass es zu einer so großen Zahl an Opfern kommen konnte und wie die Konsequenzen für die Betroffenen und die erzeugende Pharmafirma aussehen.
Narration von Computerspielen: Anhand des Computerspiels „A tale of Two Sons“ wird eine Verbindung zum klassischen Drama dargestellt.

2016
Selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen: Ohne Literatur geht es bei mir nicht, deshalb werden mehrere Jugendbücher und ihr mehr oder weniger seriöser Umgang mit dem Thema Selbstverletzung analysiert.
BUSHIDO – vom Ehrenkodex zum Blockbuster: Der Weg des Kriegers von japanischen Aufzeichnungen bis zu „Der letzte Samurai“.

2017
Kulturelle Körperkunst: Maori-Tattoos und ihre kulturelle Bedeutung in Geschichte und Gegenwart.
Mangas – japanische Bildgeschichten: Die unterschiedlichen Manga-Arten werden erklärt und ein Fokus auf die speziellen Mädchenmangas gelegt und welche Rollenbilder sie zeigen und verfestigen.
Der romantische Pirat: Das Bild des Piraten in der Literatur und neuen Verfilmungen (Fluch der Karibik 🙂 )

2018
Kommunikation zwischen Mensch und Pferd: Kommunikation von Menschen und Pferden im Allgemeinen und inwieweit die Arbeit mit Pferden sich in den letzten Jahren durch die Kenntnisse darüber verbessert hat.
Die Veränderung des Urheberrechts durch die digitalen Medien: Urheberrecht und Creative Commons – welche neuen Anforderungen an ein Urheberrecht gestellt werden.

2019
Censorship – The FCC’s Regulation of Profanity and its effects on the usage of swear words in American broadcast TV series: die erste Arbeit auf Englisch. Inwieweit die Verwendung von Schimpfwörtern in amerikanischen Fernsehserien reguliert wird und ob sich daran gehalten wird.

2020 (coming soon!)
Das Darknet und der Drogenhandel
Manipulation durch Printmedien am Beispiel des Brexit

Also ich habe jedes Mal einiges dazugelernt!
(juhudo)

 

ditact 2018 – reingeschnuppert

Ich weiß jetzt nicht genau, seit wie vielen Jahren die Ditact im Frühling meine Aufmerksamkeit findet, aber heuer war ich mir erstmals sicher, in den Ferien zu der Veranstaltungszeit anwesend zu sein, und habe mich für zwei Workshops angemeldet – vor allem in Hinblick darauf, für das erste „richtige“ Jahr mit der „Digitalen Grundbildung“ neue Ideen mitnehmen zu können.

Die Leiterinnen der Ditact wollen Folgendes:

ditact

Es gibt zwei Wochen lang sehr viele Kurse – wer möchte, kann hier einmal für das Jahr 2018 schnuppern – und die meisten sind nicht für Informatikerinnen, sondern für Informatikinteressierte ausgerichtet. In der zweiten Woche geht es auch um „IT & Didaktik“, und ich habe an den Workshops Informatik aktiv erleben und Fake News & Social Media teilgenommen. Meine Erkenntnisse schreibe ich wieder in Form von Mikroartikeln auf.

Thema Informatik aktiv erleben. Spielerische und interessante Unterrichtsstunden ohne Computer.
Referentin: Petra Nußdorfer
Story Die Aufgaben, die an uns LehrerInnen mit der Digitalen Grundbildung herangetragen werden, gehen weit über Mediendidaktik hinaus. Auch informatisches Grundwissen soll unseren SchülerInnen vermittelt werden. Da dieses Wissen nicht allgemein vorhanden ist, bin ich auf der Suche nach Material, das zum Beispiel auch einfach einmal in Supplierstunden eingesetzt werden kann, und auf so etwas habe ich in in diesem Workshop gehofft.
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Einsicht Folgerung Anschlussfragen
Wie haben ein ganzes Heftchen von Aufgaben mitbekommen und konnten einiges ausprobieren. Die Themen reichten von Binärrechnen und Kryptographie (zB End to End-Verschlüsselungen bei WhatsApp) über Sortieren und verschiedene Algorithmen bis zu Pixelgrafik und analogen Programmiereinstiegsspielen.

Die Übungen auszuprobieren hat viel Spaß gemacht und wir TeilnehmerInnen (es war auch ein Kollege dabei) hatten viel Gelegenheit uns auch untereinander Tipps zu geben.

