Internet raus aus den Schulen? Die Textsorte Erörterung

Meine SiebtklässlerInnen maturieren in gut einem Jahr. Folglich sind wir bereits wieder voll im Modus der Vorbereitung auf die Zentralmatura. Vieles von dem, was vor drei Jahren bei der Einführung dieser Form der Matura aufgeregt diskutiert wurde, hat sich mittlerweile beruhigt oder abgeschwächt. Ich könnte immer noch fundamental dagegen wettern und vielleicht tue ich es auch wieder einmal. Heute aber nicht.

Nach wie vor gilt für das Fach Deutsch: Es gibt 9 Textsorten (ab 2020 dann nur mehr 7), die von den Schülern beherrscht werden müssen. Und auch wenn die für die Zentralmatura verantwortlichen Personen immer wieder darauf hinweisen, dass die Schreibhandlungen (z.B. zusammenfassen, argumentieren, informieren) wichtiger seien als die Textsorten – Faktum bleibt, dass es einen Textsortenkatalog gibt und dass die Vermittlung der jeweiligen Spezifika einer Textsorte ganz schön viel Zeit und Energie in Anspruch nimmt.

Meines Erachtens würde es reichen, wenn die Erörterung als einzige argumentativ ausgerichtete Textsorte bestehen bliebe. Wenn jemand Sachverhalte ordentlich und nachvollziehbar erörtern kann – und das ist schwierig genug – hat er oder sie etwas Wesentliches gelernt. Das Verfassen eines Leserbriefs, eines offenen Briefs, einer Empfehlung oder eines Kommentars erscheint mir im Kontext der Deutschmatura unsinnig und überflüssig. Aber sei’s drum.

Am letzten Tag der Osterferien habe ich brav die Hausübung gemacht und für meine SchülerInnen eine Modellerörterung geschrieben. Die Aufgabe wurde letztes Jahr beim Maturatermin im Mai gestellt. Inhaltlich geht es um die Frage, ob der Umgang mit dem Internet ein fester Bestandteil des Unterrichts sein sollte oder nicht. Was liegt näher, habe ich mir gedacht, als meine Erörterung gleich einmal im Internet zu posten?

Hier also geht’s zur Aufgabenstellung (Aufgabe 3) und da zu meiner Modellerörterung. Ich habe mich bemüht, den Text in ungefähr eineinhalb Stunden zu schreiben und wenn ich ihn mir jetzt durchlese, klingt er eigentlich mehr nach Kommentar als nach Erörterung. Aber ich habe mich an die Arbeitsaufträge gehalten und versucht, ordentlich zu argumentieren. Insofern müsste der Text auch den gestrengen Augen der DeutschlehrerkollegInnen standhalten. Und, wie gesagt, es kommt eh mehr auf die Schreibhandlung als auf die Textsorte an. 🙂

(nemo)

 

VWA reloaded: Und jährlich grüßt das Murmeltier

Die Tage stehen wieder ganz im Zeichen der VWA. Ganze drei Jahrgänge (!) sind mit dem Thema VWA befasst: Die AchtklässlerInnen mussten heute ihre Arbeit abgeben und auf die Plattform hochladen, die SiebtklässlerInnen ihr Thema und den dazugehörigen Erwartungshorizont einreichen. Und die SechstklässlerInnen lernen gerade in einer unverbindlichen Übung Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens.

Die vorwissenschaftliche Arbeit, die vor einigen Jahren als verpflichtender Teil der Matura eingeführt wurde, dominiert den Schulalltag der OberstufenschülerInnen und – man muss es sagen – erzeugt ordentlich Stress. Stress, der bisweilen ungesunde und bedenkliche Ausmaße annimmt. Ob das dafür steht? Ehrlich, ich weiß es nicht.

Seit Anbeginn bin ich stark in das Thema VWA involviert: Als VWA-Zuständige an unserer Schule, als Lehrerin für wissenschaftliches Arbeiten, als Betreuungslehrerin. In meiner Eigenschaft als Klassenvorständin einer achten Klasse habe ich vor drei Jahren einen Blogeintrag mit dem Titel Sternstunden eines KVs geschrieben und damit die vielen gelungenen VWA-Präsentationen gemeint. Damals war ich richtiggehend euphorisch. Heute bin ich hin- und hergerissen.

