Schnell, schneller, am schnellsten. Das Tempo zu Schulbeginn

Zweite Woche und die Schule hat bereits rasant an Fahrt aufgenommen. Zumindest erlebt es mein Kind so, und auch bei der Cousine in Bayern ist es nicht anders. Die meisten LehrerInnen legen von Anfang an richtig los, bereits letzte Woche gab es Hausübungen, die ersten Lernzielüberprüfungen sind fixiert und auch der Nachmittagsunterricht ist schon wieder in vollem Gang. Manche Eltern sind bestimmt froh, dass ihr Kind endlich wieder gefordert ist, ein paar finden wahrscheinlich immer noch, dass es viel zu langsam vorwärtsgeht, und sicherlich gibt es auch Kinder, denen trotz alledem langweilig ist.

Mein Kind gehört nicht zu den Schnellstartern. Mein Kind braucht zu Schulbeginn Zeit. Zeit, um sich wieder an den Rhythmus zu gewöhnen, Zeit, um die Materialien zu besorgen und herzurichten, Zeit, um alles auf „die Reihe zu kriegen“, Zeit, um sich an die neue Situation in der Klasse zu gewöhnen und auch Zeit, um sich von den vielen Ankündigungen und Informationen, die täglich auf alle Beteiligten einprasseln, zu erholen. Mein Kind hätte nichts gegen ein gemäßigteres Anfangstempo einzuwenden.

Aber ok, schon nächste Woche gibt es hier wieder zwei freie Schultage. Einerseits sind die meisten froh, wenn sie ein bisschen durchschnaufen können, andererseits erscheint es wahrlich als seltsam, wenn man nach zwei Wochen Schule das Gefühl hat, durchschnaufen zu müssen. Aber ja, es ist wohl wie beim Joggen: Wenn man zu schnell lossprintet, bekommt man innerhalb kürzester Zeit Seitenstechen und muss gleich wieder pausieren. Beginnt man hingegen langsamer, findet man viel besser in einen Laufrhythmus, den man sodann auch lange durchhalten kann. Aber wer hat schon Zeit, über ein angemessenes Anfangstempo (oder gar über Aufwärmübungen!) nachzudenken, wenn alle losrennen, als gälte es einen (absurden) Streckenrekord zu brechen.

(nemo)

 

Schulschlussbetrachtungen aus der Ferne

Die letzte Woche eines Schuljahres hat es bekanntlich in sich: Projekttage (bei mir an der Schule heißen sie Happy Days, bei meiner Tochter „Musendays“), Schulfest, KV-Tag, Aufräumen, Schlusskonferenz, Abschluss- und Abschiedsfeiern, Schulschlussgottesdienst, Danksagungen, Zeugnisverteilung. Ganz schön viel, was da zusammenkommt. Viele Menschen, die wenig oder gar nichts mit Schule zu tun haben, haben dennoch häufig den Eindruck, in der letzten Schulwoche passiere eh nichts mehr. Wie kann das sein?

Dass nichts mehr passiert, heißt aus Schülersicht oft einfach nur, dass nichts mehr zu lernen ist. Wenn es keine Tests und Schularbeiten mehr gibt, wenn die Noten längst feststehen, wenn kein „Stoff“ mehr unterrichtet wird, ja, wenn man nicht einmal mehr Hefte und Bücher mitzunehmen braucht, passiert in der Wahrnehmung von

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Schulfest-Crêperie 2019

Jugendlichen nichts mehr. Die einen finden Gefallen daran, die anderen bezeichnen diese Woche als sinnlos. Trotzdem möchten die allermeisten Jugendlichen die letzte Schulwoche nicht missen. Denn Sinnlosigkeit allein ist für sie noch kein hinreichender Grund, um Dinge wie Schulfest oder Projekttage, Eis essen oder Ausflüge in Frage zu stellen. Schließlich möchte man ja auch nicht bis zum letzten Tag pauken müssen. Da nimmt man selbst einen anstrengenden Wandertag in Kauf.

Problematischer scheint mir die Perspektive mancher Eltern zu sein. Da gibt es gar nicht so wenige, die der Ansicht sind, die Lehrer würden in der letzten Schulwoche eine zusätzliche Ferienwoche abfeiern. Alles, was nach dem Stichtag des Notenschlusses erfolgt, erscheint ihnen nicht nur als überflüssig, sondern eigentlich als Betrug an ihrem Nachwuchs. Ineffizienz des Systems, allgemeiner Schlendrian oder eben Faulheit der Lehrer sind die Parameter, mit denen sie den Schulbetrieb zu Schulschluss beurteilen. Ich erinnere mich an den Leserbrief eines Vaters, der vor einiger Zeit einmal öffentlich hochgerechnet hat, wieviel wertvolle Unterrichtszeit seinen Kindern auf diese Weise verloren ginge und um wieviel klüger Österreichs Schüler und Schülerinnen sein könnten, wenn das anders liefe. 