Informatische Grundbegriffe lassen sich auch ohne Computer vermitteln. Idealerweise werden sie natürlich dann dort umgesetzt, aber einiges kann auch so erkannt werden – und es macht Spaß es gemeinsam umzusetzen. Wie bekomme ich die Aufgaben unter die SchülerInnen?

So etwas wie ein Informatikkofer  gefüllt mit den nötigen Materialien wäre toll. Und dass er in manche Supplierstunden mitgenommen wird!

Die junge Referentin Petra Nußdorfer unterrichtet neben Informatik auch Bildnerische Erziehung und das merkt man auch an ihren kreativen Unterrichtsideen, an denen sie uns teilhaben ließ. Sie wird anscheinend nächstes Jahr wieder bei der Ditact dabeisein und ich kann sie nur weiterempfehlen, man kann bei ihr viel Kreatives lernen!

Einige weitere Quellen:

 

Mein zweiter Workshop:

Thema
Fake News & Social Media. Anregungen für den Unterricht

Referentin: Sonja Messner

Story Der bei uns relativ neue Begriff Fake News ist vom Inhalt her natürlich schon immer ein Thema in der Medienerziehung („Zeitungsente“). Aber wie und warum Falschmeldungen innerhalb der sozialen Medien eine solche Wucht bekommen können, darüber wollte ich mir etwas „wissenschaftlichen“ Input holen.
Einsicht Folgerung Anschlussfragen
Inhaltlich gab es jetzt für mich nicht soooo viel Neues, aber ich erhielt eine gute didaktische Struktur, wie man mit SchülerInnen das Thema besprechen kann. Und den Tipp über das relativ neue Onlineportal Addendum, das Dietrich Mateschitz gehört. Außerdem, dass die Journalisten der Washington Post immer gleich vier verschiedene Überschriften zu ihren Artikeln mitliefern müssen – damit ein zur momentanen Situation passender ausgewählt werden kann ;-). Nix Neues: Meiner Meinung nach eines der wichtigsten demokratiepolitischen Themen! Es muss unbedingt immer wieder mit unseren SchülerInnen besprochen werden! Hier nicht so viele: Es gibt viel Material im Internet. Seiten wie Mimikama oder Kobuk sind hilfreich, Safer Internet und Klicksafe.de auch.

Eine gute Idee: SchülerInnen Fake News selbst produzieren lassen!

Auch für Sonja Messner eine klare Empfehlung. Die Medienpädagogin, die bei Akzente arbeitet, kennt sich aus und hat sich viel mit diesem Thema beschäftigt.

juhudo

Digitale Grundbildung

Ab dem kommenden Schuljahr verpflichtend in der Sekundarstufe 1. Meiner Meinung nach unbedingt notwendig und richtig. Keine Frage! Und ich bin sehr froh, dass das Ganze endlich angegangen wird, ich warte schon seit etwa zehn Jahren darauf. (Und es wurde bei uns auch teilweise umgesetzt.) Leider wieder einmal so vorgelegt, dass es Konfliktpotential in die Schulen tragen kann, denn für die Umsetzung gibt es natürlich keine zusätzlichen Mittel.

Für so etwas gibt es „verbindliche Übungen“, die immanent, das heißt während des ohnehin bestehenden Unterrichts, umgesetzt werden müssen. Für uns bedeutet das 64 Unterrichtsstunden in den vier Klassen der Unterstufe (mit 32 rechnet man realistisch für eine Jahreswochenstunde), was für uns an sich kein Problem darstellt, sondern eh schon längst läuft, zwar sicher nicht in jeder Klasse gleich, denn das hängt von der KlassenlehrerInnenzusammensetzung ab, aber es funktioniert. (Das haben wir am Ende des Schuljahrs erhoben!)

Der Teufel steckt wie immer im Detail – Internetrecherchen, Präsentationen, Gefahren des Internets, Social Media, Textdokumente und meist auch Tabellenkalkulationen werden wirklich ausreichend durchgenommen, da sind die 64 Stunden gar kein Problem. Aber es gibt auch Kompetenzen, die im Rahmen des Deutsch-, Mathematik-, Geographie- usw.-Unterrichts keinen Platz haben, da sie weder mit der Ausbildung der LehrerInnen (was sich ja in Zukunft ändern soll 😕) noch mit dem Unterrichtsstoff selbst etwas zu tun haben.