Nach wie vor erscheint mir die VWA grundsätzlich als eine ebenso herausfordernde wie potentiell lohnende Angelegenheit. Die SchülerInnen können sich ihr eigenes Thema suchen, sich einarbeiten und vertiefen, etwas selbständig erforschen, ihr eigenes Werk verfassen und dieses schließlich präsentieren und verteidigen. Was gibt es Schöneres und Hehreres zum Abschluss einer Schullaufbahn und als Nachweis einer allgemeinen Hochschulreife? In der Theorie klingt das alles großartig, in der Praxis verhält es sich vielfach aber doch recht anders…

Sicher, für einige unserer SchülerInnen passt das Szenario des selbständig forschenden Lernens. Gerade heute habe ich eine recht schöne Arbeit bekommen, die sich mit der Thematik von Zwillingen in literarischen Texten befasst, auf deren Korrektur und Präsentation ich mich freue. Für viele unserer SchülerInnen aber ist es nichts anderes als eine Überforderung: Sich selbst ein Thema zu suchen und eine Forschungsfrage zu bearbeiten. Klingt gut, in Wirklichkeit ist es auch für Studierende nicht leicht. Forschungsliteratur zu recherchieren und einzuarbeiten, analytisch zu arbeiten und wissenschaftlich zu schreiben. Klingt ebenfalls gut, in Wirklichkeit aber scheitern auch Leute an der Uni daran. Und auch wenn man die Anforderungen auf Schulniveau herunterbricht: In der Realität sind viele unserer SchülerInnen mit dem Verfassen einer (vor-)wissenschaftlichen Arbeit überfordert und – seien wir ehrlich – so mancher Lehrer wäre es auch.

Zu der inhaltlichen Schwierigkeit, eine ordentliche VWA zu schreiben, kommt jedoch noch etwas anderes: die strukturelle Problematik, eine solche Arbeit neben der Schule zu verfassen. Gerade in der achten Klasse haben die meisten SchülerInnen wirklich gut zu tun, so manche(r) hat im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, um sämtliche Fächer positiv abzuschließen. Nebenher noch eine VWA zu verfassen, ist für einige schlichtweg unmöglich, andere setzt es psychisch so unter Druck, dass sie krank werden. Natürlich – und Gott sei Dank! – gibt es auch etliche, die’s doch halbwegs oder sogar bravourös hinkriegen. Insgesamt steht für mich trotzdem in Frage, ob dieser Druck, den wir den jungen Menschen da zumuten, wirklich zu rechtfertigen ist.

Viel Druck entsteht natürlich, weil ein Großteil der SchülerInnen viel zu spät mit der Arbeit beginnt. Wir sagen es ihnen eindringlich, wir setzen ihnen Termine, wir fordern Teile der Arbeit ein. Trotzdem gelingt es nur wenigen, sich rechtzeitig einer Sache zuzuwenden, die erst Monate später schlagend wird. Aus Sicht vieler Siebzehnjähriger ist der Abgabetermin im Februar einfach noch zu weit weg, als dass sie sich in den Sommerferien zwischen der siebten und achten Klasse hinsetzen und an ihrer VWA arbeiten würden. Und sobald dann das Schuljahr wieder angefangen hat, bleibt keine freie Minute, um neben Mathe, Englisch und Latein, den vielen Schularbeiten und Tests konsequent (vor-)wissenschaftlich zu arbeiten.

Es besteht halt doch oft eine riesige Kluft zwischen dem, was man tun sollte, und dem, was man tut. Zwischen dem Wissen um eine Sache und der Umsetzung dieses Wissens, zwischen Vorhaben und Realisierung. Das kennen Erwachsene, warum sollte es Jugendlichen anders gehen? Viel eher verhält es sich umgekehrt: Rational-geplantes, strukturiertes Vorgehen ist für Jugendliche noch viel schwieriger als für Erwachsene. Genau das aber würde (vor-)wissenschaftliches Arbeiten erfordern.