Menschen, die gar nichts mit der Schule zu tun haben, haben dagegen oft überhaupt keine Vorstellung, was sich zu Schulschluss in der Schule abspielt. Ich erinnere mich selbst daran, dass ich damals, als ich noch nicht Lehrerin war und kein Schulkind hatte, mitunter gar nicht richtig mitgekriegt hatte, wann die Ferien anfingen. Von dem schulischen Trubel, der dem Ferienbeginn vorausgeht, hatte ich nur mehr eine vage, wenngleich angenehme Assoziationen weckende Ahnung. Für mich als Schülerin war die Zeit vor der Zeugnisverteilung ja fast die schönste überhaupt gewesen. Sie fühlte sich einfach großartig an. Meist war das Wetter prächtig, das Leben lustig und vor einem lagen wochenlange, noch nicht einmal angeknabberte Ferien.

Die Schule bildet einen eigenen, von außen manchmal seltsam anmutenden Kosmos. Wenn man nichts mit ihr zu tun hat, kann sie einem wie ein fremder und sehr weit entfernter Planet vorkommen. Auch ich habe in diesem Jahr nur aus der Ferne zugeschaut, wie die Schule das Stück, das sie über das Schuljahr hinweg aufgeführt hatte, mit einem mehrere Takte umfassenden Paukenschlag und Trommelwirbel beendete. Trotzdem habe ich mitbekommen, was meine Kolleginnen und Kollegen in diesen Tagen wieder geleistet haben. Auch habe ich miterlebt, wie angetan meine Tochter vom Programm der letzten Schultage war. Ich weiß natürlich, dass die letzte Woche für LehrerInnen mitnichten eine zusätzliche Ferienwoche darstellt. Das Abschließen eines Schuljahres ist in jedem Fall saumäßig anstrengend, im besten Fall ist es gleichzeitig lustig, schön und erhebend.

Ich finde ja, dass die letzte Schulwoche mindestens genauso relevant ist wie die Wochen davor. Dass da nichts mehr passieren würde, stimmt jedenfalls nicht. Meiner Erfahrung und Beobachtung nach stimmt nicht einmal, dass die Schüler in dieser Woche nichts mehr lernen würden. Ganz im Gegenteil. Allenfalls könnte man darüber diskutieren, was schulisches Lernen eigentlich umfassen sollte. Ob die Verwandlung eines Klassenzimmers mittels selbst Gebasteltem in eine französische Crêperie und der anschließende Verkauf eigenständig fabrizierter Crêpes dem strengen Vater aus dem Leserbrief wohl Lernerfahrung genug für seinen Nachwuchs wäre? Wohl kaum.

Jetzt aber Schluss mit Schule. Schöne Sommerferien! 🙂

(nemo)

Lehrerin sein ist wie … das Bestellen eines „Blumenbeets“

Meiner Klasse gewidmet  

Immer wieder einmal drängt sich mir im Zusammenhang mit meinem Tun als Lehrerin die Metapher des Gartenbaus auf: Ich selbst betrachte mich des Öfteren als Gärtnerin, meine SchülerInnen sind die Pflänzchen, die ich hege und umsorge, an deren Wachstum ich mich erfreue. Schulschluss und noch viel mehr die Matura erscheinen mir als Zeit des Erntens und auch als Zeit des „Erntedanks“.

Meine achte Klasse hat diese Metapher – unbewusst bewusst – aufgenommen und weitergesponnen. Im Herbst vergangenen Jahres haben sie sich für das sogenannte Spaßfoto als buntes Obst und Gemüse verkleidet. Ich durfte die Gärtnerin mimen und prüfen, ob sie schon reif seien. Es war ihre Idee. Mir hat sie gefallen.

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Jetzt, zur Zeit des Erntens, bin ich ausgefallen. Aufgrund einer akut notwendig gewordenen Operation konnte ich nicht bei ihrer Maturafeier dabei sein. Ich konnte keine Rede für sie schreiben, schon gar nicht hätte ich sie halten können und noch weniger hätte ich Kraft zum Feiern gehabt. Gemeinsamer „Erntedank“ war nicht.