So da zum Beispiel sind:
DGB Kompetenzen

Die Farbe Rot bedeutet, dass es sich um Kompetenzen handelt, die ein/e InformatiklehrerIn vermitteln sollte. (Es gibt noch ein paar weitere, aber am Ende einer Tabelle von 64 Kompetenzen häufen sich die, die unmittelbar der Informatik zuzurechnen sind.) 8.2.2 (in Schwarz) sehen wir überhaupt kaum durchführbar, jedenfall nicht, wenn Kompetenz bedeuten soll „ich kann…“.

Also haben wir – ganz schulautonom – folgende Wahl:

  • Die LehrerInnen einer Klasse müssen sich ausmachen, wer was – eben auch Fachfremdes – irgendwie unterrichtet.
  • Eine Stunde irgendeines Fachs wird zur Informatikstunde. Und da liegt das Problem: Wo kürzen? Sprachen, Deutsch, Mathematik? Kaum durchsetzbar, vor allem auch bei den Eltern. Sport, Musik, Bildnerische Erziehung, Werken? Die klassischen Optionen, wobei da schon öfter „zugegriffen“ wurde. Was ist wichtig für die Entwicklung der Kinder? Und nebenbei in der AHS auch eine Beschäftigungsfrage.

„Schulen entscheiden selbst, ob sie die verbindliche Übung „Digitale Grundbildung“ in speziellen Stunden oder integriert in anderen Fächern vermitteln.“

Wir werden im kommenden Schuljahr ein Mischsystem ausprobieren: eine Stunde Digitale Grundbildung als UNverbindliche Übung in der ersten Klasse. Den Sanktus der Eltern haben wir, für die SchülerInnen bedeutet das eine Unterrichtsstunde, für die es keine Noten gibt, also auch keinen Leistungsdruck, zusätzlich, aber freiwillig. Wenn alle mitmachen, können InformatiklehrerInnen den Kindern eine Basis vermitteln, auf die die übrigen LehrerInnen aufbauen können. Dann schauen wir, was an Kompetenzen bis zum Ende der zweiten Klasse untergebracht wurde. Sollten welche fehlen, werden wir in der dritten und vierten genügend Zeit haben, die Lücken zu füllen. Aber ich glaube, es wird nicht mehr oder nur in Einzelfällen nötig sein. Die Digichecks in der vierten Klasse werden es zeigen.

Das Thema ist uns so wichtig, dass es in unserer Schule ein SQA-Thema ist – es wird also dokumentiert, kontrolliert und evaluiert.

Ein Problem, das damit zusammenhängt, ist die Anzahl der Geräte, die zum Arbeiten zur Verfügung stehen und funktionieren müssen. Bring Your Own Device geht flächendeckend wahrscheinlich nur mit den Handys. Aber eh wahrscheinlich die beste Möglichkeit, um einen verantwortungsvollen Umgang mit ihnen zu leben.

Nachtrag vom 3. August 2018:

Im Mittagsjournal von Ö1 macht man sich von Safer Internet Gedanken, dass die LehrerInnen nicht gut genug ausgebildet wären und nicht alles über die Kommunikationswege der Kinder und Jugendlichen wüssten. Stimmt teilweise sicher, aber ganz unbeleckt sind wir auch nicht, schon allein deswegen, weil wir in den meisten Fällen auch Kinder haben und sie als Eltern zu begleiten versuchen. Manchmal werden wir als komisch eindimensionale Gruppe dargestellt, die im Elfenbeinturm Schule lebt und keine anderen Rollen in der Gesellschaft zu spielen hätte. In ALLEN Bereichen denken wir nicht nur an uns, sondern an unsere eigenen Kinder und an die, die uns anvertraut sind.

Was nicht unbedingt nötig ist, dass jede Lehrerin und jeder Lehrer immer alles können muss. Ob das Lernpotential sehr groß ist, wenn man mit der Stoppuhr am Handy im Sport die Zeit misst, ist zu bezweifeln und ob es den Kindern besser bekommt, eine Sportstunde in der Klasse abzuhalten (Gab es nicht einmal die Idee von der täglichen Sportstunde?) statt im Turnsaal – das will ich nicht einmal diskutieren. Wichtig ist, dass sich in der Klasse einige LehrerInnen finden, die digitale Geräte selbstverständlich als Arbeitsgeräte heranziehen und auch die Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft immer wieder reflektieren.
Heute abend gibt es eine Sendung dazu. Vielleicht kommt dann der Nachtrag 2. (juhudo)