Meines Erachtens müsste die VWA zumindest besser in der Stundentafel verankert sein. Wenn man wirklich will, dass alle SchülerInnen eine solche Arbeit verfassen, bräuchten diese ein viel strengeres Korsett, eine ständige Begleitung, ja eine wöchentliche Stunde (bzw. zwei oder drei), in der sie ihre Arbeit vorantreiben können. Aber natürlich müsste das auf Kosten anderer Stunden gehen. Einfach nur das Ausmaß der Wochenstunden zu erhöhen, kann auch keine Lösung sein.

Eine andere Möglichkeit wäre es, eine VWA nicht verpflichtend von allen zu verlangen, sondern nur von denjenigen, die sich das wirklich zutrauen (und die gibt es ja!). Auch das würde die Situation entspannen. Denn wie man’s dreht und wendet: Die gegenwärtige Situation erzeugt insgesamt zu viel Druck und Stress und ist der Gesundheit der Jugendlichen nicht zuträglich. Zumal auch zu bezweifeln ist, dass dieser Druck die Leistungen der jungen Menschen und die Qualität der Arbeiten befördert.

Aber vielleicht sehe ich ja alles zu schwarz. Drei neue Einreichungen habe ich heute bekommen: Eine Schülerin will die Facebookauftritte politischer Parteien analysieren, eine andere über die Darstellung von Konzentrationslagern in der Kinder- und Jugendliteratur schreiben, die dritte sich mit dem Bild süditalienischer Frauen im Hinblick auf die Mafia in Film und Wirklichkeit befassen. Spannende Themen. Mal sehen, was daraus wird. Im nächsten Februar werde ich wieder davon berichten … (nemo)

 

 

 

 

 

 

Schulische Lebenselixiere

Gleich an zwei Abenden durfte ich in dieser Woche schulische Lebenselixiere zu mir nehmen. Mitunter braucht man solche, gerade gegen Ende eines fordernden Schuljahres. Nicht die Noten, nicht die Orientierung an Kompetenzen, nicht die standardisierten Prüfungsformate und auch nicht Kriterien wie Qualität, Optimierung, Professionalisierung, Output oder sonst ein Begriff aus der „schönen neuen Schulwelt“ standen an diesen zwei Abenden im Mittelpunkt, sondern die gemeinsame Sache, die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern, der anstrengende, aber spannende Weg miteinander.

dialogAm Dienstag war ich zur Maturafeier einer Klasse eingeladen, in der ich eigentlich gar nicht unterrichtet hatte. Zumindest nicht in der achten Klasse. Aber es war die erste Klasse, die ich vor sieben Jahren als Unterrichtspraktikantin am WRG in Deutsch bekam. Daraus begründete sich für mich eine Art besondere Beziehung. Im letzten Jahr durfte ich einen Teil der SchülerInnnen dann außerdem noch in Französisch unterrichten. Und auch dadurch – nicht zuletzt durch die gemeinsame Reise nach La Rochelle – hat sich die Art von besonderer Beziehung noch einmal bestätigt (auch wenn wir im letzten Jahr, als sie in der siebten Klasse waren, durchaus auch ein paar Konflikte auszutragen hatten). Insgeheim hatte ich ein bisschen darauf gehofft, dass mich die Klasse zu ihrer Maturafeier einladen würde; als die Einladung tatsächlich erfolgte, habe ich mich voll gefreut.