Trotzdem habe ich so vieles an Ernte erhalten. Das kostbarste Geschenk aus unserem gemeinsamen Garten ist das Album mit den Freewritings, das sie mir zukommen ließen. Darin finden sich neben den Freewritings Fotos, Karten von unseren Theaterbesuchen und Fahrscheine von unseren gemeinsamen Klassenreisen nach Brüssel, Amsterdam, Wien und Linz. Und ganz am Anfang des Albums findet sich ein Gedicht, verfasst von Elena D. Daneben klebt das Foto von unserer ebenso symbolischen wie lustig gemeinten „Reifeprüfung“. (Da das Foto ohnehin im Internet auffindbar ist, habe ich mir erlaubt, es auch in den Blog zu stellen.) Das Gedicht möchte ich zitieren:

Das Blumenbeet

Die Gärtnerin kümmert sich um die Jungpflanzen im Beet:
viele bunte verschiedene Pflanzen,
die sich im Garten verschanzen.
Alles ist dabei, von Avocados bis zu Erbsen
und jedem Einzelnen wächst die Gärtnerin sehr zu Herzen.
Liebevoll pflegt und hegt sie das Beet,
gibt ihnen Wasser, Liebe und schaut, dass die Sonne richtig steht.
Allmählich sprießen die Pflanzen in die Höhe.
Nun ist es Zeit sich zu verabschieden und sich in der Welt zu verteilen.
Wer weiß schon, in welchem Garten die Pflanzen liegenbleiben?
Doch mit Sicherheit kann man eines sagen:
Tief im Herzen werden sie für immer die Gärtnerin tragen.

Kann eine Klassenvorständin schönere Erntegaben zur Matura von ihren SchülerInnen erhalten? Ich fühle mich unendlich beschenkt.

(nemo)

 

 

Schönheit und Schrecken der Schule. Ein ebenso metaphorischer wie ungeschminkter Bericht vom Schwimmen

Hier sitze ich nun an meinem wunderbaren Schreibtisch, den der geliebte Mensch vor ein paar Jahren extra für mich aus edlem Kirschholz gefertigt hat. Über zwei Wochen konnte ich nicht an diesem Tisch Platz nehmen und die Tatsache, dass ich es jetzt erstmals wieder kann, treibt mir fast die Tränen in die Augen.

Was ist passiert? Mitten unter der Matura, quasi auf hoher schulischer See, drohte ich plötzlich unterzugehen. Wenn mein Körper nicht „SOS“ gefunkt beziehungsweise die Notbremse gezogen und mich aus der schulischen See hinauskatapultiert hätte, wäre ich vielleicht, ich weiß es nicht, wirklich „ertrunken“. Zu Pfingsten musste ich operiert werden, seit einer Woche bin ich wieder zu Hause. Nunmehr geht alles ganz langsam. So langsam, wie ich es mir in meinem bisherigen Leben gar nicht für mich hätte vorstellen können. So langsam, wie mein Körper und ich es jetzt halt brauchen.

∗ ∗ ∗

Wie habe ich mich gefreut, Anfang März nach dem plötzlichen Tod des geliebten Menschen, als ich wieder in die Schule gehen konnte. Das Mitgefühl, die freundlichen Blicke, die tröstenden Worte, die Lebendigkeit und die Wärme taten mir so gut. Ich fühlte mich aufgehoben im Kreise meiner KollegInnen und SchülerInnen. Wie eine große Familie erlebte ich die Schulgemeinschaft, jeden Tag erfreute ich mich daran, dass ich Teil dieser Familie sein durfte, dass diese Familie Bestand hatte, dass in der Schule Normalität im besten und schönsten Sinne herrschte. Wir hatten unseren Platz dort, mein Schicksal und ich. Dafür bin ich bis heute und – wenn ich das so sagen darf – werde ich für immer dankbar sein.

Nach und nach veränderten sich die Dinge, zuerst unmerklich und dann immer merklicher. Als ich es so richtig gemerkt habe, da war es jedoch schon zu spät für mich. Da war ich sozusagen schon zu weit vom Ufer entfernt. Die vierstündige Schularbeit der achten Klasse, so etwas wie eine Probematura, war der erste Stein auf dem Weg ins Wasser gewesen. Die Arbeit war anstrengend, die Arbeit war fordernd, aber ich war froh und stolz, dass ich die Arbeit bewältigen konnte. Gleich anschließend ging es Schlag auf Schlag. Nicht nur die großen Steine wurden spitzer, auch die vielen kleinen. Aber ich schaffte den Weg. Auf einmal war ich im Wasser und konnte losschwimmen. Womit ich jedoch nicht gerechnet hatte – wohl wissend, dass es immer so gewesen war, jedes Jahr aufs Neue -, das war die Sogwirkung des Schulwassers. Ja, mit einem Mal, noch bevor ich wieder umdrehen und meine Schwimmübungen beenden konnte, riss es mich mit. Eben noch vorsichtig mich über die Steine hinwegtastend, prüfend, ob ich den steinigen Zugang und das doch noch recht kühle Wasser überhaupt schon aushalten würde, kam die Schule als riesige Welle daher und nahm mich mit. Ich hatte keine Möglichkeit mehr, „Stopp“ zu rufen, ich konnte nur mehr mitschwimmen. Aber siehe da, es klappte. Es fühlte sich nicht einmal schlecht an, das Gewässer war mir vertraut – und ja, schwimmen kann ich. Das habe ich gründlich gelernt und schon des Öfteren bis zur Erschöpfung praktiziert.