 

1 https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/schule40/dgb/index.html

EIDV*

* ist in unserer Schule die verwaltungstechnische Abkürzung für Informatikunterricht als unverbindliche Übung für die ZweitklasslerInnen und steht für Elektronische Informations- und DatenVerarbeitung. Computergrundlagen und ein bisschen Medienbildung also. In den letzten Jahren gibt es relativ wenige Werteinheiten für unverbindliche Übungen (= Schulstunden, in die die SchülerInnen freiwillig, meist am Nachmittag kommen) und ich kann mir aussuchen: Mache ich wenig oder keine Werbung dafür und ich habe so zehn bis zwölf TeilnehmerInnen oder laufe ich durch die Klassen und erzähle, was wir so alles machen werden, dann können es auch zwanzig oder mehr werden, was nicht sooo gut ist, da pro Computerraum nur 16 PCs zur Verfügung stehen. Aber abgelehnt wird niemand und irgendwie geht es immer.

Es gibt pro Gruppe eine Werteinheit, die 14-tägig geblockt abgehalten wird und grundsätzlich etwa an 13 Terminen stattfinden kann (wenn da keine Konferenz stattfindet, kein Schikurs oder eine andere Klassenaktivität und wenn ich da auch nie krank oder auf einer Fortbildung bin). Damit neben dieser UVÜ noch andere abgehalten werden können, werden ein Teil der dafür notwendigen Werteinheiten eingespart und sie werden nur von Oktober bis Mitte Juni angeboten (und bezahlt).

Was machen wir in dieser Zeit?

  • Schulnetzwerk, Programme öffnen und speichern, Lernplattform, Up- und Downloads aus dem Internet und was man da darf und was nicht. (2 Stunden)
  • Die wichtigsten Computerbegriffe, damit wir wissen, wovon wir sprechen. Daten speichern und benennen, sodass sie wieder gefunden werden (Schulnetzwerk!), verschiedene Internetbrowser und was ein Windows-Computer schon so alles mitbringt, zum Beispiel das Zeichenprogramm Paint. (2 Stunden)
  • Sicheres Verhalten im Internet, Recht am eigenen Bild, illegale Downloads, E-Mail-Anhänge…) und im Umgang mit den Handyapps. (2 Stunden)
  • Tastaturschreiben – alle Tasten in vier Doppelstunden mit ein bisschen Üben und der dringenden Bitte an SchülerInnen und Eltern, daheim gelegentlich weiter zu üben ;-). (6 Stunden)
  • Teilnahme am Informatikwettbewerb Biber und davor etwas algorithmisches Denken und Vorbereitung durch Übungsbeispiele. (2 Stunden)
  • Erstes Programmieren mit dem Werkzeug Scratch – am Ende schaut ein kleines Spiel mit Bedingungen, Schleifen und Variablen heraus. (4 Stunden)
  • Powerpoint: Wie man Folien gestalten kann, die einen bei einem Referat unterstützen – und was man mit diesem Programm zeichnen und spielen kann. (2 Stunden)
  • Word: Wie man zum Beispiel eine Zeitung mit Spalten, Bildern, Seitenzahlen, Datum, besonderen Überschriften und Rahmen „zusammenbauen“ kann. ( 4 Stunden)
  • Und wenn alles gut geht: 3D-Zeichen oder eine Audio-Aufnahme. Da darf dann aber wirklich nix ausfallen!

Unverbindliche Übungen haben zwei große Vorteile: freiwillig anwesende SchülerInnen und kein Notendruck. Mir macht Unterrichten sowieso fast immer Spaß, aber diese Stunden sind etwas ganz Besonderes. Die Begeisterung der Kinder ist groß, wir arbeiten intensiv und bemerken kaum, wie die Zeit vergeht. Zu einer Pause kommen wir eher zufällig, das teile ich den Kindern aber gleich zu Beginn mit. Sie sind motiviert (ok, der Computer!) und erleben schnell Bestätigung, wenn etwas funktioniert (oder nicht). Ich kann sie dank der Lernplattform individuell mit Aufgaben versorgen und mich intensiver mit denen beschäftigen, die noch nicht so viel Erfahrung haben. Schon in der zweiten Klasse kann das recht unterschiedlich sein.

