Wofür ich dankbar bin in diesen Tagen. Eine unvollständige Liste

Wofür ich dankbar bin in diesen Tagen:

  • für jeden einzelnen Besuch, jeden Anruf, jede Nachricht und alle guten Wünsche und Gedanken, die mich erreichen.
  • für alles, was mir meine Kolleginnen bringen und für mich tun.
  • fürs Kennenlernen von Barbara Pachl-Eberhart. Ich habe ihr Buch Vier minus drei gelesen, ich habe ihren Newsletter bestellt. Ich habe bereits viele Schreibtipps von ihr erhalten und ich will alle Bücher von ihr lesen.
  • für die Geschenke meiner (Ex-)SchülerInnen: ein Blumenstrauß aus Sonnenblumen und Rosen, ein Gutschein für eine Fahrt nach Wien mit Theater- oder Opernbesuch (gemeinsam mit meiner liebsten Reisekollegin!).
  • für die Freewritings, die sie für mich angefertigt haben und in ein Album geklebt haben. Für alles, was in diesen Texten steht.
  • dafür, dass ich die Maturazeugnisse meiner Klasse unterschreiben konnte. (Eine Kollegin hat sie mir nach Hause gebracht und anschließend wieder in die Schule gefahren.)
  • für meine Zeitungsabos: Der Standard kommt täglich, am Samstag kommen auch die Salzburger Nachrichten. Für die vielen guten und interessanten Zeitungsartikel, die ich täglich lese.
  • für das Radioprogramm von Ö1. Für Du holde Kunst heute Morgen mit den Lieblingsgedichten von Peter Matic (sieben Tage lang kann man die Sendung noch nachhören), für die Kabarett- und Konzertübertragungen vom Donauinselfest.
  • für die Stimme und die Intonation von Peter Matic.
  • dafür, dass ich auf meiner Couch liegen darf, Radio hören und lesen kann.
  • dafür, dass ich meine Tochter am Freitag zum Bus begleiten und ihr winken konnte, bis der Bus um die Ecke gebogen war. (Sie fuhr mit ihrer Klasse auf meeresbiologische Woche nach Premantura.)
  • dafür, dass ich weinen und lachen kann.
  • für meine beiden Katzen Tonio und Nina, die sich gerne auf mich drauflegen, mich lieb anschauen und schnurren.
  • für alles, was meine Eltern, meine Schwester, meine kleine Nichte und meine Schwägerin (die mich vom Krankenhaus abgeholt hat und sich neben vielem anderen um die Blumen am Grab kümmert) für mich tun. Und dafür, dass auch meine anderen Schwägerinnen und Nichten an mich denken. Und meine lieben, lieben Freundinnen sowieso.
  • für das schöne Sommerwetter und den abkühlenden Regen.
  • für das Geschenk, dass ich wieder schreiben kann.
  • für die vielen Buchtipps, die ich dieser Tage erhalte, und für das Buch Darm mit Charme von Giulia Enders, dessen Lektüre mir früher peinlich gewesen wäre und das ich jetzt mit großem Vergnügen lese. 🙂
  • für die Musik von I Muvrini (ganz besonders für das Album Invicta), die Songs von Calexico und das neue Album von Bruce Springsteen. Und für die Musik von Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms und Felix Mendelssohn Bartholdy.
  • dafür, dass ich wieder (fast) alles essen kann und mir alles so gut schmeckt.
  • dafür, dass liebe Menschen für mich einkaufen und kochen.
  • für meine beiden neunjährigen Nachbarsjungen, die einfach bei mir klingeln, mir und meinen Katzen Zeichnungen und Selbstgebasteltes schenken. Wir essen gemeinsam Melone, quatschen ein bisschen und ich lese ihnen Michel aus Lönneberga vor.
  • für mein Tagebuch und den Blog – und dass meine selbst geschriebenen Wort bei mir sind.
  • für das Verständnis meiner Schulleitung (Direktion, Administration und Sekretariat), die einfach alles, was zu regeln ist, für mich regeln.
  • für meinen so gut funktionierenden Körper und das Jojoba-Körperöl, das ich geschenkt bekommen habe, mit dem ich öle und öle.
  • für meine neue Hausärztin, bei der ich mich gut aufgehoben fühle, und dafür, dass sie für mich einen Antrag auf Erholung gestellt hat.
  • für die Kirchenglocken und das Zwitschern der Vögel.
  • für die Erinnerungen an unsere wundervollen Sommer in Korsika.
  • und für noch so vieles mehr.