Matura mit meiner Klasse, VWA-Präsentationen, Korrektur der schriftlichen Deutsch-Matura, Vorbereitung der mündlichen Deutsch-Matura, Verantwortungsgefühl für 26 MaturantInnen, Abschluss mit und Abschiednehmen von meiner achten Klasse, Empathie und Verpflichtung auch den vielen anderen SchülerInnen gegenüber. Nicht weniger als der ganzen Schule fühlte ich mich moralisch verpflichtet. So wie früher halt. Besprechungen und Vorbereitungen fürs Schuljahresende, Planungen bereits für das nächste Schuljahr, Mitleiden mit den enttäuschten MaturantInnen, Mitfreuen mit den erfolgreichen und darüber hinaus noch Mitleben mit jenen SchülerInnen, die sich beispielsweise auf eine Klassenreise freuten. Letzte Schularbeiten, Notengebung, Abschluss und Präsentation der Jahresprojekte als Dreingabe. So viele Ideen, so viele Termine, so viele Kleinigkeiten, um die ich mich – wie immer – kümmerte. Und daneben noch der Versuch, Mama und Papa gleichzeitig für das eigene Kind zu sein. Denn wenn die Schule auch noch so anstrengend ist, ich noch so erschöpft bin, das eigene Kind darf nicht darunter leiden!

So schwamm und schwamm ich, immer verzweifelter, und merkte anfangs kaum, dann aber immer deutlicher, wie es mich nach unten zog, wie ich mich nur mehr mit größter Kraftanstrengung an der Oberfläche halten konnte. Wo war der Platz für meine Trauer? Wo war der Raum für meine Schwäche? Wo war die Zeit für Regeneration? Ja, wo war eigentlich ich?

Dass mich mein eigener Körper nun sozusagen vor dem Ertrinken gerettet hat, ist ein Glück, das ich vielleicht gar nicht verdient habe. Aber wer weiß denn schon, ob man sein Glück verdient hat oder nicht? Es ist ganz einfach ein Geschenk, eines der schönsten und größten, die ich jemals bekommen habe. Ein Geschenk, das ich gerne annehme, das ich ganz fest bei mir halten werde, das so kostbar wie mein Leben ist. Das Geschenk beinhaltet eine Chance – und diese Chance werde ich versuchen wahrzunehmen.

Schwimmen ist derzeit nicht. Aber im kühlen Schatten liegt es sich geradezu paradiesisch. Im Moment brauche ich nicht einmal den Blick aufs Wasser. Noch dazu, wo täglich Kolleginnen vorbeikommen, mir ein bisschen frische Luft zufächeln und mich mit kräftigenden „Cocktails“ versorgen. Obwohl ich auf unbestimmte Zeit nicht mitschwimmen kann, lassen sie mich nicht einfach links liegen, sondern umsorgen mich und passen darauf auf, dass ich nicht zu schnell wieder Gefahr laufe, von der riesigen Schulwelle mitgerissen zu werden. Denn auch wenn jetzt die Sommerferien vor der Tür stehen und die schulische See mehrere Wochen lang zur Ruhe kommen wird, ist die grundsätzliche Gefahr des erneuten Mitgerissenwerdens natürlich noch lange nicht gebannt. Ja, meine Kolleginnen, die schauen auf mich.

Schule ist wunderschön, Schule kann aber auch schrecklich sein. Meistens ist sie beides irgendwie gleichzeitig, und die Herausforderung besteht vielleicht darin, das schrecklich Schöne aushalten zu können, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

So, und jetzt lege ich mich wieder hin! 🙂

(nemo)

Manga in der Schulbibliothek

Manga sind DIE Renner unserer Schulbibliothek. Dragonball, Naruto, Detektiv Conan und Inu Yasha werden dauergelesen, manchmal sogar mehrmals hintereinander. Aber viele Manga sind für ältere Jugendliche und Erwachsene gedacht und es ist nicht immer leicht, aus der Masse der seit einigen Jahren in großer Zahl übersetzten Manga die passenden herauszufiltern. Das hab ich vor ein paar Jahren schon einmal versucht.