Das Schönste an der Maturafeier war das, was ich dort beobachten konnte: MaturantInnen mit ihren Eltern und LehrerInnen, die den Erfolg der Matura, aber mehr noch die in acht gemeinsam verbrachten Jahren entstandene Beziehung zelebrierten. Eine Klassenvorständin, die in ihrer Rede jedem einzelnen Schüler, jeder einzelnen Schülerin sagte, was sie an ihm oder ihr schätzt und mag, so ehrlich und authentisch, dass alle im Raum berührt waren. SchülerInnen, die sich bei den Lehrern „das Du-Wort abholen kamen“, die eine Lehrerin zum Abschied drücken wollten, einfach „weil Sie, äh Du, so ein netter Mensch bist“, Eltern, die sich bei KollegInnen für das außerordentliche Engagement bedankten und sich mir gegenüber an Besonderheiten des Fachunterrichts „damals in der zweiten Klasse“ erinnerten, SchülerInnen und LehrerInnen, die bis spät in die Nacht gemeinsam feierten, lachten und scherzten. Ich durfte den Schlusspunkt einer schulischen Laufbahn miterleben, der so nur möglich war, weil dahinter (bzw. zeitlich davor) mehrere Jahre standen, in denen das Menschliche die oberste Stelle einnahm. Diese MaturantInnen haben zahlreiche standardisierte oder auch individuell zusammengestellte Prüfungen abgelegt, sie weisen nunmehr vielfältige Kompetenzen auf, sie verfügen über Wissen und Können, weil sich all dies und noch viel mehr in den meisten Fällen am Ende eben doch einstellt – wenn das Bestreben ihrer Lehrer in erster Linie auf Bildung, auf die Entwicklung, Forderung und Förderung der jungen Menschen ausgerichtet ist. (Ob sich allerdings umgekehrt Bildung auch einstellen würde, wenn das Bestreben der Lehrer einzig auf Kompetenzerwerb und Standards ausgerichtet ist, erscheint mir viel fraglicher zu sein.)

Etwas ganz anderes und doch irgendwie Ähnliches stand am Mittwochabend auf PlakatWIenerWelten2dem Programm. Meine sechste Klasse lud zur Präsentation ihres diesjährigen Kulturprojektes. Sie hatten verschiedene Orte in Wien fotografisch in Szene gesetzt, nun wurden ausgewählte Arbeiten in der Galerie Fotohof ausgestellt. Aufgrund der Kooperation mit dieser Institution und der Gastfreundschaft von Hermann Seidl – die SchülerInnen hatten bei ihm den vorbereitenden Fotoworkshop absolviert – hatten sie die einzigartige Gelegenheit, eigene künstlerische Arbeiten in einer richtigen Galerie auszustellen. Am Mittwochabend fand also gewissermaßen die Vernissage statt – und was es für eine Vernissage wurde!

Eltern, Großeltern, Freunde und LehrerkollegInnen fanden sich ein, um die Fotografien zu betrachten. Zu sehen bekamen sie echt Großartiges. Wir wussten bereits in Wien, dass die SchülerInnen interessante und ungewöhnliche Fotos gemacht hatten. In der nunmehrigen thematischen Zusammenstellung und mit künstlerischer Unterstützung des BE-Lehrers aber entstanden Fotocollagen, die uns alle vom Hocker rissen.

Die SchülerInnen meiner Klasse sind zum Großteil introvertiert, im Unterricht wirken sie manchmal ein bisschen teilnahmslos und lahm. Nicht nur ich hatte mich in diesem Jahr immer wieder mehr oder weniger vergeblich bemüht, sie für Inhalte zu interessieren oder ihren kritischen Geist zu wecken. Gerade in letzter Zeit waren zudem einige Konflikte zu lösen und Probleme zu besprechen. Und, ja, das Engagement für den Präsentationsabend schien mir noch letzte Woche auch nicht wirklich überwältigend. Umso mehr erstaunte und erfreute mich das, was wir am Mittwochabend zu sehen bekamen. Künstlerische Werke der Extraklasse und fröhliche junge Menschen, die – auf ihre Art – stolz auf die Ergebnisse waren. Eltern, die ebenso beeindruckt waren wie wir LehrerInnen. Und endlich konnte ich die SchülerInnen an diesem Abend wieder einmal richtig loben und mich bei ihnen für ihre Arbeit bedanken!