(nemo)

 

 

ditact 2018 – reingeschnuppert

Ich weiß jetzt nicht genau, seit wie vielen Jahren die Ditact im Frühling meine Aufmerksamkeit findet, aber heuer war ich mir erstmals sicher, in den Ferien zu der Veranstaltungszeit anwesend zu sein, und habe mich für zwei Workshops angemeldet – vor allem in Hinblick darauf, für das erste „richtige“ Jahr mit der „Digitalen Grundbildung“ neue Ideen mitnehmen zu können.

Die Leiterinnen der Ditact wollen Folgendes:

ditact

Es gibt zwei Wochen lang sehr viele Kurse – wer möchte, kann hier einmal für das Jahr 2018 schnuppern – und die meisten sind nicht für Informatikerinnen, sondern für Informatikinteressierte ausgerichtet. In der zweiten Woche geht es auch um „IT & Didaktik“, und ich habe an den Workshops Informatik aktiv erleben und Fake News & Social Media teilgenommen. Meine Erkenntnisse schreibe ich wieder in Form von Mikroartikeln auf.

Thema Informatik aktiv erleben. Spielerische und interessante Unterrichtsstunden ohne Computer.
Referentin: Petra Nußdorfer
Story Die Aufgaben, die an uns LehrerInnen mit der Digitalen Grundbildung herangetragen werden, gehen weit über Mediendidaktik hinaus. Auch informatisches Grundwissen soll unseren SchülerInnen vermittelt werden. Da dieses Wissen nicht allgemein vorhanden ist, bin ich auf der Suche nach Material, das zum Beispiel auch einfach einmal in Supplierstunden eingesetzt werden kann, und auf so etwas habe ich in in diesem Workshop gehofft.
IMG_3928IMG_3929IMG_3930IMG_3931
Einsicht Folgerung Anschlussfragen
Wie haben ein ganzes Heftchen von Aufgaben mitbekommen und konnten einiges ausprobieren. Die Themen reichten von Binärrechnen und Kryptographie (zB End to End-Verschlüsselungen bei WhatsApp) über Sortieren und verschiedene Algorithmen bis zu Pixelgrafik und analogen Programmiereinstiegsspielen.

Die Übungen auszuprobieren hat viel Spaß gemacht und wir TeilnehmerInnen (es war auch ein Kollege dabei) hatten viel Gelegenheit uns auch untereinander Tipps zu geben.

Informatische Grundbegriffe lassen sich auch ohne Computer vermitteln. Idealerweise werden sie natürlich dann dort umgesetzt, aber einiges kann auch so erkannt werden – und es macht Spaß es gemeinsam umzusetzen. Wie bekomme ich die Aufgaben unter die SchülerInnen?

So etwas wie ein Informatikkofer  gefüllt mit den nötigen Materialien wäre toll. Und dass er in manche Supplierstunden mitgenommen wird!

Die junge Referentin Petra Nußdorfer unterrichtet neben Informatik auch Bildnerische Erziehung und das merkt man auch an ihren kreativen Unterrichtsideen, an denen sie uns teilhaben ließ. Sie wird anscheinend nächstes Jahr wieder bei der Ditact dabeisein und ich kann sie nur weiterempfehlen, man kann bei ihr viel Kreatives lernen!

Einige weitere Quellen:

 

Mein zweiter Workshop:

Thema
Fake News & Social Media. Anregungen für den Unterricht

Referentin: Sonja Messner

Story Der bei uns relativ neue Begriff Fake News ist vom Inhalt her natürlich schon immer ein Thema in der Medienerziehung („Zeitungsente“). Aber wie und warum Falschmeldungen innerhalb der sozialen Medien eine solche Wucht bekommen können, darüber wollte ich mir etwas „wissenschaftlichen“ Input holen.
Einsicht Folgerung Anschlussfragen
Inhaltlich gab es jetzt für mich nicht soooo viel Neues, aber ich erhielt eine gute didaktische Struktur, wie man mit SchülerInnen das Thema besprechen kann. Und den Tipp über das relativ neue Onlineportal Addendum, das Dietrich Mateschitz gehört. Außerdem, dass die Journalisten der Washington Post immer gleich vier verschiedene Überschriften zu ihren Artikeln mitliefern müssen – damit ein zur momentanen Situation passender ausgewählt werden kann ;-). Nix Neues: Meiner Meinung nach eines der wichtigsten demokratiepolitischen Themen! Es muss unbedingt immer wieder mit unseren SchülerInnen besprochen werden! Hier nicht so viele: Es gibt viel Material im Internet. Seiten wie Mimikama oder Kobuk sind hilfreich, Safer Internet und Klicksafe.de auch.