In dieser Osterferienwoche hatte ich gleich zweimal die Gelegenheit mich mit Experten zu unterhalten. Das erste Mal bei der Austria Comic Con in Wels und dann mit dem Besitzer eines sehr netten, kleinen Comicbookshops in Bamberg.

Aus Wels nahm ich folgende Tipps mit:

  • My Hero Academia
    51slvj4cnhl._sx326_bo1204203200_Fast alle Menschen haben Superkräfte, sogenannte Macken. Was ist aber mit einem Jungen, der keine besitzt, aber das Herz und die Einstellung eines wahren Superhelden? Er versucht sein Bestes, um in die Schule der SuperheldenanwärterInnen zu gelangen …
    Könnten wir ankaufen, 21 Bände bisher.
  • One-Punchman
    Trotzdem zwei kleine Burschen mir diesen Manga dringend empfohlen haben, finde ich einen Helden, der ein Monster mit jeweils nur einem Schlag vernichten kann und sich ob der langweiligen Kämpfe ärgert, nicht ausreichend, damit wir die Serie kaufen. Aber ich lese ja auch immer nur den ersten Band …
  • Merry Nightmare. Jäger der Albträume
    ist mir ein bisschen zu chaotisch in Handlung und Zeichenstil. Die Idee zum Manga würde mir ja gefallen: Wenn wir die Traumwelt besuchen können, dann können Wesen aus der Traumwelt auch zu uns. Und ein Mädchen ohne Gedächtnis muss seinen Weg zurück finden.

Aus Bamberg stammen folgende erste Bände:

  • Magi
    Zwei schrullige, lustige Burschen, die Aladin und Ali Baba heißen, wollen in einer 1000-und-eine-Nacht-Welt ihr Glück machen. Aladin hat einen schüchternen Dschinn in seiner Flöte dabei. Könnten wir nehmen, muss aber nicht sein.

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  • The Legend of Zelda. Twilight Prinzess
    Ein Klassiker, den es auch als Nintendospiel gibt. Es geht wie immer um den Kampf des Guten gegen das Böse. Ein Elf, der nie mehr kämpfen wollte, muss wieder zur Waffe greifen, um dem Dorf zu helfen, in dem er jetzt lebt. Vier Bände, das geht.

 

 

  • 51l8boibixl._ac_ul654_ql65_The Rising of the Shield Hero
    Dieser Manga würde Burschen und Mädchen gefallen. Vier Menschen werden in ein Computerspiel gezogen und müssen das Land vor dem Untergang retten. Leider hat einer nur die Kraft der Verteidigung und er hat es deswegen nicht leicht. Er sucht sich eine Mitstreiterin, die er erst ausbilden muss, da er zu Beginn einfach noch kaum Ressourcen hat. Neben My Hero Academia gefällt mit dieser Manga am besten. Acht Bände bisher.

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Außerdem hab ich auf der Comicon erfahren, datrumpfkarten_gefacc88chertss es seit vier Jahren ein österreichisches Superheldencomic gibt: ASH. Austrian Superheros. Gar nicht schlecht, Helden mit Lokalkolorit und Charaktere wie Captain Austria, das Donauweibchen, Lady Heumarkt und den Bürokraten. Dazu gibt es sogar auch schon ein Quartett.

Ja, auch solche Themen können zum  LehrerInnensein gehören ;-).

juhudo

Als wir der Hilfe bedurften. Schule als Gesellschaftsutopie

Als wir der Hilfe unserer Mitmenschen bedurften, war sie da. So intensiv, mannigfaltig und wahrhaftig, wie ich mir das nie hätte vorstellen können. Familie, Freunde, Verwandte und Bekannte, Menschen von nah und fern, warfen – als bei uns nach dem Tod des geliebten Menschen ein großes IMG_5121Blackout drohte – ihr Notstromaggregat für uns an und sorgten dafür, dass das Licht nicht ausging und auch weiterhin nicht ausgehen wird. Hier im Schulblog will ich von jener Hilfe berichten, die uns von der Schulgemeinschaft zuteil wurde.

Dass ich in einer Schule mit einer stabilen, herzlichen und mich immer wieder beglückenden Schulgemeinschaft arbeite, weiß ich, seit ich in dieser Schule unterrichte. Was das über die Normalität hinaus in einer Krisensituation bedeutet, durfte ich kürzlich erfahren. Die Schulgemeinschaft wurde mir in diesen Tagen und Wochen zu nichts Geringerem als einem Lebensanker.