Wo meine Klasse in zwei Jahren stehen wird, wie sich ihre eigene Maturafeier gestalten wird, weiß ich nicht. Hoffentlich werden einige der pädagogischen Versuche und Maßnahmen gelingen, die wir den SchülerInnen angedeihen lassen und auch zumuten müssen. Dass solche gemeinsamen Erlebnisse wie jenes am Mittwochabend das sind, worauf es ankommt und was Schule im Kern ausmacht, davon bin ich überzeugt.

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PS: Die Fotocollage ganz oben trägt übrigens den Titel „Dialoge“.

(nemo)

Korrekturreigen

November ist Korrekturintensivzeit. Kaum hat man einen Stoß Hefte abgearbeitet und zurückgegeben, landet der nächste auf dem Schreibtisch. Eine Klasse nach der anderen schreibt derzeit ihre erste von vier Schularbeiten im Schuljahr und  jeder Klasse muss man vor der Schularbeit zumindest eine schriftliche Hausübung korrigieren.

Als Deutschlehrerin ist man am allermeisten von allen Lehrern mit dem Korrigieren belastet. Als eben auch Französischlehrerin weiß ich, wovon ich spreche, und dass der Zeitaufwand fürs Korrigieren in Mathematik es jedenfalls nicht mit den Sprachen aufnehmen kann, steht, glaube ich, außer Zweifel. Für eine Deutschschularbeit brauche ich in den unteren Klassen ca. eine halbe Stunde pro Heft. Bei der ersten Klasse lässt sich dieser Schnitt vielleicht noch ein wenig senken, wenn man jedoch die gesamte Arbeitszeit zusammenrechnet, kommt man in jedem Fall auf mindestens 12 bis 15 Stunden pro Schularbeit und Klasse – und da darf man nicht lange herumfackeln.

Als ein wirkliches Problem stellt sich gerade in den Schularbeitsintensivphasen die Anzahl der SchülerInnen pro Klasse dar: 25 sind es bei uns in den Unterstufenklassen, in meiner derzeitigen Oberstufenklasse sogar 28. Na, frage nicht, wie lange ich an der zweistündigen Deutschschularbeit dieser Klasse sitzen werde. Am Montag bekomme ich jetzt erst einmal die dazugehörige Hausübung …

Texte zu beurteilen ist eine anstrengende und fordernde Aufgabe. Man muss jeden Text mehrmals lesen, auf verschiedene Dimensionen hin betrachten, wenn man ihm halbwegs gerecht werden will. Das eine ist die Sprachrichtigkeit, also die Rechtschreibung, die Grammatik und die Zeichensetzung. Das geht relativ schnell. Danach aber muss ich mich auf den Inhalt des Textes und auf den Aufbau konzentrieren und schlussendlich muss ich das Ganze noch einmal auf den sprachlichen Ausdruck und den Stil hin durchgehen. Egal, ob man mit oder ohne Korrekturraster beurteilt –  in ihrer Essenz und in Summe bleibt die Arbeit die gleiche. Einfach abhaken und zählen lässt sich wenig bis gar nichts.

Im Grunde korrigiere ich ja gar nicht einmal ungern, auch wenn dieser Teil der Arbeit eindeutig zu den Pflichten und nicht zu den Freuden meines LehrerInnendaseins zählt. Aber die Texte meiner SchülerInnen lese ich eigentlich ganz gerne. Ich beurteile sie etwas weniger gern, aber ok, es muss halt sein. Das Hauptproblem für mich ist die Masse an Heften. Ich portioniere sie in Vierer- oder Fünfereinheiten. Wenn ich ein Packerl erledigt habe, brauche ich eine Pause, sonst werde ich unwillig und ungerecht. Nach spätestens drei, vier Packerln reicht es mir, dann hätte ich die Arbeit gerne erledigt. Leider sind dann aber erst gut zwei Drittel einer Klasse geschafft – und ab da wird’s richtig zäh: Ab dem 18., spätestens dem 20. Heft, finde ich, hängt sich jedes zusätzliche ganz grässlich an.