Eine gute Idee: SchülerInnen Fake News selbst produzieren lassen!

Auch für Sonja Messner eine klare Empfehlung. Die Medienpädagogin, die bei Akzente arbeitet, kennt sich aus und hat sich viel mit diesem Thema beschäftigt.

juhudo

„Ein Wettrennen namens Bildung“

… heißt der Artikel, den ich kürzlich im Standard veröffentlicht habe. Der Titel  stammt nicht von mir, ich finde aber, dass er recht gut passt. Das Bild, das zu dem Artikel gestellt wurde, gefällt mir weniger. Es lenkt den Fokus meines Erachtens zu sehr in Richtung Gesamtschule. Darum geht’s in dem Beitrag zwar auch, aber nicht im Kern.

Einige Menschen haben mich gefragt, wie man eigentlich dazu kommt, einen Artikel im Standard zu publizieren. In meinem Fall war’s so: Es gibt in dieser Tageszeitung eine Rubrik namens „Kommentar der anderen“, in der meinungsorientierte Beiträge unterschiedlicher Art und Herkunft, die über die Dimension eines Leserbriefs hinausgehen, erscheinen. Als Standard-Leserin, wie ich eine bin, kennt man diese. Alles, was ich also tun musste, war, meinen Text an die Redaktion zu schicken – und ein wenig zu kürzen.

Ich nehme an, das zuständige Redaktionsteam liest die eingehenden Beiträge und entscheidet dann, welche davon gedruckt werden und welche nicht. Nach welchen Kriterien die Texte ausgewählt werden, weiß ich nicht. Wenn ein Thema gerade nicht passt, vielleicht zu spezifisch ist oder der Platz im Printmedium fehlt, wird man an die Redaktion des Online-Standards verwiesen. Dann erscheint der Text dort als Userkommentar.

Mich freut jedenfalls, dass man in einer österreichweit erscheinenden Qualitätszeitung ebenso einfach wie ausführlich Stellung beziehen kann. Aber auch die Tatsache, dass man mit einem Zeitungsartikel nach wie vor – zumindest im kleinen Stil – Debatten auslösen, Reaktionen hervorrufen, Diskussionen anzetteln kann, finde ich gut. Nicht, dass mich jeder Online-Kommentar begeistern würde 😉 , aber die vielen positiven, zustimmenden, weiterdenkenden und auch die freundlich-kritischen Stellungnahmen im Internet oder auch per Mail stimmen mich zuversichtlich. Offenbar gibt es schon immer noch eine Diskussionskultur, die diesen Namen verdient.

(nemo)

PS: Obwohl der Platz, der mir vom Standard für meinen Beitrag eingeräumt wurde, durchaus üppig ist, war der Text, so wie ich ihn ursprünglich verfasst hatte, noch um einiges länger. Vor allem meine eigene Biographie wollte ich gerne etwas ausführlicher darstellen. Mir kommt vor, dass in der längeren Version eben doch mehr Zwischentöne und Nuancierungen vernehmbar sind, die insgesamt ein authentischeres Bild ergeben und vielleicht auch meine These ein bisschen besser erklären. Deshalb habe ich mir gedacht, ich stelle die Originalversion des Textes einfach hier in den Blog: Bildungsmythen und Diskurse

 

 

Cinéfête 2017

Mit den Französisch-SchülerInnen der 7. und 8. Klassen waren wir heute Vormittag im Kino. Wie jedes Jahr um diese Zeit findet im Salzburger Das Kino gerade die Cinéfête, ein kleines Festival des französischsprachigen Films, statt. Mehrere Filme für verschiedene Altersstufen stehen zur Auswahl, darüber hinaus gibt es im Internet pädagogisches Material zur Vor- und Nachbereitung. Feine Sache!

233373

Der Film, den wir mit den Fortgeschrittenen heute angeschaut haben, heißt im Original Les Héritiers. Im Programmkino lief er vor ungefähr zwei Jahren unter dem Titel Die Schüler der Madame Anne. Er erzählt von einer Schulklasse aus dem Pariser Vorort Créteil, die angeregt und begleitet von ihrer Geschichtelehrerin Madame Gueguen am Concours national de la Résistance et de la Déportation teilnimmt. „Kinder und Jugendliche im System der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager“ lautet das Jahresthema, mit dem sich die SchülerInnen dabei auseinandersetzen sollen.