KollegInnen umarmten und trösteten mich, sie kamen bei mir zu Hause vorbei und brachten Essen für uns, Lasagne und Quiche, Suppe, Kuchen, Macarons und Schokolade. Auch vor der Tür warteten immer wieder kleine Aufmerksamkeiten auf uns, Honig und Nüsse, Blumen und Karten. Auf sämtlichen Kanälen, die uns zur Verfügung stehen, trafen Grüße, IMG_4994Botschaften und Nachrichten für uns ein. Die genau richtigen Gedichte und Bücher, die schönsten Blumen und Kerzen, tröstende Briefe und liebevolle Gedanken erreichten uns. Von allen Seiten wurde mir in der Schule Hilfe angeboten. Kolleginnen und Kollegen nahmen mir Arbeit ab, Sekretariat, Administration und Direktion halfen zusammen, um mir das Leben zu erleichtern.

Meine AchtklässlerInnen schenkten mir zwei Steine, einen für mich, einen für mein Kind. Jeder Einzelne von ihnen hatte die Steine in die Hand genommen und uns Kraft geschickt. Mit dem Handy und mit dem Stift drückten sie mir ihr Mitgefühl aus, ebenso wie die FünftklässlerInnen, die ich in Französisch unterrichte. Den DrittklässlerInnen fielen die Worte schwer, sie nähten mir ein Polsterherz, aus weinrotem Stoff, so schön wie nur möglich. Meine Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern und sogar SchülerInnen, die ich gar nicht oder schon lange nicht mehr unterrichte, schrieben uns und dachten an uns. Immer noch sehe ich in so vielen Blicken, auf dem Gang oder beim Buffet, wie kleine und große Menschen mit mir mitfühlen.

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Ist meine Schule eine singuläre Ausnahme, die einzige Schule, an der so etwas möglich ist? Nein. Meine Schule ist großartig und für mich die schönste Schule, an der ich sein kann. Aber auch von KollegInnen aus benachbarten Schulen kam Hilfe. Und auch meine Tochter erlebt an ihrer Schule, einem anderen Salzburger Gymnasium, eine wunderbare Welle der Anteilnahme und der Unterstützung. Ihre Lehrerinnen und Lehrer ebenso wie die Direktorin, ihre Mitschülerinnen und Mitschüler sowie deren Eltern bilden ein dichtes und stabiles Netz für sie. Meine Tochter wird in ihrer Schule, ebenso wie ich in der meinen, gehalten und getragen, vom ersten Augenblick an, bis heute und darüber hinaus.

Schule ist Leben, Schule ist ein Ort des Lernens und Miteinanderseins. Beziehung und Resonanz sind die Säulen, auf dem all das fußt. Kein Programm oder System, keine Noten und keine Qualitätsstandards, keine Norm und keine Bildungsdokumentation können irgendetwas von dem erzählen, worauf es im schulischen Zusammenleben von Menschen eigentlich ankommt. In unserer Ausnahmesituation hat sich das soziale Gefüge der Schule in seiner ganzen Kraft und Schönheit bewährt. Wir bedurften der Hilfe und die Hilfe war da.

Wie wäre es, wenn wir alle auch im Normalfall ein bisschen öfter auf das achten würden, was da ist, was im Miteinander der Schule funktioniert und klappt? Wie wäre es, wenn Herzensbildung als integraler und wesentlicher Bestandteil von schulischer Bildung betrachtet würde? Als menschlicher Auftrag, nicht weniger wichtig als jedes einzelne Fach mit seinen Inhalten und zu erwerbenden Kompetenzen? Eine Kollegin zum Beispiel, die in diesem Jahr zum ersten Mal Klassenvorständin ist, wird jedes Mal, wenn sie in ihrer Klasse unterrichtet, von einer ganzen Kinderschar abgeholt. Ihre Schüler warten schon in der Pause vor dem Konferenzzimmer auf sie und begleiten sie dann auf dem Weg in den Klassenraum. Erzählen solche Kleinigkeiten nicht eine andere Geschichte von Schule, eine vom Gelingen des Miteinanders? 

„Alles könnte anders sein“ heißt das neue Buch von Harald Welzer. In einem Interview, das im heutigen Standard erschienen ist (aber offenbar nur in der Printversion verfügbar ist), sagt der Soziologe: „Auf Probleme schaue ich in diesem Buch bewusst nicht. Ich versuche, andere Wege aufzuzeigen. Zum Beispiel wende ich mich der Beziehung der Menschen untereinander zu. Es ist das Paradox zu beobachten, dass wir einen permanenten Wohlstandszuwachs verzeichnen, aber die Menschen sich aggressiv verhalten, unter Ängsten leiden und gereizt sind. Wollen wir nicht eine freundliche Gesellschaft, in der man keine Angst hat und freundlich miteinander umgeht? Das ist eine konkrete Utopie, die auch zu verwirklichen ist.“

Sowohl in meiner Schule als auch in der Schule meiner Tochter und zweifellos in vielen anderen Schulen auch ist das, was Welzer „Gesellschaftsutopie“ nennt, bereits seit Langem Wirklichkeit.