Interessiert das eigentlich irgendjemanden? Ehrlich gesagt, ich glaube nicht. Dass die Arbeitsbelastung durch Korrigieren im Fach Deutsch weit über das hinausgeht, was in anderen Fächern zu tun ist, scheint niemanden zu kratzen. In Deutsch gibt es Klassenteilungen erst ab 31 Schülern, wir DeutschlehrerInnen bekommen keine extra „Korrekturstunden“ eingerechnet, ganz im Gegenteil, für die Korrektur und Beurteilung der Maturaarbeiten hat man uns die Bezahlung sogar halbiert. Wir aber korrigieren brav weiter. Wir korrigieren nachmittags, wir korrigieren abends, wir korrigieren am Wochenende, wir korrigieren sowohl in den Weihnachts- als auch später dann in den Osterferien. Hausübung um Hausübung, Schularbeit um Schularbeit. Mitunter stöhnen wir, manchmal beschweren wir uns. Aber eh nur untereinander. (nemo)

Dreamteam

Mit einem Glas Prosecco haben Monika und ich auf den heute in unseren Augen wieder sehr erfolgreichen VWA-Kick Off-Tag für die 7. Klassen angestoßen. Wir haben auf uns und unser Konzept, mit dem wir auch beim vierten Mal sehr zufrieden waren, angestoßen. Aber darüber wurde schon geschrieben und ich möchte etwas anderes besonders betonen:

  • Die unglaubliche Bereitschaft unserer KollegInnen in einer oder zwei freien Stunden einfach mitzumachen oder andere freizusupplieren, damit die SchülerInnen im Begegnungsteil auch genügend AnsprechpartnerInnen haben, die mit ihnen Gedanken über mögliche VWA-Themen kreisen lassen. Heute waren 16 Lehrerinnen und Lehrer für 57 Schülerinnen und Schüler da!
  • Direktor und Administratorin, die die organisatorischen Rahmenbedingungen schaffen und die Mehrarbeit ohne Zögern auf sich nehmen.
  • Die Schülerinnen und Schüler, die sich auf unser Konzept einlassen und auch am Nachmittag dabei sind, obwohl wir sie nicht kontrollieren. In der naturwissenschaftlichen Fachbibliothek und jener der Gesellschaftswissenschaften waren alle da und haben mitgemacht, und im Unipark (wohin sie ein Kollege begleitete) wird es nicht anders gewesen sein.
  • Nicht zuletzt die Schulwartin, die sich heute Morgen im letzten Moment freundlich um die Bestuhlung gekümmert hat, obwohl wir es ihr hätten früher mitteilen sollen.

Vielen Dank an alle. Und besonders an Monika. Wir haben ein wirklich tolles Team!

(juhudo)

VWA Runde 2

Von Freitag bis gestern haben an an unserer Schule zum zweiten Mal die Präsentationen der Vorwissenschaftlichen Arbeiten stattgefunden. Anlass zu einem weiteren Resümee. Zuerst die Hard Facts: 61 Schülerinnen und Schüler, die geforscht, geschrieben und präsentiert, 31 Lehrerinnen und Lehrer, die betreut und bewertet haben. Die Noten: 31 Sehr gut, 14 Gut, 9 Befriedigend, 4 Genügend, 2 Nicht genügend und eine Note wurde ausgesetzt. Ich muss erst noch nachfragen, warum. Schnitt 1,86. Erfolgsquote von 96,7%. Was will man mehr?

Die Themen sind breit gestreut. Von Kinderverschickung in der Nachkriegszeit im Raum Österreich, Ernährungsverhalten der Ringer des AC Wals vor Sportwettkämpfen, Aztekische Rituale der Gottesverehrung gesehen durch die Augen der spanischen Eroberer, Suffragetten im Kampf um die Gleichberechtigung,  Aktive Sterbehilfe und ihre Konsequenzen in den Niederlanden und Österreich, Plastikverbrauch am WRG Salzburg, Einsatzmöglichkeiten der Hypnose in der konventionellen Medizin bis zu Physik der Musik, Realitätsnahe 3D-Grafik oder Entwicklung des Helenakults vor und nach dem Trojanischen Krieg reichen die Interessen (+ 50 weitere). Im Idealfall finden die MaturantInnen Ende der sechsten Klasse oder im Wintersemester der siebten ein Thema, das sie WIRKLICH interessiert, in das sie sich einlesen und das im Lauf der Zeit immer spannender für sie wird. Dann gelingt, was mit der VWA beabsichtigt ist: Die Säule 1 der Neuen Reifeprüfung soll ein Interesse der Schülerin oder des Schülers repräsentieren und Folgendes zeigen:

ZieleVWAQuelle: bmbf.gv.at

Die beiden Themen, die ich betreut habe, lauteten Bushido –  vom Ehrenkodex zum Blockbuster und Selbstverletzendes Verhalten und dessen Aufarbeitung in drei Jugendbüchern. In beiden Fällen war echtes, persönliches Interesse vorhanden und nachdem wir einige Zeit an der Formulierung und Eingrenzung „herumgebastelt“ hatten, entstand doch große Zufriedenheit. Die Zeit muss man sich unbedingt nehmen und es können schon einige Wochen ins Land gehen, bis es soweit ist. Deshalb beginnen wir auch in der 6. Klasse, unsere SchülerInnen in unverbindlichen Übungen und im Unterricht immer wieder einmal zu animieren, obwohl die endgültige Entscheidung erst im Februar der 7. Klasse gefallen sein muss. Wie wir mit dem gesamten Prozess umgehen, kann hier nachgelesen werden.

An vier Präsentationen konnte ich teilnehmen und bei der Note in der Prüfungskommission mitstimmen. Alle KandidatInnen hatte sich zu ExpertInnen ihres Themas entwickelt. Präsentieren können bei uns alle, freundlich, mit gut gegliederten Vorträgen, das Wesentliche aus 15 bis 20 gedruckten Seiten in sieben Minuten herausstreichend. In der anschließenden Diskussion (ja, wie an der Uni!) vergessen sie auf jede Nervosität und verteidigen ihre Thesen und Ergebnisse souverän.

Auch nach dem zweiten Mal kann ich der VWA nur Positives abgewinnen: Die individuelle Zusammenarbeit mit den SchülerInnen schätze ich sehr.  Die Ergebnisse und Noten sprechen für sich. Bleibt nur die Frage, warum es bei einigen wenigen doch nicht funktioniert. Wenn ich mich erkundige, liegt es daran, dass manche doch zu spät mit der Arbeit beginnen und dann keine homogene VWA mehr entsteht und sie nicht mehr entsprechend überarbeitet werden kann. Hoffentlich können wir das für die kommende Matura ALLEN vermitteln. (juhudo)

Monikas Gedanken zu den Präsentationen des letzten Jahres finden sich hier.

Sprache ohne Kultur?

Letztes Jahr im Sommer habe ich dazu – eingedenk dessen, was ich kurz davor bei der ersten Matura im neuen Format in den Fremdsprachen miterlebt hatte – ausführliche Überlegungen angestellt. Nun ist der Artikel in den Romanischen Studien erschienen.

Darin betrachte ich die Auswirkungen der Kompetenzorientierung in den Fremdsprachen und stelle die Frage nach der Aufgabe von Fremdsprachen im Kontext einer humanistisch orientierten Allgemeinbildung. Etwas zugespitzt, vielleicht auch ein bisschen polemisch,  postuliere ich, dass eine ausschließliche Ausrichtung am Kompetenzparadigma, wie es gegenwärtig bei der Reifeprüfung in Österreich der Fall ist, bildende Inhalte verflacht oder sogar ausschließt, Sprache entkulturalisiert sowie entpolitisiert.

Wer mag, kann den gesamten Text hier online lesen. Über Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen.

Im Mai findet zu diesem Thema übrigens eine Tagung in Gießen (Deutschland) statt. Unter dem Titel Abschaffung der Literatur? soll eine Positionsbestimmung der Literaturwissenschaft „in schwierigen Zeiten“ versucht werden. Ich bin gespannt, ob dabei neue Erkenntnisse zu Tage treten. (nemo)