Die schwierigen und leistungsmäßig schwachen SchülerInnen unterschiedlichster Herkunft scheint zunächst nichts für die Teilnahme an diesem Wettbewerb zu qualifizieren und auch ihr Interesse an dem Thema ist enden wollend. Nach und nach jedoch finden sie – unterstützt und getragen durch das Vertrauen und den Respekt der Lehrerin – Gefallen an der Auseinandersetzung mit der Geschichte. Sie beschäftigen sich mit den Biographien und Schicksalen der deportierten Kinder und beginnen sich mit den jungen Menschen von damals zu identifizieren.

Als wir vor einigen Wochen in der Klasse darüber abgestimmt hatten, welchen Film wir bei der Cinéfête ansehen würden, war ich froh, dass sich die SchülerInnen für diesen Film entschieden. Gerade im Französischunterricht lechzen wir ja immer nach Inhalten jenseits von Familie, Hobbys, Kleidung und Sport. Dass der Film jedoch so gut sein würde, hatten wir nicht erwartet. Es ist nämlich wirklich erstaunlich, wie es diesem Film gelingt, die Realität der Banlieue-Jugendlichen zu vermitteln und gleichzeitig ihr wachsendes Interesse an der Beschäftigung mit der Geschichte der Konzentrationslager glaubhaft und nachvollziehbar zu inszenieren. Die zunehmende Betroffenheit der Jugendlichen angesichts des Schicksals der deportierten Kinder überträgt sich dabei nach und nach auch auf die ZuseherInnen. Es war heute Vormittag mucksmäuschenstill im vollbesetzten Kinosaal, als der Überlebende Léon Zyguel über das von ihm im KZ Miterlebte sprach.

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte und stellt eine Lehrerin in den Mittelpunkt, der es unter wahrlich schwierigen Umständen gelingt, bei ihren Schülern etwas zu bewirken. Diese Frau, ihr Agieren und ihre Haltung, kann man sich zum Vorbild nehmen. Die DVD des Films sollten wir uns für die Schulbibliothek besorgen. (nemo)

Fake News oder Der überaus starke Willibald

Der Autor Willi Fährmann hat schon 1983 eine kleine Parabel geschrieben, die sich mit den Themen Demokratie, Diktatur, Solidarität und Machterhalt beschäftigt. Und Fake News – obwohl es diesen Begriff zumindest im deutschsprachigen Raum damals sicher noch nicht gegeben hat. Da Fährmanns ProtagonistInnen aber Mäuse sind, funktioniert die Geschichte heute noch ganz genau so wie damals.

Bei Fake News handelt es sich um – man kann es nicht anders nennen – Lügen, die durch mediale Verbreitung, oft professionell aufgemacht, für wahr gehalten werden können, wenn sich niemand die Mühe macht, sie auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Gerade heute gibt es dazu auch einen Artikel im Standard.
Im Fall des „überaus starken Willibalds“ funktioniert das so:

„Denkt  euch nur“, sagte er [der Mäusehugo] und riss die Augen weit auf, „eine große, getigerte Katz soll um das Haus herumschleichen.“ (S 15)

Dazu kommt noch eine alte Story über einen eventuell vor Jahren einmal gefressenen Mäuseopa und die Demokratie, in der die Gruppe bisher gelebt hat, wird aus der Furcht vor der „Katz“, die bisher niemand gesehen hat und auch nicht sehen wird, abgeschafft, ein Sündenbock (die Lillimaus) und ein Diktator werden gefunden.

„Wir brauchen kein langes Gerede“, sagte der schlaue Mäusejosef. „Wenn einer ganz allein zu bestimmen hat, dann geht alles schneller. Ruck, zuck.“
Die dicke Hermannmaus rief: „Wir brauchen keine Wahl. Wir brauchen keinen Präsidenten. Was wir in diesem Haus brauchen, ist ein Mäuseboss. Punktum.“ (S 19)

Und schon wird der Präsident abgesetzt (obwohl er bis 99 und damit immer alle Mäuse zählen kann) und der überaus starke Willibald

reckte sich hoch und rief mit feierlichem Ton: „In gefährlichen Zeiten braucht ein Rudel einen richtigen Boss. Ich werde euer Boss sein. Punktum. Ich, der überaus starke Willibald. So wahr ich einen kräftigen, langen Mäuseschwanz mein eigen nennen kann.“ (S 20)