Heuer hatte ich eine Gruppe mit 22 SchülerInnen, die ich nicht kannte und mittlere Bedenken, ob ich sie wohl alle zum Arbeiten bringen würde. Kein Problem! Ich hab versucht, ihnen die Situation zu erklären, wir haben teilweise in zwei Computerräumen gleichzeitig gearbeitet (Tür an Tür) und dank der Bereitschaft der Buben und Mädchen hat alles erstaunlich gut funktioniert.

Unsere Idee ist es, eine kritische Masse an SchülerInnen mit so vielen Fähigheiten zu versorgen, dass alle KollegInnen mit allen Kindern möglichst problemlos die Computerräume benutzen können und die Fortgeschritteneren die anderen unterstützen können.

Nächstes Schuljahr müssen wir mehr Werteinheiten sparen, weil wir sonst drei achte Klassen zu zwei zusammenlegen müssten. Das kann keiner wollen (außer dem Landesschulrat). Das heißt kein EIDV für die nächsten zweiten Klassen. Bevor wir das wussten, haben wir uns so etwa 15 einzelne Unterreichtseinheiten für die ersten Klassen vorgenommen, weil uns die digitale Grundbildung schon am Herzen liegt und wir annehmen, dass es einfacher ist, wenn wir schon die Kleinen auf ein gemeinsames Niveau bringen.

Ich hoffe nur, dass dann auch noch Kinder aus der Klasse laufen und „Informatik ist so toll!“ rufen. (juhudo)

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Schulhundlehrling

Schulhund2

Dank meiner reiselustigen Tochter durfte ihr zweijähriger Aussie Pinu’u drei Wochen bei mir verbringen. Ich mag ihn und beschäftige mich sehr gern mit ihm – allerdings blieb ein Problem zu lösen: Zweimal pro Woche hätte er acht Stunden alleine verbringen müssen, da ich Vor- und Nachmittagsunterricht habe. Das ist eindeutig zu lang! Also habe ich einfach einmal gefragt, ob ich ihn am Nachmittag mit in den Informatikunterricht nehmen dürfe. Da unser Direktor grundsätzlich aufgeschlossen ist, bekam ich nur die Aufgabe, mit den betroffenen SchülerInnen (wegen möglicher Allergien) und der Schulärztin ewaige Probleme abzuklären. Dass ich keine rasende, bissige Bestie mitbringen würde, hat er mir einfach so geglaubt.

Die Reaktionen, vor allem die der Schulärztin, waren äußerst positiv: Sie meinte, der Vorteil eines Hundes in der Schule würde die Nachteile „bei weitem überwiegen“. Sie meinte allerdings nicht nur, dass der Hund um seiner selbst willen in der Klasse wäre, sondern sein Einsatz positive Effekte auf die Kinder nehmen könnte. Es gibt ja schon mehrere Hunde in verschiedenen Grundschulen und einen speziellen Leitfaden des Unterrichtsministeriums.

Die SchülerInnen meinten auch, es sei kein Problem, einige haben ja auch selber Hunde in den Familien. Ich bin also in der Mittagspause heim und habe Pinu’u geholt. Die Schule kennt er schon von einigen Besuchen am Wochenende, wenn ich am Jahresbericht gearbeitet habe. Meine Tochter nimmt ihn immer wieder mit an die Uni, es ist also nichts Besonderes, dass er sich eine Weile unter Menschen ruhig verhalten muss. Natürlich gab es etwas Aufregung, als er die Kinder und sie ihn entdeckten und wir haben kurz darüber gesprochen, wie man sich ihm gegenüber verhalten sollte. Er liebt es aber sehr gestreichelt zu werden und die Kinder haben sich schnell ruhig verhalten, als sie bemerkten, dass das dem jungen Rüden dabei half, gelassen zu bleiben. Nach zehn Minuten kippte er um und schlief ein, nur ein-, zweimal pro Doppelstunde „besuchte“ er die Tischreihen, immer dann, wenn ich auch zwischen den SchülerInnen unterwegs war. (Wenn an den PCs gearbeitet wird, bin ich eher Coach als Lehrerin.) Dann wurde natürlich wieder ausgiebig gestreichelt.