(nemo)

Deutschunterricht im Zeichen der Digitalisierung (Fortbildung)

war der Titel der 1. Tagung des Österreichischen Forums Deutschdidaktik (ÖFDD). Da es im LehrerInnenfortbildungsprogramm der PH Salzburg angeboten wurde und die Digitalisierung für mich ja so ein Mittelding zwischen Hobby und Beruf darstellt, habe ich teilgenommen. Uniluft schnuppern ist immer eine willkommene Abwechslung vom Alltag und so besuchte ich von Donnerstag Nachmittag bis Samstag Mittag zwölf Vorträge, die ich hier nicht alle einzeln abarbeiten wollte, aber es ist mir auch nicht möglich, nur (m)einen Überblick über gemeinsame Inhalte zu geben. Aber erst einmal der Link zum Programm.

Die beiden für mich relevantentesten Vorträge hielten am ersten Tag Johannes Odenthal und Markus Pissarek am letzten. Wenn, dann lest bitte die kurzen Berichte über diese beiden.

Die Keynotes des ersten Tages:
Erst einmal gab es ein paar neue Begriffe: Digitalität, Algorithmizität und Referenzialität. Sie tauchen immer wieder auf und werden aus dem Buch Kultur der Digitalität von Felix Stalder zitiert, auf das sich viele der ReferentInnen beziehen. Es scheint das gegenwärtige Standardwerk zur Digitalisierung zu sein. Nicht alle Vortragenden verstehen es, Powerpoint adäquat einzusetzen; auf den Folien von Michael Kelle stand so viel Text, dass man nicht so schnell mitschauen konnte wie er VORLAS – und weiterklickte!1 Außer diesem Buchtipp und dem Satz „Die Kultur der Digitalität bestimmt eine Art zu denken und zu handeln“ ( 😉 !) konnte ich aus dem ersten Programmpunkt nichts mitnehmen. Da es sich bei den Themen um Forschungsergebnisse handelt, sind die Folien verständlicherweise nicht für die TeilnehmerInnen zum Nachlesen verfügbar.

Den zweiten Referenten, Johannes Odenthal, hätte ich mir vor dem ersten gewünscht, dann hätte ich mir mit den Begrifflichkeiten leichter getan. Er blickte mit einem distanzierten Blick auf die DIGITALISIERUNG und erklärte das mit folgender Analogie: Die technischen Hilfsmittel, die seit der Industrialisierung entstanden sind (Autos, Aufzüge), erforderten eine dialektische Gegenbewegung in Form von Sport, weil die körperliche Bewegung für uns auch notwendig ist. Entsprechend müssen wir infolge der Digitalisierung auch mental auf den Sportplatz. Und der Deutschunterricht hat hier eine wichtige Aufgabe: Es wird eines seiner Qualitätskriterien sein, mehr auf das Analoge als auf das Digitale zu achten.
Odenthalt stellt der Digitalität die Analogität zur Seite (nicht gegenüber) und nennt als Beispiel für den mentalen Sportplatz den Deutschunterricht, in dem man lineare Texte statt Hypertexte lesen darf, in dem man sich auf eine Sache konzentrieren darf, in dem man auch einmal alleine arbeitet und in dem man nicht nur produziert, sondern auch etwas zum Ausdruck bringt, etwa, wenn man Theater spielt. Odenthal sieht in der Erfüllung dieser Aufgaben – er nennt sie Analogität, Autonomie und Authentizität (im Gegensatz zu Digitalität, Gemeinschaftlichkeit und Referenzialität) – ein wichtiges Qualitätskriterium des Deutschunterrichts.

Maik Philipp sprach anschließend über einen „kompetenten rezeptiven Umgang“ mit „multiplen digitalen Dokumenten“ und zeigte ein komplex-kompliziertes Modell zum Bewerten von digitalen Quellen. Für analoge funktioniert es aber sicher auch.