Die Handlung nimmt ihren Lauf, die Mäuse werden durch unnötige Aufgaben „beschäftigt“ und Willibald und seine Gefolgsleute zementieren ihre Macht ein. Die übrigen Mäuse, die zuvor ein sehr glückliches Leben hatten, müssen jede Nacht Erbsen ausstreuen und morgens wieder einsammeln, Türme aus Bausteinen bauen, sie werden in verschiedene Räume aufgeteilt (die, die angepasster sind, wohnen näher an der Speisekammer) und bespitzelt.
Diese Geschichte geht gut aus, denn die Mäuse wehren sich dann irgendwann einmal doch und Willibald büßt ein Stück seines Schwanzes ein, der ja seine besondere Qualifikation ausgedrückt hat.

Mit dieser Lektüre kann man auch in einer ersten Klasse viele demokratiepolitisch wichtige Themen besprechen. Meiner heurigen Ersten hat sie ganz gut gefallen, die Buben haben ihr die Durchschittsnote 1-2, die Mädchen eher 2- gegeben.

Zum Abschluss noch meine persönliche Lieblingsstelle, sie stammt noch aus der Zeit der Demokratie:

16195144_10212176849804661_7528684405473440915_nDas größte Vergnügen für die Mäuse war eine Weltreise rund um den Globus. Dieses ziemlich große Modell der Erdkugel stand mitten in der Bibliothek. Seine Achse wurde von einem kunstvoll geschnitzten hölzernen Gestell gehalten. Wenn eine Maus von dem Holzständer auf den Globus kletterte, dann begann der sich selbst zu drehen. Die Maus musste laufen, wenn sie nicht von dem Erdball herunterrutschen wollte. Der Globus drehte sich schneller und schneller. Die Maus aber lief und lief und kam doch nicht vorwärts. Mit flinken Beinen tippelte sie über China und Japan hinweg und überquerte den riesigen Stillen Ozean in weniger als drei Sekunden. Amerika glitt unter ihr dahin und der Atlantische Ozean, schließlich Portugal, Spanien, das Mittelmeer, Italien und Griechenland. Die Türkei und ein Zipfel von Russland wurden berührt und dann ging es wieder von vorn los: China, Japan, der riesige Stille Ozean… (S 8-9)

(Der überaus starke Willibald schafft es übrigens zweiunddreißigmal, die Erde zu umrunden.)

Willi Fährmann: Der überaus starke Willibald.
19. Aufl., Würzburg 2006 (es gibt sicher schon mehr 😉 )

Nachtrag:
Ich hab bei BR 24 ein sehr brauchbares Video zum Erkennen von Fake News gefunden:

(juhudo)

Das Leben ein „?chauspiel“. Schulische Möglichkeitswelten

Was für eine Freude, wenn man ein Jahr lang gemeinsam und intensiv an einer Sache arbeitet und dann so etwas dabei herauskommt. Die Präsentation unseres diesjährigen Kulturprojekts „Multimediale Inszenierungen“ gestern Abend im Literaturhaus war ein voller Erfolg.
Ein ?chauspiel,  das sich sehen lassen konnte.

Fünf Akte umfasste unser Stück, ganz so wie es sich gehört. Nicht, dass es wirklich eine klassische Tragödie gewesen wäre, aber irgendeinen roten Faden, eine Metapher, eine Konstruktion braucht der Mensch halt, um Disparates sinnvoll zusammenzufügen. 😉

Die Auseinandersetzung mit dem Begriff der Inszenierung begleitete uns durch dieses Schuljahr. Und Inszeniertes auf verschiedensten Ebenen wurde gestern Abend geboten:

  1. Ein Hörspiel über Inszenierung in der Politik: Politiker, die nicht auf den Punkt kommen wollen, ein Engel und ein Teufel, die ihre Kommentare dazu abgeben und sich nicht einig darüber werden, was das eigentlich soll. – Für die drei SchülerInnen, die sich dieses Thema ausgesucht hatten, war das keine leichte Sache. Höchst ambitioniert wollten sie den Inszenierungscharakter politischer Reden aufdecken, die konkrete Umsetzung aber stellte sie vor fast unüberwindliche Hürden. Dass trotz aller Schwierigkeiten und Durchhänger schlussendlich so ein präsentables Hörspiel herausgekommen ist, finde ich bemerkenswert. Und das pantomimische Bühnenspiel der SchülerInnen ergab mit den vom Band eingespielten Stimmen eine durchaus vielschichtige Form der Inszenierung.
  2. Ein kleines Theaterstück über die Überschneidung von Realität und Phantasiewelt: Henriette, die gerne Comics zeichnet, wird von zwei Mitschülerinnen gemobbt. Durch das Eintreten in die Welt der Fiktion und die Identifikation mit ihrem Idol „Superhenriette“ gewinnt sie an Stärke, was es ihr sodann auch in der realen Welt ermöglicht, der Opferrolle zu entkommen. Und schlussendlich interessiert sich sogar der von allen angehimmelte Keno (in Wahrheit heißt der junge Mann ja Kevin Norbert) für sie. Na, da schauen die beiden Mobberinnen aber! – Wenn uns Lehrerinnen jemand zu Beginn des Schuljahres prophezeit hätte, wie überzeugend und plausibel dieses Stück werden würde und wie souverän sie es aufführen würden, wir hätten es nur schwer geglaubt. Die beteiligten Schülerinnen haben echt Großes geleistet!
  3. Ein Film über ein Mädchen, das ganz für ihre Selbstinszenierung auf Instagram lebt und darüber ihr wirkliches Leben und ihre Freundinnen vergisst. Am Ende beginnt sie zumindest über sich selbst und ihre Prioritäten nachzudenken. Ob sie ihr Profil auf Instagram wirklich löschen wird, bleibt offen. – Wieviel Arbeit hinter einem guten Drehbuch steckt, dass der daraus hervorgehende Film noch einmal eine ganz eigene (und notgedrungen abgespeckte) Sache ist, dass es unglaublich aufwendig ist, einen Film zu drehen und zu schneiden, all das haben die Beteiligten hautnah mitbekommen. Und es ist faszinierend, wie die Jugendlichen ihre Themen, das, was sie umtreibt, erzählen können, wenn ihnen jemand dabei hilft.
  4. Auch der zweite Film beschäftigte sich mit der (Selbst-)Inszenierung auf der offenbar bei den Schülern gerade angesagtesten aller sozialen Plattformen, Instagram: Eine Neue kommt in die Klasse, für die beiden „Stars“ viel zu uncool, für ihren Mitschüler Luke aber durchaus anziehend. Auf Instagram hat das schüchterne Mädchen allerdings ein Profil, das sie auch bei den coolen Girls interessant macht – so sensationell sind ihre Outfits. Sie laden die Unbekannte aus der Instagram-Welt zu ihrer Verkleidungsparty ein und müssen anschließend erkennen, dass sich hinter „So-Fashion“ niemand anderer als die uncoole Neue namens Sophie verbirgt. Nachdem die beiden die Krot geschluckt und verdaut haben, wird schlussendlich doch noch alles gut. Zwischen Sophie und Luke sowieso. – Am allerbesten hat mir an diesem Film ja die Rollenbesetzung gefallen. Es sind ihre Rollen, ganz und gar. Und wie zurückhaltende SchülerInnen in einem Film, der ihre Schüchternheit subtil inszeniert, wirken können, ist echt beeindruckend.
  5. Und schließlich der „Werbungsfilm“: Man sitzt vorm Fernseher und andauernd gibt es eine Werbungsunterbrechung. Genervt schlagen die Zuseher die Hände über dem Kopf zusammen, aber was da in der Werbung präsentiert wird, ist vom Allerfeinsten: Es deckt die Doppelbödigkeit und Verlogenheit der Inszenierung in der Welt der Werbung schonungslos auf. – In der „Perfektion“, in der uns die Werbespots dargeboten wurden, ein richtiger Genuss.

Bei all diesen Produktionen haben die SchülerInnen ungeheuer und sichtbar viel gelernt. Wenn man all die erworbenen Kompetenzen aufzählen wollte, könnte man gut und gerne lange Listen füllen. (Warum aber sollte man das eigentlich tun wollen? Wer käme auf die verrückte Idee?) Allerdings, damit solche Ergebnisse zustandekommen, bedarf es schon vielfältiger und intensiver Unterstützung und Begleitung durch Profis. Lässt man die SchülerInnen alleine wurschteln bzw. wurschtelt man als Lehrerin einer Klasse alleine (oder auch zu zweit) mit den SchülerInnen, können nie und nimmer Ergebnisse in dieser Qualität herauskommen. Abgesehen davon, dass wir vieles gar nicht selbst leisten könnten und auch nicht über das notwendige Equipment verfügen.