Ohne dass Pinu’u oder ich besonders für die Hund-Schul-Situation ausgebildet wären, konnte ich doch bemerken, dass sich die Unterrichtssituation etwas verändert. Die Kinder waren besonders rücksichtsvoll und jede der drei Klassen, die Pinu’u erlebten, fragten am Ende des Unterrichts, ob er nicht wieder kommen könnte. Ich war nach der ersten Anspannung – glaube ich – lockerer und habe mehr Späße gemacht, wahrscheinlich weil ich einfach froh war, dass alles so unkompliziert ablief. Weniger gearbeitet haben wir eigentlich nicht, vielleicht hat es fünf Minuten konzentriertes Hundestreicheln gegeben, dann war alles fast wie immer.

Und Pinu’u? Der hat drei Viertel der Zeit verschlafen und war sicher lieber bei mir, als die Nachmittage alleine verbringen zu müssen.  Ich weiß nur nicht, ob wir auf ihn aufgepasst haben oder er auf uns…

Ah ja, demnächst beginnt seine Therapiehundeausbildung. Dann ist er das nächste Mal vielleicht schon kein „Lehrling“ mehr. (juhudo)

Biber der Informatik

biberbildUnter diesem lustigen Namen läuft schon seit einigen Jahren ein Wettbewerb, an dem Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zu 13. Schulstufe mitmachen können, ohne zuvor bestimmte Informatikkenntnisse erworben zu haben. Die Aufgaben bestehen aus logischen Tüfteleien, die gedankliche Abfolgen erfordern, die Algorithmen entsprechen, also Abläufen, wie man einem Computer „etwas sagen“ kann. „Die Inhalte der altersgerecht formulierten Aufgaben des Biber der Informatik reichen (beispielsweise) von systematischer Organisation von Daten über die Formulierung und Durchführung von Handlungsabläufen sowie die Interpretation und Darstellung von Daten bis zum richtigen Verhalten im Web.“1  Da Informatik in der AHS nur in der fünften Klasse ein verpflichtendes  Schulfach ist und wir uns in diesem Jahr hauptsächlich auf Anwendungen beschränken müssen, nehmen wir  gerne die Gelegenheit wahr, wenigstens ein paar Stunden mit informatischen Aufgabenstellungen zu verbringen und der  Wettbewerb liefert dafür einen motivierenden Anlass. Er findet immer im November statt und 24 europäische Staaten nehmen daran teil.

Heuer haben wir den Schritt über den Informatikunterricht hinausgetan und die beiden Informatikräume die ganze Woche lang für die „Öffentlichkeit“ gesperrt und so viele KollegInnen wie möglich zum Mitmachen bewogen – bei den MathematikerInnen läuft man offene Türen ein, bei den übrigen muss man ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten. Jedenfalls haben Mädchen und Buben aus allen Jahrgangsstufen mitgemacht und viele haben gute Ergebnisse erreicht. Die meisten machen sehr gerne mit, weil sie aussuchen können, ob sie allein oder zu zweit arbeiten wollen. In Österreich haben 17641 SchülerInnen mitgemacht, von unserer Schule 449 (von knapp unter 800).

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Einerseits bietet der Wettbewerb eine hervorragende Gelegenheit, die Idee Informatik unter die SchülerInnen zu bringen, andererseits ist es faszinierend zuzusehen, wie sich manche Kinder von den Problemen einfangen lassen und an den Lösungen tüfteln. Einigen fällt das unglaublich leicht, andere haben Hürden zu überwinden, vor allem die „ich kann das nicht“. Einige sind immer darunter, bei denen zu sehen ist, wie sie einfach diese Art des Denkens ganz von selbst beherrschen, unabhängig vom Alter, Begabungen und Interessen lassen sich feststellen und manchmal fördern.

In den vier Altersstufen habe wir einige, die österreichweit die besten oder unter den besten sind: Drei Teams der 1. und 2. Klassen haben bei die volle Punktezahl erreicht, drei weitere sind nicht weit dahinter, ein Schüler der 8. Klasse ist bei den Viertbesten (bei gleicher Punktezahl). Auch in den mittleren Jahrgängen gibt es sehr gute Ergebnisse, im Bundesland Salzburg sind viele SchülerInnen unter den besten 10. Wer nachschauen will: http://www.ocg.at/biber15-die-besten.

Die Aufgaben der vorangegangenen Jahre werden von der Österreichischen Computergesellschaft zur Verfügung gestellt – mit Lösungen.

(juhudo)

 

1  Gerald Futschek: Biber der Informatik. http://blog.ocg.at/2015/12/biber-der-informatik-2015/