Am nächsten Tag die letzte Keynote: Am Beispiel von Super Mario Brothers ging es um Spiele. Filme, Comics, Blogs, Podcasts, Machinimas, WIKIs, Modding, FanFiction und soziale Medien. Matthis Kepser zeigte die Fähigkeiten auf, die nötig sind, um an der digitalen Kultur teilnehmen zu können. Er zitierte dazu Henry Jenkins: „play, performance, simulation, appropriation, multitasking, distributed cognition, collective intelligence, judgement und transmedia“. Amüsant und erhellend, ich habe mich mit etwas Ähnlichem schon einmal in meinem eEducation-Studium (Digitale Mediensozialisation) mit großem Spaß beschäftigt.²

Dann reihte sich ein Workshop an den anderen, immer 45 Minuten Zeit, kurze Vorstellungen von Forschungsinteressen, noch kürzere Fragerunden zu Erklärvideos, Votingsystemen für Lehramtsstudierende, einen Storyeditor („Inky“), der sich für Erzählungen mit mehreren Handlungsalternativen eignet, eine Fehlerauswertung von analog und digital verfassten Maturaarbeiten (handschriftliche bekamen die besseren Noten …), der Iderblog wurde vorgestellt, der während des Bloggens eine Rechtschreibanalyse durchführt und die Kinder sofort korrigieren kann. Es wurde über die Verwendung digitaler Geräte zum Lesen von Literatur gesprochen (Die meisten Deutsch-Lehramtsstudierenden an der PH lesen weder digital noch analog recht viel.) und das Projekt Digital Resistance (Thema Fake News) vorgestellt.

Ein Highlight war der letzte Vortrag, gehalten von Markus Pissarek. Er hatte an alle vorherigen Vorträgen ebenfalls teilgenommen und meinte, er hätte danach „keinen Arbeitsbegriff der Digitalität mehr“ und seinen Vortrag am Abend zuvor noch entsprechend umgestaltet. Er zeigte anhand der Böhmermann-Varoufakis-Satire, dass selbst Internetexperten den Fake nicht hatten erkennen können, was an dem „Stinkefinger“ richtig oder falsch war, und erklärte, dass das Lernenden allein deshalb schon gar nicht als Aufgabe überlassen werden sollte.
Er meinte auch, dass die Bildungsstandards des Deutschunterrichts wegen der Digitalisierung nicht umgebaut werden dürfen, dass keine neuen Kompetenzmodelle nötig seien, denn „LITERATURUNTERRICHT IST DAS BESTE VEHIKEL!“
Die Wahrheit stecke in der Fiktion, sie wurde von Dichtern geschaffen. Man müsse „Awareness mitbringen, dann kann man immer noch in den Fiktionalitätsmodus umschalten.“

Mein Fazit besteht hauptsächlich aus Fragen:

  • Digitalisierung ist klar und spielt natürlich auch eine Rolle im Deutschunterricht.
  • Aber muss eine bestimmte Art des Lesens dafür gelehrt werden? Eher nicht.
  • Es scheint ein Gefühl der Bringschuld und des Nachhinkens unter der LehrerInnenschaft und dem Bildungssystem zu geben. Warum eigentlich?
  • Sind digitale Text etwas grundsätzlich anderes als analoge?
  • Die DidaktikerInnen sind (natürlich) unterschiedlicher Meinung.
  • Nicht alle referierten Forschungsergebnisse erscheinen mir besonders relevant.
  • Auch im Rahmen einer Tagung bleibe ich irgendwie in meiner Filterblase ;-).

Was mir noch aufgefallen ist:

  • DeutschlehrerInnen wissen nichts von diesem Forum, sie sind allerdings auch nicht unbedingt AdressantInnen. Warum eigentlich nicht?
  • Die Vortragenden stammen – auch wenn sie an österreichischen Unis lehren – alle aus Deutschland und sind Männer, so dachte ich nach den Keynotes. Das hat sich insofern ausgeglichen, dass ab dem dritten (!) Halbtag einige aus Österreich stammende Frauen ihre Vorträge hielten.
  • Nach den Vorträgen sagen alle Uni-Angehörigen „Danke für den schönen/interessanten Vortrag“. Alle anderen wissen noch nichts davon.
  • „Vorlesungen“ sind noch nicht ausgestorben: 3 von 11, aber vermutlich ist das Verhältnis nicht schlecht.
  • Modelle sind etwas ganz Wichtiges. (Fast) jede/r muss eines haben.
  • Mitschreiben ist anscheinend kein Thema mehr. Natürlich hab ich immer mein iPad und meinen eigenen College-Block mit, aber bei diesen Tagungen ist es üblich, eine Mappe mit Programm, Kugelschreiber, einem Block und manchmal Werbematerial zu bekommen. Ich sag nur: 12 Vorträge und fünf (!) Blätter Papier?!?

(juhudo)

1 exemplarisches Beispiel einer besonders unangenehmen Präsentationsfolie – und sie war nur eine von vielen – besonders wenn sie in großer Geschwindigkeit vorgelesen wird:

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