Die Profis allerdings muss man bezahlen – und das macht so ein Kulturprojekt unglaublich aufwendig in der Organisation und Abwicklung (Kalkulationen, Anträge, Abrechnungen etc). Und hätten wir nicht das Literaturhaus als Kooperationspartner gehabt, das den Großteil der Kosten übernahm, hätten all die eingeworbenen finanziellen Mittel nicht einmal annähernd ausgereicht, um das Projekt zu finanzieren. Wir Lehrerinnen führen so eine Sache übrigens fast unbezahlt durch: Wir bekommen eine Werteinheit für ein Kulturprojekt, in unserem Fall haben wir diese auf drei Personen aufgeteilt. Legt man die gedrittelte Werteinheit wiederum auf die für das Projekt gearbeiteten Stunden um, bleiben wirklich nur mehr Centbeträge über.

Ohne Idealismus ist so ein Projekt nicht durchzuführen, das steht fest. Aber selbst mit einer gehörigen Portion Idealismus und der Bereitschaft zur Selbstausbeutung ist es grenzwertig, das muss ich ehrlicherweise eingestehen. Erstens ist allzu viel Selbstausbeutung ungesund (krächzte sie), und zweitens muss man solche Projektpartner wie das Junge Literaturhaus mit ihrem Leiter Peter Fuschelberger erst einmal auftreiben. Das gelingt nicht jedes Jahr und viele solcher Premiumkooperationspartner gibt’s auch gar nicht. Ich bin jedenfalls froh, dass ich meinen SchülerInnen und auch meinen Kolleginnen und mir dieses Erlebnis zumindest ein Mal ermöglichen konnte. Im nächsten Jahr werden wieder kleinere Brötchen gebacken! (nemo)

Multimediale Inszenierungen. Ein Kulturprojekt

Morgen Abend ist es soweit: Unser diesjähriges Kulturprojekt wird präsentiert. Drei Kurzfilme, ein Hörspiel, ein kleines Theaterstück. Alles von den Schülern selbst ausgedacht und umgesetzt. Eine richtig große Sache. plakat%204%20%2c%20bearbeitet

Angefangen hatte es damit, dass wir uns mit dem Begriff „Inszenierung“ auseinandersetzten. Wir überlegten, was alles inszeniert wird und  wie die verschiedenen Dinge im Alltag und in der Kunst inszeniert werden. Wir gingen in die Oper, wir gingen ins Theater, wir gingen zur Performance von Jaromir Konecny. In weiterer Folge wollten wir selbst tätig werden.

Durch die Kooperation mit dem Literaturhaus Salzburg wurde vieles möglich, was den Rahmen eines normalen Kulturprojekts an unserer Schule gesprengt hätte: Künstler wie Christoph Wortberg oder Christian Sattlecker unterstützten die SchülerInnen beim Drehbuchschreiben, Filmprofis vom Studio West halfen ihnen beim Drehen und Schneiden. Peter Fuschelberger, der Leiter des Jungen Literaturhauses weiß, was es für Kulturprojekte dieser Größenordnung und Qualität braucht und hat sich auch selbst voll ins Zeug gelegt. Und auch wir Lehrerinnen waren nicht untätig.

Das Geld für unser Unterfangen kam übrigens vom Land Salzburg, von KulturKontakt Austria, vom Elternverein unserer Schule und – der größte Brocken – vom Literaturhaus. Und morgen dann also die große Präsentation. Wir sind gespannt!

In den letzten beiden Deutschstunden habe ich die SchülerInnen noch einmal darüber reflektieren lassen, was es heißt, so ein Kulturprojekt durchzuführen. Hier ein paar Statements:

Was es heißt, (sich) zu inszenieren …

Wir alle kennen es: Eines Morgens wacht man auf und will nicht in die Schule gehen. Die Lösung: Man inszeniert Kopfschmerzen. Dieses Thema haben wir zu unserem diesjährigen Kulturprojekt gemacht. Nein, wir haben nicht das ganze Jahr Kopfschmerzen gehabt und sind zu Hause gesessen. Wir haben uns in Szene gesetzt!

Was es heißt, an einem Kulturprojekt zu arbeiten …

Um ehrlich zu sein dachte ich mir zu Beginn des Schuljahres nicht, dass wir so viel Zeit in dieses Projekt investieren würden. Letztendlich aber waren die vielen Stunden Arbeit es auf jeden Fall wert.

Auch wenn es nicht leicht war, lernten wir auch, dass nicht alles gleich von Anfang an wie am Schnürchen laufen muss. Selbst wenn die Ideen noch so gut sind, manchmal können sie mit den vorhandenen Möglichkeiten einfach nicht umgesetzt werden.

Was es heißt, ein Plakat zu gestalten …

Acht Schulstunden. Das sind insgesamt 400 Minuten, die wir damit verbracht haben, plakat1Plakate für das heurige Kulturprojekt zu gestalten. Am Anfang haben wir alle unterschätzt, wie aufwendig es ist, ein Plakat zu entwerfen.

 Was es heißt, ein Theaterstück zu schreiben …

Allein schon eine gute Handlung zu erfinden war schwer, da wir immer wieder neue und bessere Ideen hatten, die wir auch in dem Stück haben wollten. So haben wir immer wieder von ganz vorne angefangen.

Jeder will etwas anderes, jeder hat andere Vorstellungen und Ideen. Wenn dann das Thema klar ist, wird es auch nicht leichter. Wie fängt man an? Wie lautet der erste Satz?

Was es heißt, einen Film zu drehen …

Arg, was da alles zu organisieren ist: vom Drehbuch über die Statisten bis hin zum Drehort.

Wir haben ziemlich lange am Drehbuch geschrieben, und als wir damit fertig waren, haben uns die Profis gesagt, dass es viel zu lang sei und es gar nicht möglich wäre, das alles an einem Tag zu drehen. Also wurde das Drehbuch gekürzt.

Man muss Geduld haben und manchmal kann es auch nervig sein, eine Szene gefühlte hundertmal zu drehen. Aber schlussendlich hat man dann doch ein gutes Gefühl und ist sogar stolz darauf.

Alles in allem war es lustig, einen Film zu drehen. Es gab natürlich auch anstrengende Aspekte, aber man kann von einem schulischen Projekt ja nicht erwarten, dass es nur lustig ist. plakat2

Bei der letzten Szene musste ich mit einem Bobby Car einen kleinen Hügel hinunterfahren. Ich habe mir oft das Lachen verkneifen müssen, da auch immer wieder Fußgänger vorbeispazierten und mich anstarrten. Vor allem bin ich gefühlte zwanzigmal den Hügel hinabgerollt.

Einen Film zu drehen ist ziemlich anstrengend, aber es macht auch viel Spaß. Es war vor allem unangenehm, dort zu drehen, wo viele Passanten vorbeigingen, da diese dann stehen blieben und zuschauten. Doch irgendwie fühlte man sich auch wie ein Filmstar.

Was es heißt, Filmstar zu sein …

Ich stand eineinhalb Stunden auf High Heels, die schlussendlich im Film gar nicht zu sehen sind.

Für meine zukünftige Karriere sehe ich mich schon in Hollywood, wie ich zusammen mit Dylan O’Brian eine Serie oder einen Film drehe.

Auch Statist zu sein ist schwerer als man denkt. Man muss aufpassen, was man im Hintergrund macht, um nicht mit komischen Gesten die ganze Szene zu verhauen.

Statist zu sein ist schon etwas Feines. Nur wird oft unterschätzt, wie schwer es tatsächlich ist. Ihr wundert euch jetzt wahrscheinlich, was so schwer daran ist, einfach nichts vor laufender Kamera zu machen? Nun, das Schwere daran ist, den eigentlichen Schauspielern nicht die Show zu stehlen. 😉

Was es heißt, einen Film zu schneiden …

Wir waren von 11 bis 18 Uhr im Filmstudio. Die sieben Stunden sind extrem schnell vergangen, insbesondere weil es so lustig war. Aber es ist schon erstaunlich, wie zeitaufwendig so kleine Werbespots sind. plakat3

Wir hätten, glaube ich, nie im Leben gedacht, dass es so anstrengend sein kann, einen Fünf-Minuten-Film zu schneiden. Trotzdem fanden wir es sehr lustig.

Interessant war, dass ich meinen eigenen Film sogar schneiden durfte. Und ich muss zugeben, dass es mich sehr fasziniert hat, mich selber eine Rolle spielen zu sehen.

Und alles in allem …

Meiner Meinung nach ist es eine gute Erfahrung gewesen, auch wenn es teilweise anstrengend und auch sehr aufwendig war.

Ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützt und uns geholfen haben.

Ich glaube, jede Gruppe hatte die einen oder anderen Schwierigkeiten. Aber jetzt steht am Ende ein Ergebnis, mit dem jeder zufrieden ist.

Durch unser Kulturprojekt haben wir viel darüber erfahren, wie so ein Film überhaupt zustande kommt und wie viel Arbeit und Zeit man allein in so einen Kurzfilm hineinstecken muss.

(nemo)